Xanten: "Hände waschen!"
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 25.08.2010Xanten (RPO). Der Tod von drei Säuglingen an der Uni-Klinik Mainz und die Nachricht von einem "Superbakterium" werfen ein Schlaglicht auf einen Kriegsschauplatz: Kampf gegen Krankenhauskeime. Wir fragten im St.-Josef-Hospital nach.
"Bisher hatten wir keinen Keim, der nicht hätte behandelt werden können." Dr. Johannes Kohler, Ärztlicher Direktor am St.-Josef-Hospital in Xanten, und Angelika Schulz sprechen unisono für das Xantener Krankenhaus und für das Marien-Hospital in Wesel. Denn Angelika Schulz ist als Hygienefachkraft zwar am Marien-Hospital angestellt, jedoch im Rahmen der Kooperation beider Häuser auch zuständig für das Xantener Hospital.
Doch die Aussage ist keine Entwarnung, denn jeder Keim im Krankenhaus ist einer zu viel. Weshalb beide Häuser sich dem Euregio-Projekt "EurSafety Health-net" angeschlossen haben. Sie wollen – gemeinsam mit niederländischen Krankenhäusern – Krankenhauskeimen nachhaltig vorbeugen und ein Qualitätssiegel erlangen. Die niederländischen Kliniken gelten dabei als Vorbild. Dort liegt – so Angelika Schulz – die Rate aller multiresistenter Keime bei sogenannten Abstrichen bei einem Prozent. In Deutschland sind es hingegen 20 Prozent.
Einfach und doch schwierig
Eigentlich könnte der Kampf gegen die resistenten Keime einfach geführt werden. "Hände waschen und Disziplin", sagt Johannes Kohler.
Doch was sich einfach anhört, hat viele Schichten. Kohler: "Die Hauptursache der Entstehung von Resistenten ist der ungezielte Verbrauch von Antibiotika sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Denn was Tieren übers Futter zugeführt wird, kommt über die Nahrungskette bei den Menschen aus." Johannes Kohler weiß: "Ein Prozent mehr Antibiotika führt zu vier Prozent Steigerung der Resistenten in einem Monat." Denn die gegen immer mehr Antibiotika unempfindlichen Bakterien sind keine neuen, sondern nur "besser" angepasste Stämme. Dies gelte auch für das sogenannte Superbakterium NDM-1, welches bis dato noch nicht in der Region aufgetreten sei.
Warum ausgerechnet niederländische Kliniken diesen Kriegsschauplatz besser im Griff haben, erklärt sich mit deren Praxis bei der Patientenaufnahme: Patienten aus einem fremden Land oder aus einer fremden Klinik kommen erst gar nicht auf die Krankenstationen. In einer Form von Quarantäne werden sie erst auf multiresistente Bakterienstämme untersucht. Angelika Schulz: "Das ist eine Vorgehensweise, die wir auch für uns anstreben."
Doch das ist nur ein Ausschnitt aus dem Euregio-Projekt, das neben Krankenhäusern auch Arztpraxen, Alten- und Pflegeheime, Pflegedienste sowie Laboratorien erreichen will. Neben den einfachen Dingen wie "Hände waschen und Disziplin" wird die Zusammenarbeit mit der Mikrobiologie bei Wundinfektionen (Abstriche) noch enger gezurrt.
Immerhin sterben bundesweit 2000 bis 4000 Menschen pro Jahr wegen der Keime in Krankenhäusern. Weshalb auch alle Krankenhäuser eine Resistenzstatistik führen, die einmal pro Jahr vorgelegt wird. Über eine Vernetzung der Kliniken sowie der Altenheime und Pflegeeinrichtungen innerhalb der Euregio sollen die Risikofaktoren für die Region ermittelt werden. Und einmal pro Jahr überprüft das Gesundheitsamt den Hygienestatus des Krankenhauses bei einer Begehung.
Innerhalb des Projektes arbeiten die beteiligten Krankenhäuser eng mit Professor Andreas Foss vom Canisius-Wilhelmina-Krankenhaus in Nimwegen zusammen. Dort liegt die Rate der nachgewiesenen Multiresistenten bei einem Prozent.
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