Xanten: Die Römer kommen
VON PETER KUMMER - zuletzt aktualisiert: 27.06.2009Xanten (RPO). Samstag beginnt das zweitägige Spektakel "Schwerter, Brot und Spiele" im Archäologischen Park. Freitag war großer Anreisetag für die Mitwirkenden. Wir schauten uns bei den Vorbereitungen für das Fest um.
Wir befinden uns im Jahr 2009 n. Chr. Längst ist ganz Germanien von Roms Legionen befreit. Ganz Germanien? Nein. Im hohen Westen am Rhein bereitet sich eine Stadt auf eine Völkerwanderung der neuzeitlichen Art vor. Viele Tausend Nachfahren von Cheruskern und Sugambrern, von Kelten und Sachsen sowie von befreundeten Nationen werden am Wochenende anreisen, um Rom und seiner Kultur zu huldigen. Denn an diesem Wochenende ist Römerfest in Xanten mit mehreren Hundert Darstellerinnen und Darstellern aus vielen ehemaligen Provinzen Roms.
In der Colonia Ulpia Traiana – auf neudeutsch Archäologischer Park Xanten – beginnt der Tag vor den Feierlichkeiten mit den üblichen Besuchergruppen. Wenig deutet darauf hin, dass bereits die ersten römischen Vorhuten eingetroffen sind und das Lager vorbereiten.
"Voll fitte" Legionäre
Das Legionärsdasein war kein Zuckerschlecken. Allein das Kettenhemd eines Fußsoldaten wog rund 13 Kilogramm.
Auf ihren Märschen schleppte er bis zu 45 Kilogramm mit sich rum. Damit legte er üblicherweise Strecken von 30 Kilometern am Tag zurück, bei Bedarf auch erheblich mehr.
Stephan Rodekurth: "Die Jungs damals waren voll fit. Ihr Vorteil war der Drill."
Man sieht sich, man kennt sich. Viele Teilnehmer begrüßen sich mit Handschlag. Georg Nussbaum aus Heidelberg zum Beispiel – "Ich bin pensionierter Legionär" – fachsimpelt schon am Freitagmorgen unter dem Dach von Heike Salaba und Frank Laub über römisches Leben. Sie tauschen Anekdoten aus, erinnern sich an gemeinsame Mit-Römer und einigen sich darauf, auf welchen Seiten der gemeine Legionär einst sein Pugio (eine Art Dolch) und sein Gladio (Kurzschwert) getragen hatte. Lange Jahre hat Georg Nussbaum selbst bei solchen Veranstaltungen mitgemacht, gemeinsam mit seiner Frau sogar in insgesamt 130 Stunden Arbeit ein Kettenhemd selbst gestrickt. Aber nun ist er als Zivilist nach Xanten gekommen und entschwindet voller Vorfreude ins neue Museum.
Experimentalarchäologie
Die beiden Wermelskirchener hingegen bereiten ihr Lager weiter vor. Sie gehören der Gesellschaft für interaktive Experimentalarchäologie in Deutschland an. Heike Salaba und Frank Laub wollen das Filzen von Haar- oder Armbändern und den Bau von gefiederten und gewickelten Pfeilen zeigen. Gleich nebenan führt Arne Schmidt in die Cuccina Romana, in die römische Küche, ein, und Stephan Rodekurth legt seine Soldatenrüstung bereit.
"Die Römer kommen" verheißt 50 Meter weiter die Aufschrift des schwarzen Honda mit Kölner Kennzeichen. Die Classis Germanica ist im Anmarsch. Martina Columbus bespricht mit den anderen den Aufbau. Immerhin sind elf Zelte, vier Sonnensegel sowie eine Enterbücke publikumsgerecht aufzustellen. Ursprünglich stamme man aus dem heimischen Karneval, sagt Martina Columbus. "Aber dann wollten wir lieber das Original und das römische Leben leben." Als Auxiliar-Hilfstruppe stellen die Vereinsmitglieder alte Handwerkskunst vor: Knochenschnitzer, Lederbearbeiter, Münzprägerei.
Swinta – verheiratete Evelin Koehn – ist Germanin vom Stamme der Brukterer, dem heutigen Großraum Dortmund / Hamm. Ihr Mann muss sich bei den Römern verdingen, um eine alte Schuld abzutragen. Sie folgte ihm zu den Besatzern und blickt dort in die Zukunft, während ihr Gatte unter anderem als Plänkler dient: Als vorgeschobener Posten versucht er, den Feind bis aufs Blut zu reizen, so dass die Germanen wutentbrannt ihr taktisches Konzept vergessen und unkoordiniert angreifen. Wie Evelin und Hans Koehn aus Kamen haben sich viele eine neue Legende zusammengestellt.
Römischer Soldat mit Van
Gegenüber von diesen Hilfstruppen laden ihre Arbeitgeber Material ab. Der römische Soldat von heute steigt nicht mehr vom Ross, sondern aus dem Van. Die Legio XII Rapax, eine bilaterale Einsatztruppe aus Polen und Deutschen, gibt in den kommenden beiden Tagen einen Einblick ins römische Soldatenleben und hat einen Sklavenhändler im Schlepptau.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




