Sonsbeck: Die Katzenflut eindämmen
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010Sonsbeck (RPO). Die Zahl streunender Katzen steigt, ebenso nehmen die damit verbundenen Probleme zu. Tierschützer und Veterinäre sehen in der Kastration der Tiere die einzige wirksame Maßnahme. Doch wie lässt sich diese umsetzen?
Haut und Knochen, die Augen verquollen, die Nase triefend: Mit "süßen Kätzchen" hat das Bild, das viele streunende Tiere bieten, nichts zu tun. Immer mehr gibt es davon, verwilderte Katzen oder "Freigänger" von Haltern, die sich kaum um die Tiere kümmern. Katzen, die im Müll stöbern, die Singvögel jagen, Gartenbeete zerfleddern, sich in Kellern "einmieten".
Immer häufiger fühlen sich Leute belästigt. Gabriele Skalicky merkt das an den sich häufenden Anrufen. Die Hamberin engagiert sich in einer kleinen, privaten Tierschutzinitiative. Das spricht sich herum, und so erreichen sie immer wieder Hilferufe von Menschen, die auf Katzen hinweisen, für die sich anscheinend niemand zuständig fühlt. "Wir sind fast täglich mit Katzenfallen unterwegs", sagt sie. Die Tiere werden eingefangen, aufgepäppelt. Vor allem aber sorgen Skaliciky und ihre Mitstreiter – notfalls auf eigene Rechnung – dafür, dass die Katzen kastriert werden.
"Die Tiere sehen erbärmlich aus"
Die Kastration ist die wirksamste Maßnahme, um die Katzenflut und das Katzenelend einzudämmen. Doch viele Katzenhalter scheuen den Schritt. Sei es, weil sie das Geld (bis zu 90 Euro) dafür nicht ausgeben wollen, sei es, weil sie das Ammenmärchen glauben, dass kastrierte Katzen angeblich keine Mäuse mehr fangen. Freilebende, unkastrierte Katzen sorgen für zahlreichen Nachwuchs. Katja Brandt, Amtsveterinärin beim Kreis Wesel, verweist auf Berechnungen, nach denen ein Katzenpaar in zehn Jahren zehn Millionen Nachkommen haben kann (siehe Info). Und darauf, dass der Tierschutz in Deutschland festgeschriebene Staatspflicht sei. "Viele Tiere sehen erbärmlich aus", sagt die Tierärztin.
Das Immunsystem vieler freilaufender, unterernährter Tiere sei geschwächt, Krankheiten seien entsprechend häufig. So mancher, der sich von Katzen belästigt fühlt, lege Gift aus, erschlage oder erschieße sie. Wirklich in den Griff zu kriegen sei das Problem, das keinesfalls nur im ländlichen Raum auftrete, nur durch flächendeckende Kastration. Doch es sei Sache der Gemeinden, sich darum zu kümmern.
Was das angeht, wünschte sich Gabriele Skalicky mehr Unterstützung von "oben". Die Kastration von Katzen müsse vorgeschrieben werden. Den privaten Tierschützern wachse das Problem über den Kopf. Die Tierheime seien überfüllt. Doch Hilfe gebe es kaum. Im Kreis Kleve sei man da viel weiter.
"Das Problem wird gesehen"
Tatsächlich haben sich im Kreis Kleve bereits Vertreter von Ordnungsämtern mit Tierschützern und Amtstierärzten zum Thema Katzen zusammengesetzt. "Das Problem wird gesehen", sagt Kreispressesprecher Eduard Großkämper. Doch auch er betont, dass die Kommunen entscheiden müssten, "ob und wie sie aktiv werden".
Sonsbecks Bürgermeister Leo Giesbers bestätigte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Gemeinde Sonsbeck jedenfalls keinen Anlass sehe, aktiv zu werden. Zum einen sei es oft schwer, die Halter frei laufender Tiere auszumachen. Zum anderen herrsche auf dem Land das Denken vor, dass "die Natur die Sache regeln muss." Dennoch appellierte Giesbers an Katzenhalter, bewusst mit ihren Tieren umzugehen. Eine Kastration der Tiere vorzuschreiben, das ließe sich aber wohl auch rechtlich schwer durchsetzen.
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