Xanten: "Europa nach Hause holen"
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Xanten (RPO). Nach den Sommerferien startet das Stiftsgymnasium Xanten zum zweiten Mal mit einer Europa-Klasse. Sechs Schülerinnen und Schüler aus Europa und der Türkei sowie zwei Mädchen aus Beit Sahour gehören dazu.
"Wir holen Europa zu uns nach Hause", sagt Stefanie Grosch. Die Englischlehrerin am Gymnasium hat an der Schule die Organisation für die Europa-Klasse übernommen und ist auch gleichzeitig deren Betreuungslehrerin. Und sie freut sich, dass ein Jahr nach dem Start der Europaklasse die Nachfrage nach Unterricht in Xanten hoch ist.
Dass in diesem Jahr mit Aseel Bannoura und Hala Jamal Al-Qazha zwei Mädchen aus Beit Sahour in Palästina dabei sind, hängt mit den Bemühungen der Stadt Xanten zusammen, eine Städtepartnerschaft mit Beit Sahour und einer Stadt in Israel zu schmieden.
Das Stiftsgymnasium ist als Partner prädestiniert, hat es doch im Herbst des vergangenen Jahres Kontakte zur israelischen Shaar HaNegev Highschool knüpfen können. Der Lions Club Xanten hat die Flugkosten für die beiden Mädchen der Evangelisch-Lutherischen Schule in Beit Sahour übernommen, die sich übrigens über ein schulinternes Auswahlverfahren für das Schuljahr in Xanten qualifizieren mussten.
Nicht nur ein Etikett
In Xanten selbst steht für alle in der Europaklasse neben den ganz normalen Schulfächern (Biologie, Mathe, Geschichte, Sport, Religionslehre, Kunst) auch das Thema Europa im Mittelpunkt des Unterrichts. Stefanie Grosch: "Europa-Schule ist nicht nur ein Etikett, sondern ein inhaltlicher Schwerpunkt. Es wird vermittelt, was die EU ist und wie das Zusammenleben in der Gemeinschaft geregelt wird."
Weshalb für alle Teilnehmer bereits ein fünftägiges EU-Seminar an der Karl-Arnold-Stiftung in Königswinter gebucht ist. Das Seminar findet in den Herbstferien statt. In einem Planspiel werden dort unter anderem die Schritte zur Aufnahme eines Landes in die EU erarbeitet. "Das Seminar wird von den Teilnehmern noch heute als besonders gut bewertet", weiß Stefanie Grosch.
Englisch ist Unterrichtssprache
Unterrichtssprache in der Europa-Klasse ist Englisch. Zum Abschluss des Schuljahres erhalten die deutschen Schüler einen Kommentar auf dem Zeugnis. Die ausländischen Schüler erhalten englischsprachige Zeugnisse und ein Zertifikat. Was sie jedoch nicht davon befreit, zu Hause in verschiedenen Fächern noch Nachprüfungen ihres Wissensstands bestehen zu müssen. Denn: "Lehr- und Unterrichtspläne werden untereinander nicht anerkannt." So wird in Dänemark die Mathematik nachgeprüft, in Bulgarien werden alle Fächer geprüft und in Ungarn müssen die Schüler das Schuljahr komplett wiederholen.
Doch die Schüler nehmen dies gerne in Kauf, wie Stefanie Grosch nach Abschluss der ersten Europa-Klasse weiß. "Sie sprechen von einem Superjahr in Xanten – ganz abgesehen davon, dass sie eine positive Meinung von der Stadt und ihren Bürgern gewonnen haben."
In Xanten leben die ausländischen Schüler in Gastfamilien. Was auch eine Herausforderung sein kann, denn da braucht's Eingewöhnung auf unterschiedliche Lebensweisen. Unabhängig von Freundschaften, die in dem Schuljahr in Xanten geschlossen werden, versucht auch die Schule den Kontakt zu den "Ehemaligen" zu erhalten.
Ob daraus eine Schulgeschichte entstehen kann, wird die Zeit erweisen.
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