Xanten: Siegfried-Vorfilm geht nach Worms
VON THEO RODERMOND - zuletzt aktualisiert: 12.05.2012Xanten (RP). "Als Xanten noch ein Kino hatte", leitete der scheidende Geburtshelfer und Nibelungen-Wissenschaftler Dr. Ralf Trost einen durchaus attraktiven Filmabend im Siegfried Museum ein, den er für sich als "das letzte Mal, dass ich hier Kino mache", bezeichnete.
Ohne den Blick zurück im Zorn, ließ der Historiker knapp 30 Nibelungen-Fans mit Unterstützung des Hobby-Filmers Wolfgang Wilhelmi im Zeitraffer-Stil und überaus spektakulär in das seit Jahrhunderten faszinierende Epos eintauchen.
Der als "Vorfilm" von 25 Minuten Länge eingesetzte Streifen, der nach Trosts Worten demnächst auch in Worms zu sehen sein wird, könne in dieser Funktion an Zeiten erinnern, "als Xanten noch ein Kino hatte", die "Siegfried-Lichtspiele" nämlich. Dabei war schon der Einstieg in den Mythos von tapferen Männern, die Geschichte von Helden und Gescheiterten, Legende und Wirklichkeit eng an die Siegfried-, sprich Nibelungen-Sage, angelehnt: Wabernde Nebel über plätscherndem Wasser des Rheines, krächzende Rabenvögel, Hufgeklapper konnten sicher manche Fantasie genau so beflügeln wie die Sage selbst.
Imposante Verbindung
Der Wechsel zwischen dem immer wieder eingestreuten virtuellen Gang durch das Siegfried-Museum mit verschiedenen Lichteffekten, szenarisch-dramatisch, sanft und verspielt, garniert mit herrlich bunten Kolorationen, dem Blick von unten auf die mächtigen Türme der Stiftkirche St. Viktor – eine imposante Verbindung von Mythos und Sage – von Historie und Moderne.
Bunt bis bedrohlich huschen Bild-Fragmente der Sage über die Leinwand, tastet sich eine gespreizte Hand über raues Burggemäuer, lässt den Zuschauer bei schrillen Akustik-Einspielern erschauern, um danach wieder mit schöngeistigem Bildgut zu versöhnen. Dass Richard Wagner immerhin 30 Jahre an dem Drama "Der Ring der Nibelungen" gearbeitet habe, könne auch die Bedeutung der über Handschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert geborenen Sage unterstreichen, hoben die Filmemacher ebenso hervor wie den Missbrauch der Sage durch Kommunisten und Nationalisten. So wurde die im zweiten Weltkrieg völlig zerstörte "Siegfried"-Stadt Xanten erschaudernd wach gerufen, vor dem Elend flüchtende Menschen und dunkel gähnende Fensterhöhlen..
Versöhnlicher Abschluss
Die hell, bunt, freundlich daher kommende heutige Stadt bildet den versöhnlichen Abschluss einer facettenreichen, sehenswerten Kurzfilm-Reise.
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