Xanten: Nicht plötzlich überfordern
VON HEINZ KÜHNEN UND JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Xanten (RP). Die Schulkonferenzen sollen darüber entscheiden, ob neben Zeugnissen in Berichtsform am Ende der Klasse zwei und in der Klasse drei auch Ziffernnoten vergeben werden. Die RP befragte die Grundschulleiter dazu.
Die Leiter der Grundschulen in Xanten und Sonsbeck plädieren im Grunde einheitlich für Zeugnisse in Berichtsform. Allerdings müsse es ab einem gewissen Zeitpunkt Noten geben.
Maria Evers, Grundschule Marienbaum, befürwortet die Notengebung mit Berichten und Ziffern. Dies entspreche auch dem Wunsch der Eltern: "Viele Lesen den Bericht und fragen dann: Was wäre das für eine Note?" Die Lehrerin kann dies verstehen: "Die Eltern wollen wissen, wo ihr Kind steht." Eine Ziffernnote, so Evers "schadet nicht" und sei als Ergänzung zu den Berichten durchaus sinnvoll.
Rückkehr
Mit dem Beschluss, Schulkonferenzen darüber entscheiden zu lassen, ob es zusätzlich zu den Zeugnissen in Berichtsform am Ende der Klasse zwei und in der dritten Klasse weiter Ziffernnoten geben soll, kehrt das Land NRW auf eine von der CDU-FDP-Regierung 2006 abgeschafften Regelung zurück.
Anette Krömker, Grundschule Birten, hatte "noch vor zehn Jahren" Ziffernnoten grundsätzlich abgelehnt. "Berichte machen mehr Sinn, sie sind differenzierter als Noten", sagt sie. Das sei in der heutigen Zeit, da in den Schulen individuelle Förderung und Differenzierung großgeschrieben werden, eigentlich umso wichtiger. "Ziffernnoten konterkarieren die Differenzierung." Vor allem für schwächere Schüler seien Berichtszeugnisse auch motivierend, weil diese "positiv" verfasst sind: "Es steht darin, was ein Kind kann und nicht das, was es nicht kann." Allerdings sieht Anette Krömker: "Der Zug der Zeit geht anders." Eltern sähen Noten gern. "Manche gucken mehr auf die Noten als auf die Leistung ihrer Kinder." Eine ganz andere Frage sei es, ob immer wieder neue Regelungen getroffen werden müssten: "Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – das macht keinen Sinn." Im Kollegium hat sie die neue Möglichkeit, Ziffernnoten erst ab Klasse vier zu geben, noch nicht besprochen. Die nächste Sitzung der Schulkonferenz steht für den 28. Februar an. Sabine Ulpke, Grundschule Sonsbeck, ist eine vehemente Befürworterin der Berichtszeugnisse. Sie wäre sogar dafür, in den ersten Jahren an weiterführenden Schulen auf Noten zu verzichten. Da die Wirklichkeit anders aussieht, findet es Ulpke allerdings zu spät, erst im vierten Schuljahr mit der Notengebung zu beginnen. "Das Halbjahreszeugnis im vierten Schuljahr ist bereits das Bewerbungszeugnis für die weiterführende Schule." Deshalb müssten Drittklässler ihrer Meinung nach bereits an die Notengebung herangeführt werden.
Allein keine Aussagekraft
Dieser Meinung ist auch Johannes Munkes, Leiter der Hagelkreuzschule in Lüttingen. Wenn die Diskussion über Noten wieder aufflamme, könnte er sich vorstellen, dass diese ganz abgeschafft würden, da eine Ziffer allein nicht aussagekräftig genug sein. Müssten aber für die Schulempfehlung in der vierten Klasse Noten her, dann gelte es, Kinder und Eltern nicht plötzlich zu überfordern. Dazu könnte es in der Drei eine Mischform geben. Allerdings müsse ja die Schulkonferenz entscheiden. Eine solche Freiheit, manche Dinge vor Ort entscheiden zu können, hätte sich Heinz Roters, Leiter der Xantener Viktor-Grundschule, schon bei vielen anderen Entscheidungen gewünscht. Auch er ist ein Befürworter von Berichten, die präziser seien und auch auf Stärken von Schülern eingehen könnten. Eine Vier im Sprachgebrauch sage darüber so gut wie nichts aus. Deshalb würden alle Zeugnisausgaben mit einem individuellen Elterngespräch begleitet. Allerdings bleibe es nicht aus, dass von der individuellen Bewertung auf anforderungsbezogene Noten umgeschaltet werden müsse. "Und da müssen wir wohl in der dritten Klasse behutsam anfangen."
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