Sonsbeck: Hilfe für Zappelphilipp und Co.
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.02.2009Sonsbeck (RPO). Sabine Ulpke, Leiterin der Sonsbecker Grundschule, setzt in der Förderung verhaltensauffälliger Kinder auf ein Netzwerk von Beratungsangeboten. Auch Eltern und Lehrer sollen davon profitieren können.
Die Zeiten des Zappelphilipps sind vorbei, sagt Sabine Ulpke. Allerdings nur die, in denen man lebhafte Schülerinnen und Schüler einfach unter diesem Begriff zusammengefasst, in eine Schublade gesteckt und zur Kenntnis genommen habe. "Heute gibt es viel mehr verhaltensauffällige Kinder als noch vor 30 Jahren", erklärt die Schulleiterin. Auch in Sonsbeck mache sie diese Beobachtung. Das Problem, auf das sie und ihre Kollegen nun im Unterricht treffen, bestehe darin, dass sie oft nicht wissen, welche Ursache diese Hyperaktivität habe. "Und genau danach richtet sich ja dann die Art und Weise der Förderung", so Ulpke.
Lehrer-Ausbildung
Einen Kritikpunkt in diesem Zusammenhang richtet Ulpke auf die Ausbildung der Lehrer.
"Die Fähigkeit zur Beratung von Eltern wird nicht ausreichend geschult. Ebenso fehlt die psychologische Seite unseres Berufes."
Früher hätten Elterngespräche nur an Sprechtagen stattgefunden, heute seien sie fast an der Tagesordnung.
Kinder auf Augenhöhe
Drei Formen der Verhaltensauffälligkeit gebe es. Erstens das genetische Krankheitsbild ADHS oder ADS (siehe nebenstehenden Text), zweitens psychosoziale und emotionale Störungen und drittens das Defizit des so genannten "gleichberechtigtes Kindes". "Letzterer Fall tritt auf, wenn Eltern ihr Kind als Partner auf Augenhöhe ansehen", sagt Ulpke. Wenn die Forschung nun davon ausgehe, dass auf eine Klasse im Durchschnitt allein zwei ADHS-Fälle und zwei hochbegabte (und ebenfalls förderungsbedürftige) Schüler kommen, werde das Problem sichtbar.
Es muss sich also etwas tun, findet Ulpke und will in einem Netzwerk alle Beteiligten – Kinder, Eltern, Lehrer, Ergotherapeuten, Ärzte und Psychologen – zusammenbringen. "Denn es sind nicht nur die Kinder, denen geholfen werden muss. Eltern- und Lehrerberatung sind mindestens genauso wichtige Punkte", sagt Ulpke.
Mit einem örtlichen Ergotherapeuten habe sie bereits gesprochen, so Ulpke, ebenfalls mit einem spezialisierten Arzt aus der Umgebung. Der sei bereit, bei einem geplanten Elternabend über die Problematik zu informieren. Denn die Ursachen liegen nicht nur in den Genen, können also nicht nur auf die Behandlung mit Medikamenten wie Ritalin abgewälzt werden.
Leistungsdruck
Oft stecke Leistungsdruck, den die Kinder zu Hause erfahren, hinter ihrem Verhalten. Der Bonner Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff spricht außerdem von einer "Nicht-Entwicklung" der Kinder. Diese seien bei Schuleintritt zwar körperlich schulreif, aber nicht im Verhalten. Das äußere sich dann eben in Aggressivität, Konzentrationsschwächen, Lustlosigkeit oder Respektlosigkeit gegen Mitschüler und Lehrer.
Das angedachte Netzwerk soll vor allem eins bewirken, fordert Ulpke: Dass alle Schüler so gefördert werden können, wie sie es verdienen. "Denn wir haben viele richtig gute Kinder."
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