Sonsbeck: Europa, wo bist Du?
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 31.07.2009Sonsbeck (RPO). Auf Einladung der CDU besuchte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg die KS-Recycling in Sonsbeck. Firmenchef Guido Schmidt berichtete von einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte – und von Sand im EU-Getriebe.
Beim Stichwort "Europa" legt Guido Schmidt, Chef der KS Recycling Sonsbeck (KSR), die Stirn in Falten. Der "europaweite Wettbewerb" verlaufe, soweit es seine Firma angeht, sehr einseitig. Seit Jahren bemühe sich das Unternehmen um eine Genemhigung, in den Niederlanden Altöl einsammeln zu dürfen. Bisher vergeblich. Zwar habe man das Recht auf seiner Seite, doch mit der Umsetzung hapere es gewaltig. Der niederländische Markt werde von sechs Firmen dominiert, die als eine Art Kartell ihre Macht ausspielen. Die Sonsbecker haben in doppelter Weise das Nachsehen: Entsprechende Firmen aus den Niederlanden, so Schmidt, tummeln sich auf dem deutschen Markt. "Die haben uns sämtliche Preise kaputt gemacht."
Es geht um Arbeitsplätze
Begrenzter Markt
20 bis 25 Prozent Wachstum konnte die KSR in den letzten Jahren verbuchen.
Zurzeit hingen aufgrund der Wirtschaftsflaute, so Schmidt, "einige Kunden am seidenen Faden". Vor diesem Hintergrund übte der Firmenchef auch Kritik an der aus seiner Hinsicht ungerechten Förderung von Konkurrenzunternehmen im Osten. Die KSR sei schließlich auch "auf eigenen Knochen" aufgebaut worden. Und der Recycling-Markt sei begrenzt.
Den Europaabgeordneten Karl-Heinz Florenz und die EU-Kommission hat die KSR bereits kontaktiert. Gestern nutzte der Firmenchef einen Besuch von Eckhard Uhlenberg, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Der NRW-Umweltminister versprach, sich zu kümmern. Europa sei schließlich keine Einbahnstraße. Und: "Hier geht es um Arbeitsplätze."
Auf Einladung der örtlichen CDU informierte sich Uhlenberg gestern über die KSR; der Kontakt wurde über die Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse geknüpft. Mit im Tross waren gestern neben ihr auch noch CDU-Landratskandidat Ralf Berensmeier, Vertreter der örtlichen CDU und natürlich Bürgermeister Leo Giesbers. Er lobte die KSR als bedeutenden Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Drei Viertel ihrer Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, doch, so Giesbers: "Allein von der Gewerbesteuer A kann man keine Gemeinde führen." Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe seien deshalb wichtig.
Neues Standbein in Wesel
Freilich stößt die KSR in Sonsbeck inzwischen an Grenzen. Unter anderem werde der Transport per Schiff werde immer wichtiger, zudem gebe es in Sonsbeck Probleme bezüglich der Firmen-Abwässer. Deren hoher Nährstoffgehalt überlaste die örtliche Kläranlage. Deshalb will die KSR einen neuen Standort im Hafen Wesel errichten. Wenn es mit den Genehmigungen wie erhofft klappt, werden dort bald ein Tanklager, Anlage zur Abwasseraufbereitung und eine Schiffsverladeanlage entstehen. Ein Investment von 49 Millionen Euro ist in einem Zehnjahres-Plan vorgesehen. Zu den rund 100 Arbeitsplätzen in Sonsbeck sollen in Wesel weitere 50 kommen: unter anderem für Schlosser, Anlagentechniker und Laborfachkräfte.
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