Sonsbeck: Als Sonsbeck das große Los zog
zuletzt aktualisiert: 02.07.2009Sonsbeck (RPO). Sonsbeck – ein Teil von Geldern? Oder gar von Xanten? Nicht auszudenken! Und doch hätte es vielleicht so kommen können, wenn sich die Entscheidungsträger von Sonsbeck, Hamb und Labbeck Ende der 60er Jahre nicht zusammengerauft und die Fusion der Orte zu einer Gemeinde beschlossen hätten. Am 1. Juli 1969 schlug die Geburtsstunde des "neuen" Sonsbecks. Für Bürgermeister Leo Giesbers Anlass, mit einigen Ratsmitgliedern und Verwaltungsmitarbeiter von damals ein wenig zu feiern und über die alten Zeiten zu schwatzen. Auch in der Ratssitzung am Mittwochabend wurde an das Datum erinnert.
Dass Sonsbeck mit seinen damals insgesamt gerade mal 6300 Einwohnern tatsächlich selbstständig werden durfte, daran habe der damalige Amtsdirektor Bernhard Roßhoff entscheidenden Anteil gehabt. Er war auch im Landtag und machte dort anscheinend seinen Einfluss geltend. In Labbeck allerdings, so erinnerte sich Theo Verhoeven, habe er damals "mit Engelszungen reden müssen". In Labbeck gab (und gebe es immer noch) einen starken Hang nach Xanten. "Ich hab den Leuten klar gemacht, dass wir in Xanten keine Schnitte haben würden", so Verhoeven. "Die Xantener hatten genug mit sich selbst zu tun." Verhoeven wurde 1973 als Nachfolger von Bernhard Gellings Bürgermeister – und blieb es 21 Jahre lang.
Nur drei Parteien
Gegenüber heute (CDU, SPD, FDP, Grünen, BIS) war die Zusammensetzung des Rats früher recht überschaubar. Bei den ersten Kommunalwahlen nach der Neugliederung 1969 bekam die CDU 73,68 Prozent der Stimmen (15 Sitze), die SPD 23,62 % (4), die FDP scheiterte mit 2,7 Prozent. Bei den Wahlen 1975 kam die CDU auf 71,8 % (20), die SPD auf 28,2 % ( 7 Sitze), die FDP trat nicht an.
Vier Haushaltspläne
Während die Hamber und Sonsbecker einstimmig für den Zusammenschluss votierten, gab es in Labbeck auch drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Auch die Amtsvertretung stimmte einstimmig zu. Sie war damals das vierte Entscheidungsgremium im Bereich Sonsbecks. Alle vier saßen im gleichen Ratshausgebäude, waren aber eigenständig. Es gab beispielsweise drei Haushaltspläne und zusätzlich noch einen Amtsplan – ein großer Verwaltungsaufwand, der durch den Zusammenschluss deutlich gemindert wurde. Weniger Papierkram habe es damals sowieso gegeben: Vorlagen für Rats- und Ausschusssitzungen wie heute, die habe es höchstens der Gemeindedirektor bekommen. Lange Diskussionen in den Gremien seien eine Seltenheit gewesen, und "Fraktionszwang" bei Abstimmungen – dies sei erst viel später zur Regel geworden.
Der Zusammenschluss kleiner Gemeinden war damals erklärter Wille der Landespolitik. "In Nordrhein-Westfalen gab es mehrere tausend Kommunen", erläuterte Bürgermeister Leo Giesbers. "Jetzt sind es 396. Gemeinden, die sich mit einem freiwilligen Zusammenschluss schwer taten, wurden bei der zweiten Kommunalreform 1975 dann unter Umständen "zwangsweise" einer größeren Stadt zugeschlagen.
Lebhafte Entwicklung
"Wir haben durch den Zusammenschluss das große Los gezogen", meinte Manfred Vierboom, ehemaliges SPD-Ratsmitglied. Hamb und die anderen Orte hätten eine lebhafte Entwicklung genommen. Wie Giesbers sagte, gab es aber auch schmerzliche Folgen: Als die Schulreform griff und Volksschulen zugunsten von Grund- und Hauptschulen aufgelöst wurden, mussten die Schulen in Hamb und Labbeck aufgelöst werden.
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