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Xanten: „Es ist ein einmaliges Erlebnis“ Auf den Spuren des Apostels Jakobus

zuletzt aktualisiert: 28.07.2007

Xanten (RPO). Im Mai war Agnes Sanders zehn Tage auf dem Jakobsweg unterwegs. Die 40-Jährige aus Marienbaum ist mit ihrer Schwester und ihrem Schwager von Ponferrada aus nach Santiago de Compostela gegangen.

Wie ist die Idee entstanden, auf dem Jakobsweg zu wandern?

Agnes Sanders Die Idee ist schon vor Jahren entstanden. Damals fragte mich Pater Ivo aus dem Kloster Mörmter, ob ich nicht Lust hätte auf dem Jakobsweg zu pilgern. Als er nach Brasilien zurück ging, hatte sich die Idee erst einmal zerschlagen. Der Wunsch, den Jakobsweg zu gehen, war aber immer noch da.

Jetzt haben Sie sich den Wunsch erfüllt. Wie war es denn?

Sanders Es ist ein einmaliges Erlebnis. Jeder erlebt den Weg auf eine andere Art und Weise, es ist aber in jedem Fall eine super Erfahrung.

War es nicht auch strapaziös?

Sanders Der Weg ist landschaftlich sehr schön, aber auch anspruchsvoll. Ab und an geht es steil bergauf, dann wieder bergab, mal ist es ganz ruhig, dann wieder laut. Irgendwie ist der Weg also wie das Leben.

Denkt man auch ans Aufgeben?

Sanders Nein. Man trifft Pilger aus aller Welt. Manche humpeln schon, aber alle laufen weiter, alle wollen nach Santiago. Ich hatte auch jeden Morgen Muskelkater an anderen Stellen. Aber man läuft einfach weiter – trotz der Schmerzen. Zum Glück waren meine Schuhe gut eingelaufen, so dass ich keine Blasen bekommen habe.

Was haben Sie sonst gelernt?

Sanders Dass man mit wenig gut auskommen kann. Man hat nur einen Rucksack dabei mit einer Wechsel-Garnitur, einem Schlafsack und einer Fleece-Decke.

Wie war die Ankunft in Santiago?

Sanders Das war ein super Erlebnis. Jeden Mittag gibt es dort einen Gottesdienst für die Pilger, die an diesem Tag angekommen sind. Wir hatten Glück, dass an diesem Tag viele deutsche Pilger da waren. Zu Beginn des Gottesdienstes wurde dann „Großer Gott, wir loben dich“ auf Deutsch gesungen. Da bekommt man schon eine Gänsehaut.

Würden Sie nochmal gehen?

Sanders Ja, dann aber länger.

Andreas Cüppers führte das Gespräch.

Xanten (acü) Santiago de Compostela gehört seit Ende des 10. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Pilgerzielen der christlichen Welt. Allein im vergangenen Jahr machten sich rund 100 000 Pilger aus aller Welt auf den Weg nach Galicien. Vom Niederrhein aus sind es etwa 2400 Kilometer nach Nordspanien. Als Fußpilger sollte man für diese Strecke mit 100, als Radpilger mit rund 50 Tagen rechnen.

Mit dem Jakobsweg ist vor allem der rund 700 Kilometer lange „Camino Francés“ gemeint, jene Hauptverkehrsachse aus dem Mittelalter, die nordspanische Königsstädte wie León, Jaca oder Pamplona verbindet. Eine Urkunde im Pilgerbüro von Santiago erhält nur, wer mindestens die letzten 100 Kilometer auf dem „Camino Francés“ gepilgert ist.

Im engsten Kreis der Jünger

Bei der Ankunft in der Kathedrale von Santiago wird die große Sitzfigur des Apostel Jakobus als Zeichen der Ehrerbietung umarmt und geküsst. Mit seinem Bruder Johannes und Petrus gehörte Jakobus der Ältere zum engsten Kreis der Jünger Jesu. Während die Bibel keinen Bezug zu Spanien erkennen lässt, soll Jakobus der späteren Überlieferung zufolge zur Missionierung nach Spanien entsandt worden sein. Nach fruchtlosen Bemühungen aber kehrte er nach Jerusalem zurück. Im Jahre 44 nach Christus erlitt er unter Herodes als erster Apostel den Märtyrertod durch das Schwert. Die Legende erzählt, dass seine Jünger den Leichnam in ein Schiff legten, das ihn steuerlos in sieben Tagen in die Provinz Iria Flavia an die spanische Westküste brachte. Dort soll das Grab des Apostels im ersten Drittel des neunten Jahrhunderts auch entdeckt worden sein.

Rund um die Grabstelle wuchs schließlich die Stadt Santiago de Compostela. Papst Urban II. hat der Stadt vermutlich den Namen verliehen. Nachdem zunächst nur eine einschiffige Kirche der Apostelverehrung diente, begann im elften Jahrhundert der Bau der eindrucksvollen romanischen Kathedrale von Santiago de Compostela, die bis heute Ziel der Jakobspilger ist. Der direkte Zugang zum Grab mit Resten des Apostels ist seit dem Mittelalter nicht mehr gegeben.

Seit dem 12. Jahrhundert heften sich die Pilger die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen an. Um in den Herbergen entlang des Jakobsweges aufgenommen zu werden, benötigt man zudem einen Pilgerpass. Dieser kann vor Antritt der Reise bei den einzelnen Jakobusgesellschaften ausgestellt werden.

2010 wieder Heiliges Jahr

Das Jahr 2010 ist in Santiago de Compostela das 119. Heilige Jahr. Das feiern die Spanier seit dem 15. Jahrhundert stets dann, wenn der Namenstag des heiligen Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt. Die Feiern beginnen und enden dann jeweils am Silvesterabend mit der Öffnung beziehungsweise Schließung der Heiligen Pforte der Kathedrale.

Quelle: RP

 
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