Xanten: Einladung nach Israel
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 10.10.2009Xanten (RPO). Eine Begegnung die Mut macht: Der Besuch von Schülern und Lehrern aus Israel am Xantener Stiftsgymnasium neigt sich dem Ende zu. Angesichts des überaus positiven Verlaufs soll es nun einen Gegenbesuch geben. Das Wort Freunde kommt den jungen Israelis und ihren Gastgebern vom Stiftsgymnasium nach einer Woche leicht über die Lippen. Die Begegnung hat auch das Bewusstsein über unterschiedliche Lebensverhältnisse gestärkt.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung fördert ausdrücklich den Austausch zwischen Schulen in Israel, Palästina und Deutschland. Auf ein entsprechendes Empfehlungsschreiben des Schulministeriums im Sommer hatte das Stiftsgymnasium umgehend reagiert. Und seit einer Woche sind zehn junge Israelis mit vier Lehrern zu Gast in Xanten. "Eine überaus erfreulich Begegnung, die Mut zur Fortsetzung macht", urteilte gestern Aharon Rotshtain, Direktor der Shaar Negev High School bei einer mobilen Redaktion der Rheinischen Post. Rotshtain lud die Xantener ausdrücklich zum Gegenbesuch ein. Und der Direktor des Stiftsgymnasiums, Franz-Josef Klaßen, nahm gestern die Einladung an. Wann die ersten jungen Xantener nach Israel reisen werden, ist noch unklar. Fest stehe, dass ein Besuch angesichts der aktuellen politischen Lage möglich sein, erläuterte der Organisator des Schüleraustauschs, Dr. Wolfgang Schneider. Seit gut sechs Monaten herrsche im Negev Ruhe. Zuvor allerdings verbrachten Schüler wie Lehrer der High School viele Schulstunden im Bunker. Die Schule liegt nur zwei Kilometer von der Grenze zu Palästina entfernt, von wo immer wieder Raketen auf israelisches Gebiet abgeschossen worden waren.
Die High School Römisches Essen
Der Einzugsbereich der Shaar Ha Negev HighSchool umfasst zwölf Orte.
In jedem dieser Dörfer wohnen etwa 600 bis 800 Einwohner.
An der Schule werden 1200 Kinder und Jugendliche unterrichtet.
Die High School liegt gut zwei Kilometer von der Grenze Israels und damit vom Gazastreifen entfernt.
Die Rheinische Post hatte die Gäste und Gastgeber gestern Mittag zu einem Abschlussgespräch eingeladen. Dabei gab es auch ein deutsch-koscheres Essen, das vom Hotel Neumaier zubereitet wurde.
Am heutigen Samstag steht für die Austauschschüler noch ein Besuch im RömerMuseum auf dem Programm. In der Herberge des APX gibt es ein römisches Essen.
Am Abend findet ab 18 Uhr eine Abschlussfeier mit Gasteltern im Mehrzweckraum des Stiftsgymnasiums statt.
Die Schüler hatten in der vergangenen Woche an mehreren Schulprojekten über Familienstrukturen und den Wasserhaushalt teilgenommen. Ausflüge führten unter anderem zum Schlittschuhlaufen und Shopping nach Duisburg sowie zum Landtag und in die Düsseldorfer Altstadt. "Eine überaus homogene Gruppe, die sich bestens versteht", sagt die Klassenlehrerin der beteiligten Schüler aus der 10c, Ilka Slavik. Und wenn sie denn überhaupt mit Vorbehalten nach Deutschland gereist seien, so zeigen die in dieser Woche geschlossenen engen Freundschaften und die positiven Erfahrungen, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen. Rotshtain: "Vor 60 Jahren hätte das niemand geglaubt. Jetzt nährt das ganz normale Miteinander die Hoffnung auch auf eine Normalisierung der Beziehungen mit Israels Nachbarn."
Einjähriger Aufenthalt
Diese Hoffung könnte durch eine weitere Einladung zumindest im Kleinen weiter erhöht werden. Das Stiftsgymnasium, so Schneider, biete zwei jungen Israelis und zwei Palästinensern aus Bet Sahur einen einjährigen Aufenthalt in seiner Europa-Klasse an.
