Xanten: Bloß nicht mehr planen!
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 10.01.2009Xanten (RPO). Heinz-Dieter Börgers war in der Schullandschaft Xantens eine Institution. Ein ganzen Berufsleben lang prägte er die Hauptschule mit – als Lehrer, Konrektor und in den letzten 15 Jahren als Schulleiter. Ende Januar hört Börgers auf.
Fast vierzig Jahre lang hat er ein Leben nach Plan geführt – nach dem Stundenplan. Für sein Leben „danach“ hat er deshalb bewusst nichts geplant. Ende Januar geht Heinz-Dieter Börgers, Leiter der Hauptschule Xanten, in den Ruhestand. Ein Pädagoge mit Leib und Seele ist er gewesen. Ein Vorgezogener Ruhestand, wie ihn viele Kollegen antreten, wäre für ihn („Ich hab zu Glück eine sehr robuste Gesundheit“) nie in Frage gekommen. Doch nun sei es gut, sagt er schnörkellos, wie es so seine Art ist: „Die Schule hat ein Anrecht darauf, ein anderes Gesicht zu bekommen.“
„Wir schaffen das schon!“
Seit 1994 war Börgers Schulleiter. Die Hauptschule kannte er damals schon ein halbes Berufsleben lang. 1970, direkt nach dem Studium, hatte Börgers dort eine Stelle angetreten und war elf Jahre später Konrektor geworden. Mit der Stelle in Xanten blieb Börgers seiner niederrheinischen Heimat treu. In Lüttingen ist er als Sohn eines Polizisten groß geworden. „Mein Vater hat mir mitgegeben, was ich mir von vielen heutigen Eltern wünschen würde: Geduld mit seinem Sohn“, erzählt der 65-Jährige. Als erster in der Familie habe er das Xantener Gymnasium besuchen dürfen: „ Wir haben in und mit der Landwirtschaft gewohnt. Auf dem Gymnasium traf ich dann auf die Söhne von Ärzten und Anwälten . . .“ Wenn es mal nicht rund lief, dann war sein Vater zur Stelle: „Komm Jung, wir schaffen das schon!“ Dieses Gefühl des Vertrauens, so Börgers, habe er seinen Schülern vermitteln wollen.
Den Schülern Brücken bauen, miteinander reden, gemeinsam Probleme lösen – der runde Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer sei ein Symbol für diese Einstellung, so Börgers. Bei der Bundeswehr habe er erfahren: „In der Gemeinschaft kannst du etwas erreichen.“ Andererseits könne er auch knüppelhart sein. „Es gibt Vereinbarungen, an die man sich halten muss. Das wissen meine Jungs und Mädchen.“
Als Student habe er die damals neue Schulform Hauptschule kennen gelernt. Kinder stärker berufsbezogen, anschaulich unterrichten, auf sie individuell eingehen, zur Selbsttätigkeit anleiten – das gefiel dem jungen Pädagogen. Er wurde Fachlehrer für Geografie, Biologie und Deutsch. „Im Laufe meines Berufslebens habe ich aber praktisch alles Unterrichtet“, berichtet Börgers. Zuletzt lagen seine Schwerpunkte auf Mathematik und Informatik.
„Im Spitzenfeld“
„Ein Riesenverein“ sei die Hauptschule einst gewesen, mit 600 bis 700 Schülern. Nach dem Pillenknick Ende der 80er Jahre sanken die Zahlen auf unter 300, heute liegen sie bei rund 360. Weniger Schüler – das bedeutete auch eine Chance. Es entstand die Möglichkeit, Fachräume für Technik, Hauswirtschaft, Wirtschaftslehre einzurichten und damit die Konzeption der Hauptschule zu perfektionieren: „Nach dem Umbau konnten die Kernfächer angemessen umgesetzt werden.“ Immer noch sei das Modell Hauptschule erfolgreich, so Börgers. Gerade in Xanten, wo auch das Umfeld stimme. Rückmeldungen von Berufschulen zeigten, so Börgers: „Kinder dieser Schule liegen mit im Spitzenfeld.“
Diese Gewissheit macht den Abschied vom Berufsleben sicherlich leichter: „Die Schüler unserer Schule haben eine Perspektive.“ Und die Perspektiven des scheidenden Schulleiters? Der begeisterte Bergwanderer, Angler und Jogger will erstmal verreisen und sich dann überraschen lassen, was das Leben so bietet. In der Politik sei er nirgends zu Hause. Aber vielleicht werde er anderswo seine Erfahrungen als „sachkundiger Bürger“ zur Verfügung stellen. So ganz ohne Plan geht es wohl doch nicht.
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