Xanten: Die neuen Hoffenster
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 28.12.2011Xanten (RP). Die Sparkasse am Niederrhein unterstützt die Arbeit auf der Fazenda da Esperança finanziell. Um Energie einzusparen, setzen die jungen Leute selbst neue Fenster ein. Aber auch deren Anschaffung kostet natürlich Geld.
Zum Jahresende gab es noch einmal Geld von der Sparkasse am Niederrhein. Zusätzlich zu dem Geld, mit dem das Institut Vereine und Vereinigungen am Niederrhein zu unterstützt, gab es gestern 1200 Euro für die Fazenda da Esperança im Kloster Mörmter. Damit fördert die Sparkasse die Arbeit mit ehemals drogenabhängigen jungen Männern in 2011 mit 1700 Euro.
Hohe Energiekosten
Diese Unterstützung kann die Einrichtung, die sich durch eigene Arbeit und Spenden finanziert, gut gebrauchen. "Die Heizkosten sind enorm", erzählte der Leiter der Fazenda, Luiz Fernando Braz. Zweimal im Jahr fließen mehrere 1000 Liter Heizöl in die Tanks des ehemaligen Franziskanerklosters. Deshalb werden nun nach und nach sämtliche Fenster erneuert. 68 von 80 sind schon geschafft.
"Doch für den Rest fehlte uns einfach das Geld", erklärten Helga Schlechter-Bonk vom Förderverein und Rainer Kehrmann aus Rheinberg. Der 61-jährige frühere Solvay-Mitarbeiter unterstützt die Fazenda seit seiner Frühpensionierung mit seinen handwerklichen Fähigkeiten.
Durch seinen und den Einsatz der Bewohner sowie die Unterstützung der Glasbaufirma und des Hersteller-Unternehmens konnten die ursprünglich mit 50 000 Euro bezifferten Kosten enorm gesenkt werden. Allerdings blieb eine Finanzierungslücke. Sofort nach dem Winter aber sollen nun die letzten neuen Fenster eingebaut werden. Später ist das Dach an der Reihe und Kehrmann, der gerade auch beim Umbau- und Ausbau der Küche samt Kühlraum geholfen hatte, träumt schon von einem Blockheizkraftwerk.
Als nächstes Projekt wollen die Rekuperanten, wie die Hofbewohner genannt werden, im Nebengebäude einen Hofladen bauen. 17 sind es derzeit. Einige stammen aus Lettland, Holland, Sibirien, Portugal, aus dem Kongo, aus Guinea und Brasilien. In Mörmter leben sie nach strengen Regeln, arbeiten, beten, verzichten auf Tabak, jedweden Alkohol und Fernsehen. Zweimal in der Woche werden Videofilme gezeigt.
Eine Idee, die Kreise zieht, die ganze Gruppen von jungen Leuten für ein paar Tage zum Mitmachen anregt. Andererseits berichten die Fazenda-Bewohner zum Beispiel in Schulen über die Gefahr von Drogen. In über 80 Ländern gibt es inzwischen derartige Fazendas. In der Schweiz kommt demnächst ein neuer Hof hinzu. Im April gehören Braz und Kehrmann zu einem Trupp Freiwilliger, die in der Nähe von Lissabon einen neuen Hof vorbereiten.
"Mission" nennt sich das und soll jetzt einen festen Unterbau erhalten. "Wir haben inzwischen Anfragen auch aus muslimisch geprägten Ländern und sogar aus Vietnam", sagt der im Kloster wohnende frühere Pfarrer Georg Schlütter. Der gebürtige Reeser hatte die Idee der Hoffnungshöfe aus Brasilien mitgebracht und auf dem Gut Neuhof in der Nähe von Berlin die erste Fazenda auf deutschen Boden aufgebaut.
Die Schulung
"Es ist wichtig", sagt Schlütter, "sich mit der Kultur der jeweiligen Länder auseinanderzusetzen, damit die Menschen uns und unsere Idee verstehen und dass wir nicht als Eroberer kommen, sondern als Unterstützer einer großen Familie." Also sollen Missionare aus mehreren Ländern gemeinsam geschult werden. Den Anfang als Tagungsort macht laut Schlütter vermutlich die Einrichtung in Xanten.
Sparkassen-Vorstand Bernhard Uppenkamp nahm sich gestern jedenfalls Zeit, um sich in der Fazenda umzusehen. Im nächsten Jahr, so versprach er schließlich, werde der Hof auf jeden Fall wieder bedacht.
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