Xanten Die Deutschen sind kühl, streng, distanziert und durchorganisiert. Mit dieser Vorstellung, so sagt Bar Goldenberg, sei sie angereist. Die Menschen hier seien deshalb auch die größte Überraschung des Aufenthalts für sie. "So warmherzig, nett, freundlich."
Ein Urteil, das gestern im Stiftsgymnasium ehrlich klang. Und das die zehn jungen Israelis und ihre vier Lehrer von der Shar HaNegev High School nach gut einer Woche übereinstimmend treffen. bezüglich der Ordentlichkeit fühlt sich die 16-Jährige voll bestätigt, sagt sie auf dem Mittagstreffen, zu dem die der Rheinischen Post eingeladen hatte. Aber das sei ja nicht schlimm.
Bedenken zerstreut
Deutschland, das war für die meisten Besucher aus dem Negev eher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Mit Ausnahme von Lehrerin Anat Trivaks, die bereits zum zwölften Mal in Deutschland weilt, und Shirit Milikowski war noch keiner der Delegation hier zu Gast. Und Shirit bekennt, dass sie zwar bei der ersten Reise, damals als sie erst zwölf Jahre alt war, schon Bedenken bezüglich ihrer eigenen Sicherheit gehabt habe; die Herzlichkeit, mit der sie aber – auch jetzt wieder – aufgenommen wurde, habe ihr Bild aber deutlich geändert.
Das Bild, so sei hinzugefügt, vom hässlichen Deutschen, vom Holocaust. "Dieser ist nach wie vor Teil unseres Lebens", erklärt Bar. In diesem Jahr sei er auch Teil des Geschichtsunterrichts zu Hause. Allerdings könne sie jetzt ein differenziertes Urteil fällen. Eins, das in die Zukunft gerichtet sei – gemeinsam mit den deutschen Freunden. Freunde, das ist Wort, das den deutschen Gastgebern gestern ganz leicht über die Lippen kam. Kimberley Elshoff berichtet von der großen Offenheit, mit der die jungen Israelis hier aufgetreten seien – "nicht unbedingt zu erwarten, bei der Geschichte". – Und auch angesichts der derzeitigen Lage in Israel, die Daniel Philipps als "richtig schockierend" bezeichnet.
Monatelang gab es immer wieder Alarm, suchten die 1200 Schüler in Sekundenschnelle die Bunker auf. Nur 15 Sekunden haben sie, wenn ein Raketenangriff droht. Und das schaffen sie auch. Nach 30 Minuten geht das Leben dann wie gewohnt weiter: "Eine ganz andere Normalität", wie Klassenleherin Ilka Slavik es nennt. Eine, die NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Schulministerin Barbara Sommer beim Besuch der Schule hautnah erlebten: "Wir saßen damals mehr im Bunker als in der Schule", berichtet Schulleiter Aharon Rotshtain.
Und Adva Bak sieht schon fast verträumt aus dem Fenster. Solch ein Schulleben, solch eine Ruhe, die würde ihr auch zu Hause gefallen. Dass das Leben einer 16-Jährigen in Israel nicht anders ist, dass da am Wochenende Feten im Mittelpunkt stehen, dass Sport und Musik hoch im Kurs stehen, versteht sich von selbst – "wenn da nicht immer wieder die Raketen wären". Davon träumen sie: Lange abends draußen sitzen, mit vielen Freunden gemeinsam einkehren – wie beim Besuch in Düsseldorf. Das hat ihnen gefallen.
Großer Jubel
Allerdings: Seit sechs Monaten ist Ruhe zu Hause, was auch die Xantener Schüler mit großer Freude erfüllt. Heißt es doch, dass sie voraussichtlich zum Gegenbesuch aufbrechen können. Der Jubel über die Ankündigung von Dr. Wolfgang Schneider jedenfalls war groß. Und was die jungen Xantener dann als Gastgeschenk mitbringen können, wissen sie auch. Süßigkeiten. Die nehmen die jungen Israelis pfundweise mit, wenn sie am Sonntag wieder in den Flieger steigen.
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