Xanten: Der Stellenwert der Pflegeheime
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 28.12.2010Xanten (RPO). Bei der Volkszählung geht es auch um das Leben im Alter. Schließlich ist es nicht jedem vergönnt, in seiner Familie alt zu werden. Pflegeheime nehmen einen immer höheren Stellenwert ein.
Es ist sein Sofa, auf das sich Fritz Kremer zurückziehen kann. In der Ecke stehen Fernsehen und Radio, in einem alten Schrank Gläser und Teile des Familienporzellans. Erinnerungsstücke und mehr: "Ein wenig wohlfühlen kann man sich hier", sagt Kremer. Es ist sein Zimmer, sein eigenes Reich im Elisabeth-Haus in Xanten, in das er vor gut zwei Jahren eingezogen ist.
Sabine Pontkees hat es sich derweil in einem Sessel bequem gemacht. "Wir bieten den Bewohnern ganz bewusst die Möglichkeit, Teile ihres Mobiliars mitzubringen", sagt die Pflegedienstleiterin der Senioreneinrichtung. "Sie sind ein Stück Heimat." Lediglich aufs gewohnte Bett müssen die Heimbewohner verzichten. Das muss besonderen Anforderungen genügen.
Fritz Kremer stört das nicht. Im Gegenteil. Der frühere Solvay-Mitarbeiter, der lange unter Tage arbeitete, hatte sich vor zwei Jahren bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen, der ihn auch heute noch behindert. Ohne Hilfe geht da nichts. Die beginnt morgens um 7 Uhr mit dem Wecken, dem Waschen, das er einer "Schwester" überlassen muss, die auch seinen Blutzuckerspiegel misst und Spritzen setzt. Das Frühstück nimmt Kremer in seinem Zimmer, weil nach dem Spritzen sofort gegessen werden muss. "Das kann ich nicht in der Cafeteria."
Der Heimtag richtet sich nach einem Stundenplan, der auch aushängt. Gymnastik gehört dazu, viel Musik und Gesang, Tanzen im Sitzen, Gedächtnistraining, Spielgruppen auf den jeweiligen Etagen und das Bingospiel, das in jeder Einrichtung einen gewissen Stellenwert hat: "Da werden Merkfähigkeit und Zahlengedächtnis trainiert. Schon das Unterstreichen ist wertvoll: Viele Senioren haben Schwierigkeiten, einen Stift zu führen. Und wer möchte, der kann regelmäßig die Gottesdienste in der Kapelle des Hauses besuchen.
Fritz Kremer, der aus Menzelen-Ost stammt und zuletzt in Wallach wohnte, ist immer dabei. Seinen Glauben, so erzählt er, habe er immer vertreten, auch während der Nazizeit. "Pastor von Wallach" haben seine Kollegen ihn genannt. Und Kremer ist auf diese drei Worte stolz wie auf einen Ehrentitel.
Mittagessen, Abendessen, Nachmittagskaffee, Arzt- und Physiobesuch: "Langeweile muss hier nicht aufkommen", sagt Sabine Pontkees. Und auch die Abende werden nie lang: "Senioren haben ein erhöhtes Ruhebedürfnis", sagt Sabine Pontkees. "Oft sind sie nach kurzem Fernsehen eingeschlafen."
Diese Rundumbetreuung kostet natürlich auch Geld, wobei die Zusammensetzung der Heimentgelte eine Wissenschaft für sich ist und nach Dauerpflege, Tages- und Kurzzeitpflege sowie nach der Pflegestufe berechnet werden. Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten, Einzel- oder Doppelzimmer, Rente, Sozialhilfe, Pflegekasse, Pflegegeld: Heimleiter Ulrich Hoffmann verbringt mit den Senioren und deren Angehörigen oft geraume Zeit mit der Berechnung. Fritz Kremer ist "richtig zufrieden". Und wenn dann auch noch die Kinder ab und zu vorbeikommen, dann geht es mir richtig gut."
Morgen in der RP: "Vorstände müssen umdenken." (Lokaler Sport)
Info Im Elisabeth-Haus stehen 59 vollstationäre Plätze zur Verfügung, sechs für die Kurzzeit-, zwölf für die Tagespflege und 15 Einheiten für das betreute Wohnen. 64 Mitarbeiter kümmern sich um die Senioren, außerdem drei Zivildienstleistende.
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