Xanten: Kinderarzt dringend gesucht!
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 18.03.2011Xanten (RPO). Seit Anfang des Jahres gibt es keinen Kinderarzt mehr in Xanten. Gut zweieinhalb Monate später schlagen Eltern Alarm: Die Situation sei nicht tragbar. Bis Ende Juni muss laut KV die Stelle besetzt werden.
Beate de Fries hat die Suche aufgegeben. Die Xantener Kinderärztin hatte intensiv um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin geworben, war an der Praxisbörse, hat über 70 Fachkolleginnen oder -kollegen angeschrieben und sogar für eine Halbtags- oder Zweitpraxis geworben. Alles vergeblich. Am 31. Dezember hat sie ihre Kinderarztpraxis geschlossen.
Und sie hinterlässt eine Lücke, die den Unmut unter den Xantener Familien wachsen lässt. "Es geht um Gottes willen nicht um Frau de Fries", sagt Sonja Bruckmann. Aber was es bedeutet, ohne Kinderarzt in einer Stadt zu leben, hat sie inzwischen mehr als zwei Monate lang "ertragen". Ihr Fazit: "Auch wenn die niedergelassenen Allgemeinärzte wirklich ihr Bestes gäben, strömten nun alle Mütter mit ihren Kindern zusätzlich in diese Praxen. Und bei Notfällen seien weite Wege nötig. Sonja Bruckmann: "So geht es nicht."
Die 43-jährige Mutter zweier Kinder weiß sich bei ihrer Kritik in guter Gesellschaft. Vor allen Dingen eben bei Notfällen und am Wochenende: "Da muss man seinen Säugling schnappen, nach Kalkar, Alpen, Geldern oder Wesel fahren", sagt die frühere Kempenerin, die seit zehn Jahren in Xanten wohnt.
"Machen Sie das mal mit einem fiebrigen Säugling auf dem Arm, wenn Sie ohnehin kein Geld haben und auf den Bus oder die Bahn angewiesen sind", sagt Sonja Bruckmann, die zudem noch weitaus sensibilisierter ist als andere Mütter.
Im März 2009 hatte Beate Fries Verdacht geschöpft, weil die Krankheitssymptome des heute siebenjährigen Max über einen normalen grippalen Infekt hinausgingen. Ein großes Blutbild brachte Ergebnisse zutage, die die Ärztin noch abends um 22 Uhr zu einem Anruf veranlasste: Ab in die Kinderklinik in Wesel. Der Befund war niederschmetternd – Leukämie – und führte zu einer einjährigen, mehrfach auch stationären Behandlung in der Kinderonkologie des Uni-Klinikums Münster.
Wenn es Max, der inzwischen wegen des langen Klinik-Aufenthalts noch viel nachholen muss und den integrativen Kinderarten Hoppetosse in Vynen besucht, nur einmal unwohl ist, läuten die Alarmglocken. "Nur keine Entzündung", sagt Mutter Sonja Bruckmann, die mit ihrem Sohn auch schon mal von einem zum anderen Krankenhaus unterwegs war, "damit er irgendwo möglichst schnell drankommt". Und: "Wir – und da spreche ich auch für andere Mütter – vermissen einfach das Gespräch mit dem Facharzt." Vielleicht könne sich Politik einmischen. "Die hat mehr Möglichkeiten."
Wenig Chancen
Bürgermeister Christian Strunk kennt das Dilemma. Die Fahrerei sei tatsächlich mehr als unangenehm, bekennt der Vater von vier Kindern. Als Politiker sehe er aber wenig Chancen der Einflussnahme, zumal die Stadt derzeit kein Geld für eine großangelegte Kampagne habe. Das Projekt des Landes mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), bei dem bei absehbarem Versorgungsengass Ärzte Zuschüsse für eine Hausarztniederlassung auf dem Land erhielten, gelte hier wohl nicht.
Auch KV-Pressesprecherin Karin Hamacher macht im Grunde wenig Hoffnung. Der Kreis Wesel habe eine Überversorgungsquote bei Kinderärzten. Der Kreis sei damit eigentlich Sperrgebiet. Gleichwohl sei die Stelle über die KV weiter ausgeschrieben. Politik und die Ärztin, so sie denn Geld und Möglichkeiten haben, könnten vielleicht doch noch einen Arzt locken. Aber nur bis zum 30. Juni: "Am 1. Juli ist die Stelle weg."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




