Xanten: Die Laterne ist ab
VON ANDREAS HORN - zuletzt aktualisiert: 18.02.2008Xanten (RPO). Mit einer spektakulären Aktion wurde am Samstag die Laterne von der Spitze der Evangelischen Kirche geholt. Als die morsche Konstruktion unten auf dem Tieflader lag, wurde sichtbar, dass die Laterne genannte Spitze des Kirchturms angegriffener war, als es selbst die Fachleute vermutet haben.
Der vorletzte Schritt
Mit 60 Tonnen war der Fahrzeugkran mit einem 42 Meter langen Teleskoparm der Firma Könnings eine eher kleine Ausgabe. 120 Euro kostete er pro Stunde.
Die Arbeiten rund um den Kirchturm begannen um 7.15 Uhr und waren um 8.43 Uhr vollbracht.
Die Erneuerung der Laterne ist der vorletzte Schritt der Sanierung am evangelischen Gotteshaus.
Flatterband sperrt den Bereich um den Fahrzeugkran ab. Während der Teleskoparm surrend in die Höhe fährt, stellt ein Mitarbeiter der Firma van Aaken scheppernd ein Schild mit dem Hinweis „Vorsicht Dacharbeiten“ auf. In gut 30 Metern Höhe auf dem Gerüst befinden sich Pfarrerin Ulrike Dahlhaus und Pfarrer Hans-Joachim Wefers. Beide schauen sich ein letztes Mal die Laterne der evangelischen Kirche an. Die wird gleich abmontiert, das Knattern der Motorsäge ist bereits unten auf dem Marktplatz zu hören. „Jetzt geht es los“, stellt Küster Heinz-Friedl Treude fest, der mit einigen Gemeindemitgliedern an den Treppen zu den öffentlichen Toiletten auf dem Markt steht und die Arbeiten beobachtet.
Ohne Alternative
Zum Austausch der morschen Holzträger gibt es keine Alternative. Nach dem Krieg wurde einfaches Nadelholz verarbeitet; das ist jetzt morsch. In den kommenden zwei Wochen wird bei der Restaurierung der Laternen-Konstruktion Eichenholz eingesetzt. Auch ist die Beleuchtung der Laterne geplant, die dann in alle Himmelsrichtungen scheinen wird. „Wenn nicht jetzt Leitungen legen, wann dann“, war die einhellige Meinung an diesem Samstagmorgen.
Plötzlich verstummt die Motorsäge. Ein Mitarbeiter der Firma van Aaken steigt die 13 Leitern des Gerüsts hinab, kramt im Firmentransporter und steigt wieder zum Turm hinauf. Die Laterne ist bereits am Haken des Krans befestigt, eigentlich brauchen nur noch die acht Holzbalken durchgesägt werden und die kleine, 1200 Kilogramm schwere Turmspitze baumelt am Haken. Doch nichts passiert. Und erneut: 13 Stockwerke hinab, Kramen im Transporter, 13 Stockwerke wieder hinauf.
„Na dem ist bestimmt nicht kalt“, scherzt Küster Heinz-Friedl Treude und würde vielleicht sogar ganz gerne tauschen, denn es ist bitterkalt auf dem Marktplatz. Um kurz vor halb neun steht die Sonne noch nicht hoch genug. Nur die roten Ziegeln der Kirche lassen die Sonnenstrahlen leuchten.
Der Laternenabbau ist der vorletzte Schritt der 130 000 Euro teuren Kirchensanierung. Sobald die Temperaturen durchgehend fünf Grad betragen, wird auch der Außenanstrich der Fassade in Angriff genommen.
Das Holz zerbröselt
Auf einmal lärmt die Motorsäge wieder über den Dächern der Innenstadt. Treude zückt seine Digitalkamera und ruft: „Es ist soweit, sie schaukelt schon!“ Einige Minuten später wird die Laterne auf einen Anhänger verladen. Die Balken knirschen. Hans-Josef van Aaken zerbröselt vor den Anwesenden Holzstücke. „Die Konstruktion war noch angegriffener, als ich gedacht habe“, erzählt er. Und: „Oftmals weiß man gar nicht, was die Konstruktion noch zusammenhält.“ Meist würde allerdings das Zusammenspiel des Materials, das Miteinander, die Konstruktion zusammen halten.
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