Xanten: Erde wärmt Omas Haus
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 10.07.2008Xanten (RPO). Omas Häuschen wird komplett umgekrempelt: zu klein und energietechnisch eine Katastrophe. Enkel Tobias Fuß und Ehefrau Veronika wollen auch in Zukunft mittels Erdwärme zumindest die Heizkosten unter Kontrolle behalten.
Gute Lage, großes Grundstück und noch ein kleiner Ausblick auf die Türme des Xantener Doms: Hier, an der Straße Van Endert, haben 1962 Tobias Fuß ’ Großeltern ihr 98 Quadratmeter großes Haus errichtet. Damals war das noch eine Baugemeinschaft der Schützen aus der St. Helena Bruderschaft. „Zehn baugleiche Häuser sind in Gemeinschaft entstanden“, erläutert Architekt Thomas Frücht, der jetzt für die Eheleute Fuß das Haus komplett neu plant und mit einem Anbau um 50 Quadratmeter erweitert. Für Frücht hat diese Arbeit einen ganz besonderen Reiz. „Direkt daneben steht mein Elternhaus“, schmunzelt er.
Weshalb der Architekt auch weiß, was ihn am Um- und Neubau erwartet: verklinkerte Hohlblocksteine aus Bims ohne Dämmung bilden die Außenwände; Kalksandstein wurde für die inneren Mauern verbaut. Bei Fuß ist alles noch so wie in den 60er Jahren: Kohleheizung und in den Fenstern Einfachverglasung. Frücht erklärt seine Arbeit am Altbau gerne mit dem Bild „vom Wintermantel mit Schal“. Was heißen soll: „Um die moderne Dämmung in den Griff zu kriegen, haben wir alle herauskragenden Bauteile wie Balkon oder die Betonohren für den Dachüberstand abgesägt.“ Mit „wir“ sind freilich in erster Linie Tobias Fuß und Ehefrau Veronika gemeint. Denn im April haben sie aus Kostengründen selber im und am Haus mit den Abbrucharbeiten begonnen. Der Architekt bescheinigt beiden großes handwerkliches Geschick, „doch die jetzt beginnenden Arbeiten für den Anbau lassen wir doch lieber vom Unternehmer ausführen.“
Gut gedämmt
Nur die Kombination einer wirkungsvollen Dämmung und einer Wärmepumpe ergibt Einsparungen bei den Energiekosten.
Die Außenwände seines Hauses lässt Tobias Fuß mit einem 16 Zentimeter dicken WärmeDämmVerbundSystem (WDVS) verkleiden. darauf kommt ein Außenputz.
Die Dachfläche für Alt- und Neubau wird 30 Zentimeter dick in Mineralfaser-Dämmplatten ausgeführt und innen mit Gipskarton verkleidet.
Im Neubau wird die Bodenplatte gegen das Erdreich gedämmt und noch einmal unterhalb des Estrichs.
Die Aufgaben
Die Bauherrschaft hat den Architekten vor drei Aufgaben gestellt: den Zuschnitt der Räume im Altbau den heutigen Ansprüchen an offenes Wohnen anpassen, den Wohnraum auf rund 160 Quadratmeter Wohnfläche erweitern und eine CO2-freie Heizung einbauen. Das Haus soll die Anforderungen an ein so genanntes KfW-60-Haus erfüllen. So werden Häuser bezeichnet, deren gesamter Energiebedarf unter 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegt und von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert werden.
Thomas Frücht löst die Aufgabe zur Energieeinsparung mit einer Kombination aus hochwertiger Wärmedämmung und einer Erdwärmepumpe. „Das muss ein Gesamtkonzept sein, sonst nutzt auch die Wärmepumpe nichts.“ Doch zur Dämmung gehört, dass sowohl die Betondecke im Keller als auch der Fußboden unter der späteren Fußbodenheizung gedämmt werden. Im Altbau werden die Dachbalken erhöht, um das Dämmmaterial als Vollsparrendämmung einbringen zu können.
Herzstück bleibt die Wärmepumpe. Auf dem Grundstück sind inzwischen in 1,60 Meter Tiefe auf 400 Quadratmeter Fläche 400 Meter Kunststoff-Rohre als Flächenkollektoren verlegt. Die Trägerflüssigkeit entzieht dem Erdreich fünf Grad Wärme, die von der Wärmepumpe komprimiert und zu einem Wärmetauscher geführt wird. Damit kann mit 35 Grad die Fußbodenheizung betrieben werden. Frücht: „Die Wärmeleistung der Wärmepumpe beträgt nun 8,8 kW für rund 160 Quadratmeter Wohnfläche.“ Was in Geld heißt: Nach aktuellen Stromkosten gerechnet werden für das komplette Haus pro Jahr 650 Euro (Wärmepumpe einschließlich aller Nebenaggregate) gerechnet. Laut Frücht ist die Wärmepumpe mit ca. 16 000 Euro zwar doppelt so teuer wie eine herkömmliche gute Gas-Brennwert-Heizungsanlage, doch die Investition amortisiere sich bei den aktuellen Gaspreisen in acht bis neun Jahren. Frücht: „Steigen die Preise weiter so rasant, geht’s schneller. Und weil der Wirkungsgrad der Wärmepumpe bei 3,3 bis 3,8 (ein kW Stromenergie erzeugt 3,3 bis 3,8 kw Wärmeenergie) liegt, treffen Strompreiserhöhungen immer nur zu einem Drittel.“ Für Tobias Fuß ein gewichtiges Argument: „Wir möchten nicht eines Tages auf den Urlaub oder andere Lebensqualität verzichten müssen, damit wir die Energiekosten begleichen können.“
Baukosten
Die Baukosten beziffert der Architekt mit rund 1100 Euro pro Quadratmeter. Das rechnet sich für die Eheleute Fuß auch über die eigene Muskelhypothek bei den Erd- und Abbrucharbeiten (Frücht: „Erstaunlich, Herr Fuß kann sogar Bagger fahren“) und später beim Innenausbau. Doch jetzt hat die Bauherrschaft erst einmal Pause. Gestern sind die Bauprofis angerückt. Bis zum Jahresende werden sie alle Hauptgewerke fertigstellen. Beim Innenausbau ist wieder Eigenleistung gefragt. Und im April des nächsten Jahres ist Einzug. Thomas Frücht. „Sie werden das Haus nicht mehr wiedererkennen.“
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