Sonsbeck: Kein Futter für den Winter
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010Sonsbeck (RPO). 20 Prozent weniger Getreide, Mais, der in den zu kleinen Kolben kaum Energie speichern kann: Die Ernteverluste bescheren den Viehhaltern absehbar gravierende Folgen. Sie müssen wohl teuer zukaufen.
Die Landwirte in der Region sehen schwere Zeiten auf sich zukommen. Die Ernteausfälle sind teilweise beträchtlich. Für den Winter muss mit Zukäufen gerechnet werden. Der genossenschaftliche Raiffeisenverbund Agri V (Agrar im Verbund), so deren Geschäftsführer Hanspeter Maas, will dieser Situation mit verstärkten Geschäften in weiteren Geschäftsbereichen entgegenwirken.
Auch die Landwirtschaft bekommt den zunehmenden Weltmarktumbruch zu spüren. "Rund um den Globus wird ständig irgendwo geerntet", sagt Maas. Gleichzeitig ist der Bedarf in Ostasien groß. Das habe natürlich auch Einfluss auf die regionalen Märkte. Gab es noch im vergangenen Jahr in Europa einen Ernteüberhang von 20 Prozent, so wurde dieser Überschuss seit Anfang des Jahres aufgrund der Euroschwäche vollkommen abgebaut. Die Lager in der EU sind durch verstärkte Exporte leer. Und genau in diese Situation kommt jetzt eine witterungsbedingte schwache Ernte: Ein sehr kalter, langer Winter hat die Aussaat verzögert. Die Verzögerung von vier Wochen war nicht mehr einzuholen, sagt Maas. "Wir sind zu spät ins Frühjahr gestartet, konnten zu spät Dünger und Pflanzenschutzmittel austragen." Und im Juni kam dann die Trockenheit mit Temperaturen von teilweise 35 Grad Celsius. Beim Getreide gab das Ausfälle. Und der Mais hat wegen des Hitzestresses keine gute Kolbenanlage und nur geringe Energieentwicklung. Am Niederrhein mit seinen zahlreichen Aueflächen und Seen haben die Landwirte zudem mit der von Jahr zu Jahr zunehmenden Population der heimisch gewordenen Wildgänse zu kämpfen, erläutert Maas, der dieses "heiße Thema" im Verhältnis nicht überbewerten will. Aber inzwischen gebe es ganze Getreideflächen, die kahlgefressen wurden. Der Sturm habe weitere Schneisen in die Felder gerissen. Und letztendlich machen sich die Landwirte inzwischen gegenseitig Konkurrenz. Maas: Die zunehmende Anzahl von Biogasanlagen verlangt nach Einsatzstoffen von Flächen, die zuvor den Milchviehhaltern zugutekamen.
Die Folgen sind gravierend: Ertragseinbußen von 20 Prozent beim Getreide bedeuten allein für das Verbandsgebiet der Agri V mit ihren rund 1250 Mitgliedern zwischen Kranenburg, Moers, Raesfeld, Marbeck einen Umsatzrückgang von 10 000 Tonnen, die vermutlich nicht kompensiert werden können. "Ein geringerer Ertrag bei steigenden Kosten zum Beispiel im Kraftstoff- und Personalbereich wird vermutlich nicht durch steigende Verkaufspreise aufgefangen werden können", vermutet Maas, der in diesen Zusammenhang an die Milchdebatte erinnert. Letztlich gefährde der Ernteverlust aber besonders die Grünfutterversorgung für den Winter: "Die Viehalter werden auf einem ohnehin schon engen Markt zukaufen müssen, "das ist ein richtiges Problem".
Abschluss mit schwarzen Zahlen
Den Genossenschaftsmarkt sieht Maas hingegen noch recht gut aufgestellt. Der Heizölverkauf und das Geschäft mit Holzpellets liefen gut, ebenso die für alle Endverbraucher offenen Raiffeisenmärkte. Allein im vergangenen Jahr, so die ersten Zahlen der Agri V nach der Fusion im Jahr 2009, brachten einen Umsatz von 145 Millionen Euro. Der Bilanzabschluss werde gerade erarbeitet, es sei wohl ein Gewinn erwirtschaftet worden. Wie hoch der sei, sei aber noch unklar. Erfahrungsgemäß überschritten die Erträge allerdings nicht 0,5 Prozent vom Gesamtumsatz.
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