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Xanten: Geprüfter Aktenberg

VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010

Xanten (RPO). Seniorenheime stehen unter ständiger Beobachtung. Mehrfach im Jahr besuchen Vertreter verschiedener Institutionen die Einrichtungen, prüfen unter anderem die exakten Eintragungen in den Bewohnerunterlagen.

Besprechung der Pflegedienstleiter Stefan Schulte-Werflinghoff und Heinz-Gerd Boßmann. Für jeden Bewohner des Elisabeth-Hauses gibt es eine sogenannte Trinkliste, die genau geführt werden muss.  Foto: RPO
Besprechung der Pflegedienstleiter Stefan Schulte-Werflinghoff und Heinz-Gerd Boßmann. Für jeden Bewohner des Elisabeth-Hauses gibt es eine sogenannte Trinkliste, die genau geführt werden muss. Foto: RPO

In Mönchengladbach ist ein 85-jähriger Heimbewohner, der eigentlich nur eine Woche lang in der Einrichtung bleiben sollte, an akutem Flüssigkeitsmangel gestorben. Im Senioren-Wohnpark Lessingplatz in Düsseldorf haben Angehörige Alarm geschlagen, weil es dort nicht genug Fachpflegerinnen für Senioren gibt. Zwei Seniorenheime in der Kritik. Dabei gibt es längst verstärkte Kontrollen, deren Ergebnisse jetzt auch offengelegt werden sollen. "Und die Vorschriften für den Pflegedienst sind bis ins Kleinste geregelt", sagt der Leiter der Xantener Senioreneinrichtung St.-Elisabeth-Hauses, Ulrich Hoffmann.

Info

Daten

64 Bewohner leben derzeit im St.-Elisabeth-Haus, es gibt zudem zwölf Tagespflegeplätze und 15 Altenwohnungen.

Die Heimbewohner haben ihre Zimmer in zwei Wohnbereichen (Fluren) und werden jeweils von 15 Pflegekräften betreut. Hinzu kommen 5 Mitarbeiter im Nachtdienst.

www.kkikk.de/altenhilfe/EHX/

Über einen Mangel am Kontrollen können sich Heiminsassen in NRW nicht beschweren. Einmal im Jahr ist die Heimaufsicht des Kreises zu Gast in allen Einrichtungen. Speisen, Hygiene, Medikamentenversorgung und die Dokumentation über jeden Patienten werden untersucht, sagt Hoffmann. Regelmäßig lässt sich auch der medizinische Dienst der Krankenkassen im Haus blicken. Dabei geht es vornehmlich um die pflegerische und medizinische Versorgung. Besuch gibt es zudem von der Bezirksregierung, die sich um Medizinprodukte und zum Beispiel die Wartung von Hilfsmitteln wie Treppenlifte kümmert. Und schließlich kommen immer wieder Vertreter des Gesundheitsamts ins Haus, die sich ebenfalls mit den Bewohnern unterhalten, zudem jede Ecke inspizieren, nach Gefahrenpunkten Ausschau halten sowie – Akte für Akte wälzen.

Und für alles gibt es Akten. Kein Vorgang, keine Leistung für die 64 Elisabeth-Haus-Bewohner, der nicht festgehalten wird. "Das ist vorgeschrieben", sagt Hoffmann, und es wird zum Vorteil der Bewohner auch akribisch eingehalten.

Der "Schriftkram" ist beim Pflegepersonal naturgemäß nicht besonders beliebt, aber auch die Wohnbereichsleiter Stefan Schulte-Werfelinghoff und Heinz-Gerd Boßmann, wissen, dass er notwendig ist. Die Biografie jedes neuen Heimbewohners wird festgehalten, zudem jede Information, die die richtige Betreuung erst ermöglicht. Vom Versteifungs- und Sturzrisiko bis zu Medikamentengaben und Ernährungsgewohnheiten wird in den ersten Wochen alles akribisch genau notiert. "Besonders in den heißen Tagen muss Klarheit darüber herrschen, wem wir dabei helfen müssen, jeden Tag 1,5 bis zwei Liter Wasser zu trinken, wer wegen der Medikamentation eben nur wenig trinken darf", merkt der 34-jährige Schulte-Werflinghoff an. Und das wird dann protokolliert. Tag für Tag – wenn es sein muss eben auch jahrelang. Und für jeden Tropfen – samt genauer Uhrzeitangabe. Dasselbe gilt auch für alle anderen täglichen Tätigkeiten – vom Waschen über die Medikamentengabe bis zu Bewegungsübungen. "Das ist auch deshalb nötig, weil die Pflegemitarbeiter, die im Schichtdienst rund um die Uhr eingesetzt sind, jederzeit über jeden Bewohner informiert sind", betont der 32-jährige Heinz-Gerd Boßmann. 45 Pflegekräfte zählt die Xantener Einrichtung derzeit. Ihre Zahl wird zum Beispiel nach der Bewohnerzahl und deren Pflegebedürftigkeitsstufen mit den Krankenkassen ausgehandelt, erklärt Hoffmann. Zu Engpässen führe das derzeit nicht.

Jeder Beschwerde nachgehen

Das habe auch der Heimbeirat nie angemerkt. Auch der selbst ist übrigens vorgeschrieben. Und ob der regelmäßig tagt und was in seinen Protokollen steht, auch das wird geprüft, wenn die Vertreter der Behörden und Kassen vorbeischauen. Beschwerden – auch in anderen Fällen – müssen die Institutionen immer sofort nachgehen – mit einer Überprüfung.

Ulrich Sommer ist jetzt seit einem halben Jahr Leiter der Einrichtung in Xanten: "Das ist seither bei uns noch nicht vorgekommen."

Quelle: RP

 
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