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Xanten: Funkstille am Deich

VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 11.01.2012

Xanten (RP). In der Bezirksregierung haben sich Naturschützer und Planer noch nicht einigen können, wie die Planung für den neuen Deich in Wardt ausgeführt werden soll. Aktuell hat dies keine Auswirkungen auf den Deichbau.

Hochwasser: Im vergangenen Januar führte der Rhein eine Menge Wasser.  Foto:  Armin Fischer (Archiv)
Hochwasser: Im vergangenen Januar führte der Rhein eine Menge Wasser. Foto: Armin Fischer (Archiv)

"Sachlage unverändert", stellte Bernhard Schlüß gestern im Gespräch mit der RP fest. Der Geschäftsführer des Deichverbandes Xanten-Kleve hat noch nichts von der Düsseldorfer Bezirksregierung zur aktuellen Meinungsverschiedenheit zwischen den Planern und den Umweltschützern der Behörde gehört.

Denn seit im vergangenen Herbst im Wardter Rheinvorland einmal eine Rauhhautfledermaus gesichtet wurde, darf der Deichverband das Baumaterial für die Deichsanierung zwischen Vynen und Wardt nicht – wie geplant – über den Rhein zum stillgelegten Kieshafen von Hülskens transportieren und dort auf Baustellenfahrzeuge verladen. Der Deichabschnitt zwischen Vynen und Wardt ist die logische Sanierungsfortsetzung. Anschließend soll der Abschnitt zwischen Wardt und Lüttingen saniert werden.

Abwägungsprozess

Während bei der Bezirksregierung der Abwägungsprozess noch nicht entschieden ist, sucht der Deichverband "nach einer anderen Stelle, an der wir umladen dürfen". Die sei noch nicht gefunden, doch der Stillstand bei der Entscheidung bleibe im Augenblick ohne Auswirkungen auf den Bautermin. Bernhard Schlüß. "Unabhängig vom aktuellen Hochwasser dürfen wir vom 1. November bis zum 31. Mai wegen grundsätzlicher Hochwassergefahr keine Deiche öffnen."

Dennoch arbeite der Deichverband an Lösungen, damit ab dem 1. April die Baustelle planmäßig eingerichtet werden kann. Das klingt wie das sprichwörtliche Pfeifen im Wald. Denn ursprünglich sollte für den Materialtransport schon zum 19. September eine Baustraße vom Strohweg aus in das Wardter Rheinvorland gelegt werden. Doch dieser Ursprungs-planung lag noch zugrunde, dass 40-t-Lkw schwer beladen mit Baumaterial durch das Dorf fahren – erst war die enge Scholtenstraße dafür im Gespräch, nachher der breitere Strohweg. Das war noch im Jahre 2010.

Mit 13 500 Lkw wurde gerechnet. Als sich Bürgerprotest regte und auch der Stadtrat sich gegen den Materialtransport per Lkw aussprach, schwenkte der Deichverband um. Das Material sollte in der Hauptsache über den Rhein zum alten Hülskens-Hafen angeliefert werden. Das Dorf könnte verschont werden; erforderlich wäre eine Baustraße vom Hafen bis zur eigentliche Baustelle.

Famoser Plan ohne Fledermaus

An dieser Überlegung konnte auch die Planungsabteilung der Bezirksregierung Gefallen finden. Doch der total famose Plan hielt nur bis zur Meldung der Sichtung einer Rauhhautfledermaus im Herbst 2011 im alten Kieshafen. Naturschützer reklamierten den Schutz der bedrohten Art und mobilisierten das erforderliche Instrumentarium. Dem Deichverband wurde von einer anderen Abteilung der Bezirksregierung die Planung mit dem alten Hafen nicht mehr gestattet.

Stattdessen gab es für die Deichbauer den wohlfeilen Ratschlag, sie mögen ein Stück flussabwärts in Richtung Vynen die alte Nato-Rampe für die Materialanlandung benutzen. Was prompt vom Wasser- und Schifffahrtsamt untersagt wurde: Die Rampe liegt zu nahe an der Fahrrinne und die Schiffsfrequenz sei an dieser Stelle zu hoch für die Anlieferung des Baumaterials. "Das haben wir vorher gewusst, weil wir schon danach gefragt haben", sagt Bernhard Schlüß. Doch weil dem Deichverband nicht geglaubt wurde, musste eine zweite Absage eingeholt werden.

Wie es weitergeht kann, ist noch nicht geklärt. Die Bürger in Wardt wollen sich nicht den Lkw-Transport zwei Sommer lang (2012 uns 2013) aufs Auge drücken lassen. Auf die Deichsanierung kann nicht verzichtet werden, auch wenn der aktuelle Hochwasserstand keinen Grund zur Besorgnis gibt.

Quelle: RP/rl


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