Xanten: Hauptsache Marienbaum
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009Xanten (RPO). Heinz Tack aus Marienbaum sammelt alles, was mit seinem Dorf in Verbindung steht. Tausende von Ansichtskarten, Stichen, Büchern und Aktenordnern füllen ganze Wände und einen ganzen Arbeitsraum mit Stahlschränken.
Marienbaum Wetten dass – das Team von Thomas Gottschalk diese Wette nur "auf Zeit" in die Wege leiten würde: Da wird ein Mensch mit verbundenen Augen in ein bestimmtes Haus in Marienbaum gebracht. Er soll herausfinden, in welchem Ort er sich befindet. Die Augenbinde wird im Wohnzimmer der Familie Tack abgenommen. Der Blick des Kandidaten schweift durch den Raum. Geben wir ihm, na sagen wir fünf Sekunden, dann folgt die richtige Antwort: Marienbaum. Wette gewonnen.
Der heimische Fuchs
Gerahmte Postkarten, Dokumente jeder Art, ein Lithostein: an jeder Wand, in jeder Ecke, über der Tür: Marienbaum, im Bild, im Text. Selbst auf dem Fensterbrett – Marienbaum. Und vor dem Kamin lungert ein ausgestopfter Fuchs. Aus Marienbaum...?! "Klar, den hat ein Jäger hier um die Ecke geschossen", sagt Marion Tack und lacht: "Bei uns kommt nichts weg." Dafür sorgt ihr Mann Heinz Josef. Mit unendlicher Akribie und Leidenschaft sammelt der 60-Jährige seit gut 30 Jahren alles, was ihm in die Finger fällt – Hauptsache es steht Marienbaum drauf oder es ist Marienbaum drin.
Das Hobby
Über Geld redet Heinz Josef Tack (lt. Stammbuch ohne Bindestrich) nicht. Hobby sei Hobby.
Nur so viel: "Für eine seltene Ansichtskarte zahlt man schon 40 bis 50 Euro."
So viele "unbekannte" Karten aber gibt's wohl nicht mehr.
Der Auslöser
Angefangen hat die Zeit der Jagd nach den Schätzen aus seiner Heimat mit einem Panoramafoto aus Xantens Norddorf. Genauer gesagt mit zwei, die aneinander passen würden, wenn genug Platz ist. Heute zieren jene Fotografien heute zwei Türstürze. Tack war jedenfalls so begeistert, dass er sich fortan auf die Suche nach weiteren Bildern aus Marienbaum machte. Zunächst, so erzählt er, mit wenig Erfolg. Erst Theo Laakmann aus Sonsbeck wies ihm den Weg. "Der kannte die Möglichkeiten, an schöne alte Stücke zu kommen." Zunächst waren es Trödelmärkte, Messen und Börsen, zu denen die beiden fuhren. In Köln und Essen zum Beispiel knüpfte Heinz Josef Tack erste Kontakte mit professionellen und semiprofessionellen "Spürhunden" – alles Freunde inzwischen: "Wenn ich auf so einer Veranstaltung auftauche, lotsen die mich sofort an ihren Tisch, wenn sie was haben", sagt Tack. Oder sie rufen schon ein paar Tage an. "Dann kommt eine schlimme Zeit", gesteht Tack. Dann könne er vor Aufregung die nächsten Tage kaum schlafen.
Galeristen und Antiquare in weiter Umgebung kennen Tacks Adresse. Und wenn es sein muss, dann setzte er sich früher mit Laakmann und heute mit seiner Frau auch frühmorgens ins Auto: für einen Tag in eine belgische Stadt oder auch mal nach Paris. Gut, so gibt Heinz Josef Tack zu, heute gehe es bisweilen schneller per Internet. Ein Teil seiner Sammlung stammt inzwischen selbst aus Singapur und Washington. Marienbaumerisches kommt halt rum. Das summiert sich: Neben den Schätzen im Erdgeschoss gibt es im Keller ganze Regale und Stahlschränke voller – Marienbaum. Und längst nicht mehr "nur" Ansichtskarten . . .
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