Xanten: An der Oberfläche ist es ruhig
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 25.07.2009Xanten (RPO). Analyse Frustration in Sonsbeck, nur mühsam gezügeltes Jagdfieber in Xanten. Fünf Wochen vor der Kommunalwahl ist es nur an der Oberfläche so friedlich wie es die Konterfeis auf den Wahlplakaten spiegeln wollen.
Xanten / Sonsbeck Der Wahlkrimi wird für Xanten vorausgesagt. Gleich drei Kandidaten sind angetreten, um die Wiederwahl von Amtsinhaber Christian Strunk (CDU) zu verhindern. Denn dies ist die Gemeinsamkeit. Die Wahlprogramme treten vor diesem gemeinsamen Ziel in den Hintergrund.
Personalpolitik gegen Strunk
Xantens Rathausopposition (SPD, FBI, Grüne und FDP) hat sich über die gesamte Distanz der Ratsperiode auf einen permanenten Konfrontationskurs gegen Strunk festgelegt und – gefühlt – beinahe jeden Beschluss zur Kampfabstimmung gemacht, auch wenn heute niemand ernsthaft behauptet, er sei gegen Weg weisende Weichenstellungen gewesen. Xantens Ratspolitik ist bis dato Personalpolitik für oder gegen den Spitzenmann der CDU.
Seit Sommer 2007 wurde systematisch mit Stadtkämmerin Karin Welge (SPD) eine ernst zu nehmende Gegenkandidatin aufgebaut. Die SPD-Frau Karin Welge hat inzwischen ihr Antrittsetikett "unabhängig" gegen "überparteilich" ausgetauscht. Karin Welge ist damit angekommen. Sie wurde bereits von der damaligen Ratsliste (SPD, FBI, Grüne) unter Bürgermeister Hans-Jürgen Thiele (SPD) als Beigeordnete, Kämmerin und Nachfolgerin für den pensionierten Stadtkämmerer Karlheinz Merissen (CDU) nach Xanten geholt. Ihre Wiederwahl erfolgte einstimmig, wobei sich die CDU dabei auf ein Versprechen von Karin Welge beruft, das sie ihr gegeben habe: nicht als Kandidatin gegen Strunk antreten zu wollen.
Erstmals bewirbt sich in Xanten Die Linke um ein Ratsmandat und stellt mit Werner Becker einen eigenen Bürgermeisterkandidaten. Der Ortsverband der Linken ist das Produkt parteiinterner Zerwürfnisse zwischen Steffen Roski und Eberhard Ritter im Ortsverband der Grünen. Roski hat Ende 2005 die Grünen verlassen und mit Beharrlichkeit an der Gründung des Ortsverbands der Linken gearbeitet.
Mit Arno Kloep betritt ein intellektuell hochgerüsteter und scharfzüngiger Bewerber die Kandidatenbühne. Der parteilose Kloep gehörte bis Dezember 2008 der CDU an, war für diese sogar bis 2004 im Stadtrat und lehrte dort mit seinem Scharfsinn sowohl Freund als auch Feind das Fürchten. Der Unternehmensberater gilt als Enfant terrible in der politischen Szene.
Sonsbeck: Risse in der Fassade
In Sonsbeck zeigt die über viele Jahre hinweg gepflegte Fassade vom "Wir in Sonsbeck" erhebliche Risse. Der Frust der Opposition (SPD, Grüne, FDP, BiS) speist sich aus vielen Quellen. Die stets satten Mehrheiten für die Sonsbecker CDU und die sowohl fachliche als auch personelle Omnipräsenz von Bürgermeister Leo Giesbers (CDU) sind für sie eine Grundbelastung. Aktuell kommt hinzu, dass die mühsame Einigung auf den gemeinsamen Gegenkandidaten Friedhelm Bogatka nur für wenige Monate nach der Nominierung hielt. Bogatka warf im Frühjahr hin, weil die FDP entgegen der Absprache ihren Ortsverbandsvorsitzenden Jürgen Kühne nachnominierte – so die offizielle Lesart.
Tatsächlich hat die FDP die Reißleine gezogen, weil der Rentner und Neubürger Friedhelm Bogatka in der Gemeinde keinen Widerhall gefunden hat.
Doch die Legende vom Wortbruch wird jetzt gepflegt. Inzwischen zeigt sich damit, wie locker das oppositionelle Zweckbündnis in Sonsbeck verbunden war. Nicht genug damit. Kurz nach diesen Entscheidungen teilten die Grünen in der Gemeinde mit, dass sie – obwohl als Fraktion im aktuellen Gemeinderat vertreten – bei der Kommunalwahl nicht antreten werden. Ein zu knappes Zeitbudget bei den Spitzenleuten und zu wenig Personal, um die kommunalen Wahlbezirke mit Kandidaten zu besetzen.
Übel kreiden SPD und BiS inzwischen der Sonsbecker CDU einen Fauxpas an. Die hatte nämlich in einer Wahlkampfschrift den Abtritt von Bogatka als Spuk bezeichnet, der endlich vorbei sei. "Nachgetreten" wertet die SPD diesen Ausrutscher.
Die RP-Serie zur Kommunalwahl wird fortgesetzt.
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