Xanten: Geschichte zum Nachspielen
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012Xanten (RP). Wie ging es im Mittelalter im Xantener Stift zu? Schüler, die das Stiftsmuseum besuchen, sollen es in Rollenspielen nacherleben. Eine AG des Stiftsgymnasiums und der Marienschule bereitet diese Spiele vor.
Gerhard Vetscholder nahm es nicht so genau. Drei Söhne zeugte der Xantener Kanoniker, obwohl Frauen im Stift verboten waren. Später versorgte Vetscholder seine Sprösslinge mit einträglichen Ämtern: Der eine, Gottfried Hagen, wurde Stadtschreiber in Köln, die beiden anderen wurden ebendort Domvikare. So war das damals, im frühen 13. Jahrhundert. Wahrscheinlich tratschte jeder über das Treiben des Herrn Gerhard, aber offiziell war alles in Butter.
Mit dieser historisch verbürgten Geschichte befassten sich gestern Daniel, Len und Anna-Victoria im Lesesaal des Stiftsmuseums. Sie gehören zu einer gemeinsamen Arbeitsgemeinschaft des Stiftsgymnasiums und der Marienschule. Ziel: In Zusammenarbeit mit dem Museum das Stift anderen Schülern, die ins Museum kommen, näherbringen. Von der ursprünglichen Idee, einen Reiseführer zu verfassen, sind die Schüler sowie ihre Lehrer Norbert Beuckmann und Christoph van Kempen abgerückt. Ein Reiseführer sei nicht so attraktiv wie Rollenspiele, bei denen Kinder und Jugendliche selbst aktiv werden können.
Geld von der Stiftung
Die schulübergreifende Arbeitsgemeinschaft AG findet statt im Rahmen der Aktion "denkmal aktiv" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Sie fördert das Projekt mit jeweils rund 1800 Euro je Schule.
Am Ende des Schuljahrs werden die Rollenspiele vorgestellt.
Tipps der Expertin
Solche Spiele, die künftig unter pädagogischer Begleitung im Museum angeboten werden sollen, bereitet die AG vor. Jeden Donnerstag treffen sich die Schüler im Museum, studieren Bücher und Texte und überlegen, welche Szenarien wie umgesetzt werden könnten. Die Spielsituationen beruhen auf echten Ereignissen. Bei der Vorauswahl leistete die stellvertretende Museumsleiterin Elisabeth Maas große Hilfe. Und gestern wurde eine Fachfrau zu der AG eingeladen, die den Schülern viele Tipps gab, die sie bei der Ausarbeitung der Rollenspiele weiterbrachten: Gabriele Knoll, Doktor in Historischer Geographie und (unter anderem) Verfasserin mehrerer Bücher über Xanten – darunter der zum Stadtjubiläum 2003 erschienenen "Xantener Zeitreise".
Vanessa Pauline, Simon und Max beamen die jungen Museumsbesucher mit ihrem Spiel ins Jahr 1373: Am 1. April brennt die Spitze des Dom-Südturms. Woher nehmen die Leute das Löschwasser? Wie bringen sie es in ihren ledernen Eimern nach oben, während ihnen die brennenden Holzdecken und Balken innerhalb der steinernen Mauern entgegenfliegen?
"Das ist wie in einem Kamin", schilderte Knoll, die auf solche und andere Details hinwies. Noch eine wichtige Frage: Gibt es im Bereich der Immunität noch eine alte Pumpe oder einen Brunnen? Schließlich sollen die Rollenspiele nicht nur im Museum stattfinden, sondern auch in den Bereich um den Dom herum hinausführen. "Bei dem Feuer soll es sich um Brandstiftung gehandelt haben", verrät Max. Und später kam es sogar zu einem Mord!
Wer war der Täter?
Spannend wird es sicherlich auch beim Spiel von Jerome und Caroline: Im Jahr 1167 wurden aus dem Viktorschrein ein Weihrauchgefäß und ein Kelch entwendet. "Wir entwickeln die Eigenschaften der beteiligten Personen", erklärte Caroline. Als Täter wurde seinerzeit Heinrich von Dinslaken dingfest gemacht. "Ein Adliger, kein Bauernlümmel", wie Dr. Knoll bemerkte. Aber pst, nicht weitersagen! In dem Rollenspiel gilt es nämlich, den Täter zu ermitteln.
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