Xanten: Gespräch über viele Baustellen
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 30.04.2010Xanten (RPO). Miteinander sprechen ist besser: Der Hartmannbund lud gestern Landespolitiker zur Hospitanz in Arztpraxen ein. In Xanten machte Marie-Luise Fasse (CDU) davon Gebrauch – beim Allgemeinmediziner Reiner Wilbertz.
"Puh, da ist viel Druck", stellte Marie-Luise Fasse nach dem Vormittag in der Gemeinschaftspraxis von Reiner Wilbertz und Lothar Miele in Xanten fest. Und sie meinte damit die Arbeit an der Anmeldung, denn selbstverständlich war sie gestern ausgeschlossen von den Behandlungen.
"Leistungen unterbewertet"
Dafür unternahm sie mit Reiner Wilbertz einen Exkurs durch den Ärztealltag. Dabei zeigte sich der Facharzt für Allgemeinmedizin als Realist: "Wenn die Rahmenbedingungen nicht verbessert werden, ist die Einzelpraxis auf dem Land zum Untergang verurteilt."
Für den Arzt ist es keine Überraschung, dass inzwischen landesweit von einem Ärztemangel insbesondere in ländlichen Bereichen gesprochen wird. Für ihn ist das die Konsequenz aus den Regeln, die vor zwei Jahren definiert worden sind. Wilbertz: "Ärztliche Leistungen sind unterbewertet. Wir haben zwar einen sogenannten Freien Beruf, aber unsere Freiheit besteht darin, dass wir investieren."
Eingeladen hatte gestern der Hartmannbund, dessen Landesverband NRW keine "Wahlprüfsteine" formulieren wollte, sondern den Landespolitikern Hospitanzen in Arztpraxen und Krankenhäusern anbot. Im direkten Gespräch ließe sich der "wirkliche Alltag" besser vermitteln.
Was bedeutet: Rund 150 Patienten kommen an normalen Tagen von morgens 7.20 Uhr bis 14 Uhr in die Praxis, für den Nachmittag werden Termine vergeben.
Das hört sich nur gut an, denn tatsächlich – so Wilbertz – werden die Ärzte "runtergestaffelt". Was heißen soll: Pro Quartal werden dem Arzt nur die Leistungen für 1000 Patienten von den Krankenkassen vergütet, für alle anderen gibt es kein Honorar mehr. Reiner Wilbertz: "Fachärzte können dies über feste Termine steuern. Für Hausärzte ist das nicht möglich – schon gar nicht auf dem Land." Hinzu kommt, dass die Gemeinschaftspraxis auch Patienten in den drei Xantener Altenheimen medizinisch versorgt.
Und beim Thema "Vergütung" macht der Arzt die Rechnung auf: Pro Patient und pro Quartal gibt es 34 Euro – unabhängig davon, wie oft der Patient behandelt wird. "Für chronisch Kranke gibt es einen Zuschlag in Höhe von 15 Euro.
Seit 1977 in Xanten
Reiner Wilbertz ist seit 1977 niedergelassener Arzt in Xanten. Seit 2002 betreibt er mit Lothar Miele in seinen Räumen eine Gemeinschaftspraxis. "Das klappt menschlich gut und ist auch ganz praktisch bei Vertretungen."
Der finanzielle Aspekt sei jedoch nur einer von vielen beim Thema "Ärztemangel". Auch die extrem lange Ausbildung gehöre dazu. Junge Ärzte seien – wenn es gut läuft – Anfang bis Mitte 30 Jahre alt, bis sie sich als Arzt niederlassen können. Es klang fast schon ein wenig resignierend, als er im Gespräch mit Marie-Luise Fasse anmerkte: "Wir führen hier nur Gespräche über Baustellen."
"Offen und kompetent", nannte Marie-Luise Fasse zum Abschluss des Vormittages das Gespräch. Ihr Fazit für die Arbeit im Landtag: "Die Startbedingungen für Ärzte müssen verbessert werden. Auf dem Land stimmen die Rahmenbedingungen nicht mehr."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




