Sonsbeck: Rathaus, Rad und Rosen
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 22.08.2009Sonsbeck (RPO). Nichtstun liegt Sonsbecks Bürgermeister Leo Giesbers nicht. "Ich bin ein unruhiger Mensch. Ich fühle mich wohler, wenn ich etwas tun kann", sagt der 58-Jährige über sich. Eine Amtszeit will er noch dranhängen.
Sich fotografieren lassen, nein, das mag er nicht. Und überall seine Wahlplakate an den Laternen! Leo Giesbers schaut als hätte er in eine Zitrone gebissen. "Aber wenn man nichts macht, meinen die Leute, man hätte es nicht nötig." Also nimmt er die Wahlwerbung hin und fügt sich nun auch der Prozedur mit unserem Fotografen, fläzt sich in seine Leseecke, lässt später seine Frau Marianne die Gartenschürze holen, um aber irgendwann, nach einer guten Viertelstunde, dann doch mit zartem Nachdruck zu fragen: "So, sind wir nun fertig?"
Dann geht's auf die Terrasse, unter die rebenbehangene Pergola. Lecker, die reifen roten Trauben. Zwischen ihnen baumeln ausgediente CDs. Giesbers' Rezept gegen hungrige Vögel. Die Silberscheiben glitzern im Sonnenlicht. "Unser Disco-Effekt", meint der 58-Jährige. Marianne Giesbers serviert Kaffee, Kuchen, Schlagsahne. Ihr Mann greift zu, blickt in den Garten. Ein Zierapfel, üppiges Grün, Bachlauf, Pergola und immer wieder Rosen. Die möge er besonders, in allen Farben.
Männerkochkurs
Mit Hausarbeit habe er es nicht so, obwohl er mal einen Männerkochkurs bei der VHS besucht habe ("Seitdem weiß er zu schätzen, wie viel Arbeit das ist", so Marianne Giesbers). Aber der Garten, das ist sein Reich, den halte er in Schuss. Man sieht es: Da ist einer, der weiß, was er tut. Klar, mit der Natur sei er ja aufgewachsen, sagt Giesbers. "Meine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb in Uedermerbruch, zwölf Hektar Pachtbetrieb, zehn Kühe, ein paar Schweine." Er wollte auch Landwirt werden, hat dies auch gelernt, später aber umgesattelt, als ihm klar wurde, dass die Landwirtschaft erst ab einer gewissen Größe Sinn macht.
Die eine noch . . .
Leo Giesbers wurde 1951 geboren. Mit 14 verließ er die Schule, um Landwirt zu werden. 1969 schulte er zum Industriekaufmann um, holte die Mittlere Reife und dann die Fachoberschulreife nach. 1975 fing er als Inspektoranwärter bei der Verwaltung in Sonsbeck an. 1995 wurde er zunächst allgemeiner Vertreter des Gemeindedirektors, ein Jahr später – bis heute – hauptamtlicher Bürgermeister. "Ich hatte Blut geleckt", sagt er.
Die anstehende Wahlperiode werde seine letzte sein, kündigt der Christdemokrat an: "Wenn sie ausläuft, bin ich vierundsechzigeinhalb. Dann wird's Zeit, aufzuhören."
Giesbers ist verheiratet mit Marianne Giesbers. Sohn Benedikt (26) hat Soziologie studiert.
In der Natur, im Ländlichen, blieb Giesbers auch als Verwaltungsbeamter verwurzelt. Ja, man dürfe ihn sogar als Landei bezeichnen. "Ist das denn etwas Schlimmes?" Aufs Land zieht es ihn zum Beispiel immer wieder abends, wenn er aus dem Büro nach Hause kommt. Dann setzt er sich oft auf sein bandscheibengefedertes Tourenrad und strampelt los. "Bis Schloss Haag, Issum und über Hamb zurück", skizziert er eine seiner Lieblingsstrecken. "Das sind so 35 Kilometer." Kein Pappenstiel für eine Feierabend-Tour. "Ich bin ein unruhiger Mensch. Ich fühle mich wohler, wenn ich etwas tun kann", sagt der Frühaufsteher, der auch am Wochenende den Wecker auf 6.30 Uhr stellt. Dann wird ausgiebig die Presse studiert. "Ohne Zeitungen kann ich gar nicht auskommen." Auch ein Sonntagsblatt hat er abonniert.
Das Rad nimmt Giesbers auch mit in den Urlaub. In diesem Jahr ging es nach Stralsund. Am liebsten würde er ja immer am Niederrhein bleiben, aber seine Frau . . . Marianne Giesbers nimmt's mit einem Lächeln. "Nach 34 Jahren Ehe, da ist kein Mann mehr anstrengend", bemerkt sie schmunzelnd. "Aber mein Mann ist eigentlich erst seit 20 Jahren verheiratet, so selten wie er zu Hause ist." Doch sie hat früher selbst in der Gemeindeverwaltung gearbeitet und weiß, dass es nicht immer ein Zuckerschlecken ist, an deren Spitze zu stehen. "Ich weiß, wovon mein Mann redet, wenn ich ihm zuhöre." Eine Ratgeberin sei sie weniger.
Teamarbeiter
Auch privat ist Giesbers oft eingespannt. Er schaut auf dem Fußballplatz vorbei, beim Tennis, ist Mitglied in einem halben Dutzend Vereine. "Mich interessiert alles, was sich in der Gemeinde tut", sagt er. Seit etlichen Jahren ist er begeisterter Karnevalist, und Schützenbruder wurde er lange, bevor er nach Sonsbeck kam. "Weil man schon als Jugendlicher bei den Festen lange aufbleiben durfte." Und wegen der Gemeinschaft natürlich. Das Miteinander gilt ihm viel, beruflich wie privat. "Mein Mann hat schon teambezogen gearbeitet, da kannte man das Wort noch gar nicht", lobt Marianne Giesbers. Ihr Leo stellt mit Bedauern fest, dass viele Neubürger sich so gar nicht ins Gemeinwesen integrieren. Auch dass es im Rat immer häufiger darum gehe, sich als diese oder jene Partei durchzusetzen, statt wie früher gemeinsam für Sonsbeck zu arbeiten, tut ihm weh. "Das Wort Opposition, das kennt man hier erst seit den letzten fünf Jahren."
"Wir in Sonsbeck" steht auf den Wahlplakaten von Leo Giesbers, die er selbst so gar nicht mag. Vielleicht kein besonders origineller Spruch. Aber einer, der zu ihm passt.
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