Xanten: Pilotprojekt Geothermie
VON SUSANNE RÖHR - zuletzt aktualisiert: 05.09.2006Xanten (RPO). Im Neubau des Regionalmuseums Xanten setzt der LVR auf eine neue Klimatechnologie: Geothermie.
Mit Erdwärme wird geheizt und gekühlt – ein regenerativer, günstiger und umweltschonender Prozess.Was ist Geothermie?
Geothermie steht synonym für Erdwärme und umfasst die in der Erdoberfläche gespeicherte Energie in Form von Wärme.
Sie kann zum Heizen und Kühlen genutzt werden, zum Erzeugen von Strom oder in der Kraft-Wärme-Kopplung.
Geothermie ist auch der Fachbegriff für die Wissenschaft, die sich mit der Thermik des Erdkörpers auseinander setzt als auch die ingenieurtechnische Beschäftigung mit der Erdwärme.
Erdwärme setzt sich zusammen aus Restwärme der Erdentstehung und aus radioaktiven Zerfallsprozessen. In oberflächennahen Schichten kommt die Wärme der Sonneneinstrahlung hinzu.
Mit Schutzhelmen auf den Köpfen standen die Mitglieder des Umwelt- und Bauausschusses des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) gestern hinter dem Schneckenbohrer. Direkt am Neubau des Regionalmuseums Xanten beobachteten sie den Auftakt der Bohrungen für Erdwärmegewinnung – im Vorfeld zur Sitzung in der Domstadt. Das Regionalmuseum soll per Geothermie klimatisiert werden. Geothermie, das ist die gesamte unter der Erdoberfläche in Form von Wärme gespeicherte Energie. Die umweltschonende und kostengünstige Technologie wird durch den LVR erstmalig in Xanten eingesetzt – und ist als Pilotprojekt einmalig in Deutschland.
Wärme aus 100 Meter Tiefe
Matthias Retz, Geologe und Geschäftsführer des Kalkarer Bohrunternehmens Van Dornick, erklärt den LVR-Vertretern die Abläufe: „Wir bohren rund 100 Meter tief“, so Retz. „Dabei wollen wir Aufschluss über den Boden.“ Nach einem ersten Test seien die Voraussetzungen am Niederrhein gut. Der Boden aus überwiegend schluffigen, teils sandigen Ton sowie ein stetiger Grundwasserfluss seien gute Voraussetzungen.
Schließlich sollen 36 Erdsonden und zwei Wärmepumpen den Museumskomplex beheizen beziehungsweise kühlen. Und das funktioniert so: Die schwankenden Temperaturen der Jahreszeiten werden in den oberen Erdschichten kaum nachvollzogen, sondern sind nahezu konstant, am Niederrhein im Schnitt bei 11,2 Grad Celsius.
Mittels der Erdsonden – Rohrbündel von 22 Zentimetern Durchmesser und 100 Meter lang – wird die natürliche Wärme per Trägerflüssigkeit – meist Wasser – zu einer Wärmepumpe transportiert und mittels Kompression auf die gewünschte Temperatur gebracht. Nachdem die Wärme im Gebäude abgegeben ist, kondensiert der Wasserdampf und wird über eine zweite Sonde, die Injektionssonde, abgekühlt zurück in den Boden geführt – ein geschlossener Kreislauf und ein regeneratives Verfahren. Im Sommer funktioniert das auch andersrum: Zum Kühlen. Das ist im Prinzip wie beim Kühlschrank – und kommt ohne eine zweite Energiequelle auch nicht aus: Strom. Das steht der Wirtschaftlichkeit aber nicht im Weg: Wärmepumpen senken den Energieverbrauch gegenüber Ölkessel um 43 Prozent, gegenüber Gas um 30 Prozent.
Unerschöpflich und regenerativ
Erdwärme ist fast überall verfügbar und gilt als unerschöpflich. Dabei belastet sie nicht die Umwelt, die Nutzung ist emissionsfrei. „Die Preise für fossile Brennstoffe steigen immer weiter“, sagt Detlef Althoff, Leiter für Gebäude- und Liegenschaftsmanagement beim LVR. „Geothermie ist die zukunftsweisende Alternative.“ 200 000 Euro kostet der Anlagenbau. Althoff: „Das rechnet sich aufgrund der geringen Betriebskosten schnell.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




