Xanten: Freunde gesucht
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012Xanten (RP). Unternehmer Georg Haase sucht Freunde. Mit ihnen will er einen Kreis bilden, der Xantens Schulden tilgen kann. Ganz ohne Hintergedanken, aber mit der Überzeugung: "Helfen können nicht immer nur die Anderen, sondern wir."
Larmoyanz ist ihm fremd. Und so beklagt Georg Haase (70) nicht, dass sich Xantens Schuldenstand auf 28 Millionen Euro angehäuft hat. Aber er stellte die Frage: "Wie hoch mag die Zinslast sein – und wer will die Schulden tilgen?" Es könne nicht alles auf die Generation der Enkel und Urenkel abgewälzt werden.
Georg Haase ist im Gespräch mit der RP überzeugt: "Ich bin sicherlich nicht der Einzige hier, der bereit ist, etwas zu tun. Da sollten sich die 28 Millionen Euro schlagartig erledigen lassen. Klar ist, dass dieses Geld nicht von alleinerziehenden Müttern oder von Schichtarbeitern kommen kann. Helfen können nur jene, die auch über Geld verfügen."
Georg Haase und Ehefrau Marlene wollen mithelfen. Der Unternehmer – Spezialist für Energietechnik und (Energie-)Speichersysteme – hat seine Firma inzwischen verkauft und mit dem Unternehmen auch zahlreiche Patente. "Ich habe mal für uns als Rentner einen Finanzplan aufgemacht. Das Ergebnis war, dass wir mehr tun könnten – und es auch wollen."
"Fix" für Xanten
Bürgermeister Christian Strunk haben Georg Haase und seine Frau Marlene einen Brief geschrieben und den Vorschlag erläutert. Denn "die Haasen" (George Haase) schlagen einen "Freundeskreis in Xanten" vor – flott "Fix" genannt. In ihm sollten sich all jene versammeln, die freiwillig ein bis zwei Prozent ihres Vermögens zur städtischen Schuldentilgung abtreten wollen. Konkrete Zahlen und klare Regeln dafür (Spendenquittung sowie) sollten unter Moderation des Bürgermeisters festgelegt werden.
Dabei sind "die Haasen" keine gebürtigen Xantener; sie kamen erst 2011 aus dem Sauerland (Kreis Olpe) an den Niederrhein. In erster Linie, um im Alter den Lebensabend nicht mit Schnee schippen verbringen zu müssen, wie Georg Haase schmunzelnd anmerkt. Das mit dem Schnee habe sich zwar im Winter 2010/11 relativiert, gleichwohl gefällt dem Ehepaar "fast alles" an Xanten. Georg Haase: "Ich habe mit Aufmerksamkeit registriert, dass der Stadt Xanten von der Gemeindeprüfung wirtschaftliches Handeln attestiert wurde und dass es trotzdem 28 Millionen Euro Schulden gibt." Doch das mit den Schulden könne nicht so weiter gehen. Denn "sonst fahren wir gesellschaftlich sehenden Auges vor die Wand".
Eine andere Chance als das bürgerschaftliche Engagement auf freiwilliger Basis sieht Georg Haase nicht. Weder Pferde- und Hundesteuer oder andere Goldesel reichten aus, um die Finanzen in den Griff zu bekommen. "Nichts regelt sich von selbst; wir müssen etwas tun." Es amüsiert ihn fast, "dass uns bereits eine Verringerung der Neuverschuldung als Erfolg verkauft wird". Und er spielt indirekt auch auf die Rede an, die Karl-Josef Laumann kürzlich beim Neujahrsempfang der Xantener CDU-Fraktion gehalten hat. Für den Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion ist eine Sanierung der Staatsfinanzen "ohne Aufgabe von Aufgaben" nicht möglich. Klartext: Der Staat muss sich immer weiter zurückziehen.
Georg Haase will sich nicht der Einschätzung des Bielefelder Sozialforschers Wilhelm Heitmeyer anschließen. Der hat vor wenigen Wochen im Spiegel-Interview über das Verhältnis der Deutschen gegenüber Minderheiten und menschenfeindlichen Eliten im Kapitalismus ("Die Gesellschaft ist vergiftet") gesprochen. Der Sozialforscher erkennt darin eine "soziale Desintegration" " und nennt die zunehmend "Ökonomisierung der Bewertung von Menschen" unmenschlich.
Georg und Marlene Haase suchen Gleichgesinnte, die mit in die Zukunft der Stadt investieren wollen. Sie hoffen, dass der Bürgermeister die Vorbereitungen treffen kann. "Die Haasen" wollen mittun, aber keine Funktion übernehmen. Georg Haase ist von seinem Ansatz zur Sanierung der Stadtfinanzen überzeugt: "Wenn mir jemand nachweist, dass er eine bessere Idee hat, die zum Ziel führt, dem zahle ich 1000 Euro."
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