Xanten: Großfamilie auf Zeit
VON KAI HOMEIER - zuletzt aktualisiert: 28.08.2006Xanten (RPO). Familie Eßling aus Vynen nahm für zwei Wochen vier Kinder aus dem weißrussischen Gomel auf und ermöglichte ihnen einen unvergessenen Aufenthalt am Niederrhein.
Kinderhilfswerk Gomel
Fünf Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde das Kinderhilfswerk Gomel gegründet. Die Hilfsorganisation hat sich als Ziel gesetzt, denen, die besonders von der Strahlung betroffen sind, zu helfen. Dazu werden in den Sommermonaten immer Aufenthalte bei Gast-Familien am Niederrhein organisiert.
vynen Inzwischen ist es zur Tradition geworden: Im Sommer werden jedes Jahr etwa 150 Kinder zwischen acht und 15 Jahren Jahren aus dem weißrussischen Gomel bei Gasteltern am Niederrhein untergebracht. Ziel ist es, den gesundheitlich angeschlagenen Kindern wenigstens eine kurze Zeit in gesunder Umgebung zu ermöglichen.
Auch bei der Vynener Familie Eßling waren in diesem Jahr wieder Gastkinder einquartiert. Mutter Jenny Eßling erfuhr von der Aktion und vor allem vom Leid der Kinder aus der Zeitung und war tief berührt. Sie fackelte nicht lange und beschloss, auch was zu tun. Mit dieser Idee trat sie an ihre Familie heran. Sie erinnert sich noch genau an die ersten Reaktionen. Ihr Mann Klaus war anfangs erstaunt, aber dann wurde schnell Kontakt zur Vorsitzenden Ute Schreyer in Rheinberg aufgenommen, man saß nach kurzer Zeit zusammen und überlegte.
Eine Großfamilie auf Zeit
Erst wollte Familie Eßling drei Kinder aufnehmen, dann entstand ein Problem mit einer anderen Familie, die absprang. Zudem wurde eine weitere Anmeldung für ein Mädchen vergessen, eine andere Familie hatte persönliche Probleme, und ein Junge konnte nicht aufgenommen werden. Es wurde telefoniert und letztendlich nahm Familie Eßling vier Kinder auf: ein Mädchen und drei Jungen. Hinzu kamen die eigenen Kinder.
Mutter Eßling lacht: „Teilweise hatten wir hier über zehn Kinder, die hier im Haus waren. Es war richtig voll.“ Platzprobleme gab es dabei keine, groß genug war das Haus. Zum Essen saßen alle um den großen Tisch im Wintergarten. Die Kinder konnten alle Freiheiten nutzen, spielten Fußball, machten Spaziergänge zur Xantener Nordsee. Eben Dinge, die für die Kinder Zuhause selten sind. An Tagen ohne Programm waren die Abende lang und die Nächte kurz. Spaziergänge mit den Hunden waren ebenso beliebt wie Kontakte zu Kindern aus dem Dorf. Mutter Eßling denkt noch an die Verabschiedungen: „Wir haben Rotz und Wasser geheult“, sagt sie bewegt. Aber sie stehen in Kontakt per Brief, Telefon oder Mail. Ein Übersetzungsservice garantiert die Verständigung.
Appell an andere: Ausprobieren!
Mutter Eßling hofft, dass diesem Beispiel viele folgen und ermuntert zur Teilnahme. „Angst haben muss niemand, die Betreuung durch das Kinderhilfswerk ist super und immer ist jemand da“, sagt sie. Und was gibt es schöneres, als glückliche Kinderaugen zu sehen? Das ist auch eine Art der Spende und Hilfe, vor allem weil sie sofort sichtbar wird.
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