Xanten: Eiskalt erwischt
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012Xanten (RP). Erstmals in diesem Winter hat der Frost den Niederrhein fest im Griff. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen weiter sinken. Streusalz haben die Geschäfte reichlich auf Lager. Schneemassen werden aber nicht erwartet.
xanten/sonsbeck Wer glaubte, dass Väterchen Frost in diesem Winter Urlaub auf den Bahamas macht, sieht sich an der verschnieften Nase herumgeführt. Und es könnte noch dicker kommen: "Friert es hart auf Virgilius, im März noch viel Kälte kommen muss", sagt eine Bauernregel. Virgilius, das ist heute, der 31. Januar. Clemens Perau, Marktleiter bei Mobau Hopmann in Xanten, wäre es nur recht. "Meinetwegen kann es noch zehn Grad kälter werden – und ein paar Wochen andauern", kommentierte er gestern den Wintereinbruch.
Streusalz? "Ein paar Lkw können Sie haben", witzelte Perau. Tonnenweise liege auf Lager, was im vergangenen Winter Mangelware war. Zu haben ist der 25-Kilo-Sack für 7,95 Euro – rund die Hälfte des Preises von vor einem Jahr. Die damaligen Engpässe vor Augen, habe man sich – "leider" – reichlich mit Streusalz eingedeckt. "Jetzt liegt es und wartet", ähnlich wie Schneeschieber und Schlitten. Die jetzige Kälte ändere wenig. Gestern sei der Absatz jedenfalls kaum gestiegen.
Temperatur sinkt, Umsatz steigt
Auch Stefan Nießing, Geschäftsführer bei der AgriV Raiffeisen eG, glaubt, dass das eingelagerte Streusalz "Geburtstag feiern" werde. Allerdings gehe mit den sinkenden Temperaturen durchaus ein Anstieg des Umsatzes einher. "Seit dem Wochenende wird verstärkt nach Winterkleidung gefragt." Auch Schneeschieber und Winterstreufutter für Vögel seien gekauft worden, berichtete Nießing gestern. "Und heute sind ein paar Säcke Streusalz weggegangen." Zudem werde Heizöl bestellt. Rund 20 Millionen Liter Heizöl verkauft die AgriV jährlich, im vergangenen Winter waren es zwei Millionen mehr. Aufgrund der Rohölpreise sei das Preisniveau für Heizöl mit 72 bis 74 Cent/Liter derzeit ähnlich hoch wie im Extremwinter 2010/11.
Die Kälte kommt pünktlich zum traditionellen Start des ehemaligen Winterschlussverkaufs in der letzten Januarwoche. Zwar gibt es den WSV offiziell nicht mehr, aber dennoch locken die Geschäfte mit Sonderangeboten. Im Xantener Bekleidungshaus Sandmann warten unter anderem schicke Jacken, Mäntel, Hüte und Mützen auf Käufer. Ob der Frost das Geschäft belebt? Nicht unbedingt. "Aber die Leute kaufen einfach gerne zum Saisonende", sagte Inhaberin Monika Sandmann.
Auch im Schuhhaus Scholten gibt es Rabatte von bis zu 60 Prozent. Wilhelm-Franz Scholten könnte auf die jetzigen Temperaturen aber verzichten. "Für uns könnte es jetzt Frühjahr werden." Der Großteil der "gefütterten Ware" sei sehr früh verkauft worden. "Teilweise schon im August und September." Eine Reaktion der Kunden auf den vergangenen Winter: Warme, wasserbeständige Schuhe wurden damals knapp. "Der Handel war bundesweit ausverkauft."
Gelassenheit beim Bauhof
Und wie sieht's bei den Bauhöfen aus? Das gegenwärtige Wetter lässt sie kalt. "Solange nicht ein Meter Schnee kommt . . .", meinte gestern Johannes Hanßen, Leiter des Sonsbecker Bauhofs. Nur ein paarmal musste in den vergangenen Wochen etwas gestreut werden. Das Silo enthalte noch rund 14 Tonnen Salz, schätzt Hanßen. Das werde für die nächsten Tage reichen, zumal es weitgehend trocken bleiben soll, was die Glatteisgefahr mindert.
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