Xanten: Restauratoren puzzlen gern
VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 13.01.2009Xanten (RPO). „Zwischen Fußspur und Plattbodenschiff“ gibt es im im neuen RömerMuseum jede Menge zu entdecken. Unter dieser Überschrift berichteten Restauratorinnen jetzt auch über ihre spannende Tätigkeit.
Von zweitausend Jahre alten Fußspuren unter Glas bis zum „schwebenden“ Schiff – das LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten hat eine ganze Reihe spektakulärer Ausstellungsstücke zu bieten. Doch welcher konservatorische und technische Aufwand hinter solchen „Sonderformaten“ steckt, ist den wenigsten bewusst. Bei ihrer Führung „Zwischen Fußspur und Plattbodenschiff“ ermöglichten die Restauratorinnen Petra Becker und Christine Lincke anhand ausgesuchter Ausstellungsobjekte spannende Einblicke in ihre Arbeit.
Ein Schiff aus 600 Einzelteilen
Führungen
Die nächste Sonntagsführung im LVR-RömerMuseum findet am 1. Februar um 11 Uhr statt. Der Archäologe Dr. Norbert Zieling berichtet vom Leben der Germanen am Niederrhein vor der Ankunft der römischen Legionen. Bis Ende des Jahres wird jeden Monat ein anderer Bereich vorgestellt.
Den ersten Stopp legte Petra Becker am römischen Lastkahn ein. Das „Wardter Schiff“ wurde aus 600 originalen Einzelteilen zusammengesetzt, nachdem die Fundstücke in einem langwierigen Prozess konserviert worden waren. Die Restauratorin erläuterte verschiedene Methoden der Konservierung und gab den Besuchern echte römische Hölzer in die Hand.
Ein wahrer Kraftakt war die Blockbergung einer Kochstelle. „Bis die Sachen hübsch in der Vitrine stehen, gibt es eine Menge Drecksarbeit“, meinte Becker. Als zwei Tonnen schwerer Erdblock aus dem Boden gefräst musste die Kochstelle mit Hilfe eines Autokrans gehoben, gewendet und auf ein „handliches“ Format zurechtgestutzt werden. Nicht immer ist bei solchen Aktionen der glückliche Ausgang gewiss. „Ich habe gezittert. Das war der spannendste Moment in meiner Laufbahn“, so Becker über die Aktion. Der enorme Aufwand hat sich gelohnt. „Man hätte auch etwas inszenieren können, doch ein Original hat einfach mehr Charme“, so die Restauratorin.
Aus 400 Fundkisten mit Fragmenten eine riesige Wandmalerei zusammen zu puzzeln, war vor allem ein zeitaufwendiges Projekt. Letztlich beschränkte man sich darauf, nur einen Teil der „Adler-Giganten-Wand“ zu rekonstruieren und größere Zwischenflächen zu ergänzen. Auch für den Fall, dass künftig Zeit und Geld zum Weiterpuzzeln zur Verfügung stehen, haben die Restauratoren vorgesorgt: Jedes Einzelteil lässt sich leicht wieder aus der Wand herauslösen.
Die schweren Steinblöcke
Das Gewicht der Objekte spielte beim Bau des Museums mit seinen frei im Raum abgehängten Rampen eine wichtige Rolle. Dass nicht jeder tonnenschwere Steinblock im Original ausgestellt werden kann, liegt auf der Hand. Christine Lincke demonstrierte, wie die Kopie eines „Werksteins“ aus Epoxidharz hergestellt wurde. Ein ähnliches Prinzip kam bei der Abformung des fast 30 Quadratmeter großen „Spurenhorizontes“ zum Tragen.
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