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Wardt: Kopfschütteln am Deich

VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 23.09.2011

Wardt (RP). Vertreter des Deichverbandes Xanten-Kleve zeigen sich entsetzt über die Anordnung der Bezirksregierung, die vorbereitenden Arbeiten für die Deichsanierung zu stoppen. CDU kündigt Protestfahrt nach Düsseldorf an.

Vom Gut Grindt soll die Deichstraße schnurgerade einen Kilometer weit bis zum Hafen Wardt führen (v.l.); Deichgräf Hans-Heinrich Beenen, seine Stellvertreter Johannes van Betteray und Andreas Ploenes sowie der Geschäftsführer des Deichverbandes Xanten-Kleve, Bernhard Schlüß.  Foto:  Olaf Ostermann
Vom Gut Grindt soll die Deichstraße schnurgerade einen Kilometer weit bis zum Hafen Wardt führen (v.l.); Deichgräf Hans-Heinrich Beenen, seine Stellvertreter Johannes van Betteray und Andreas Ploenes sowie der Geschäftsführer des Deichverbandes Xanten-Kleve, Bernhard Schlüß. Foto: Olaf Ostermann

Die Nachricht aus Düsseldorf schlug wie eine Bombe beim Deichverband Xanten-Kleve ein. Die Bezirksregierung untersagte schriftlich die vorbereitenden Arbeiten für die Deichsanierung zwischen Vynen und Wardt (die Rheinische Post berichtete). Der Hafen Wardt darf nicht hergerichtet werden. Die Baustraße, die von dort gut einen Kilometer durch das Rheinvorland bis zur Deichüberfahrt Gut Grindt verlegt werden sollte, darf aus Naturschutzgründen zunächst nicht angelegt werden. Vorstand und Geschäftsführung des Deichverbandes zeigten sich gestern ratlos. Der Zeitplan gerät aus den Fugen, erklärten Deichgräf Hans-Heinrich Beenen, seine Stellvertreter Johannes van Betteray und Andreas Ploenes sowie Verbandsgeschäftsführer Bernhard Schlüß bei einem Ortstermin mit der Rheinischen Post in Wardt.

Info

Erste Folgen

Mit den ersten Folgen der Entscheidung der Bezirksregierung hat der Deichverband bereits zu kämpfen.

Die Baufirma, so Geschäftsführer Bernhard Schlüß, hat bereits Regressforderungen angekündigt wegen der zusätzlichen Kosten durch die Bauverzögerung.

Dabei war nach langem Gezerre endlich eine für die Wardter akzeptable Lösung gefunden worden. Die aus der Bevölkerung heraus geforderte Andienung der Baustelle ausschließlich über den Wasserweg und die Baustraße konnte zwar nicht in Angriff genommen werden, da die Baufirma Martens en Van Oord ihr zum Deichbau notwendiges Material nicht in vollem Umfang aus ihren Baustellen nahe Rhein und Maas beziehen kann. Eine von mehreren Proben aus einer stammte nämlich aus Rotterdam. Und das Material, so der Geschäftsführer des Deichverbandes, Bernhard Schlüß, habe sich als nicht geeignet erwiesen. Dafür sollten jetzt Filtermaterial und Schotter, die eigentlich per Lkw herangeschafft werden sollten, mit Schiffen transportiert werden. Blieben noch 5950 Lkw-Transporte durch Wardt und Vynen – das sind insgesamt 13 900 Lastzüge weniger als ursprünglich vorgesehen. Schön auch: Das Umweltministerium hat zugesagt, 80 Prozent der zusätzlichen Kosten in Höhe von 275 500 Euro zu übernehmen.

Und jetzt das. Seit August, so Deichgräf Beenen, habe der Verband versucht, ein Gespräch mit der Oberen Landschaftsbehörde bei der Bezirksvertretung zu bekommen. Schließlich war klar, dass der Schiffstransport über den Hafen bislang nicht in der Planfeststellung enthalten und das Deichvorland unter Naturschutz und Vogelschutzgebiet sowie als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen ist. Einen Termin gab es nicht. Stattdessen jetzt von der Behörde, die bei allen Ausschreibungen mit am Tisch gesessen hatte, einen Brief. Am 7. September forderte die Bezirksregierung weitere Unterlagen an – zum Beispiel eine Umweltverträglichkeitsprüfung einschließlich der Prüfung von Alternativrouten – über Land. Der Deichverband, so Geschäftsführer Schlüß, habe die Expertisen sofort in Auftrag gegeben. Kostenpunkt: 20 000 Euro. Vor allem aber: nicht in drei Wochen zu schaffen. Mit Datum vom 19. September dann das Untersagungsschreiben.

Vogelschutz vor Menschenschutz

Es sei schon schizophren, wenn eine Hand in Düsseldorf offenbar nicht wisse, was die andere tue, zeigte sich Andreas Ploenes gestern erbost. Es könne doch nicht sein, dass Vogelschutz vor Menschenschutz gehe. 16 000 Lkw-Transporte durch die Orte statt einer Straße, die vor dem Winter gebaut werde, damit sie im Frühjahr nach Abzug der Gänse benutzt werden kann – das sei nicht nachvollziehbar. Und wenn jetzt nicht gebaut werde, dann könne auch erst im Sommer mit der Deichsanierung begonnen werden, fügte Johannes van Betteray an. Dann würden die Anlieger zwei Sommer lang belästigt.

Quelle: RP/jt


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