Xanten: Turbulenter Tanz
VON UDO SPELLEKEN - zuletzt aktualisiert: 25.08.2007Xanten (RPO). Mit dem Musical „Les Miserables“ – Die Elenden – von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Libretto) erlebten die Zuhörer bei den 25. Sommerfestspielen eine spannungsgeladene, gefühlsträchtige Premiere.
Die packende Geschichte des Strafgefangenen Jean Valjean durch alle Schichten der Gesellschaft ist in unserer noch immer nicht brüderlichen Welt aktuell wie zu Zeiten Victor Hugos, der in seinem sozial engagierten Roman dessen Lebensgeschichte und die Pariser Barrikadenkämpfe des Jahres 1832 beschreibt. Mit dem Musical „Les Miserables“ (Die Elenden) von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Libretto) erlebten die Zuhörer bei den 25. Sommerfestspielen eine spannungsgeladene, gefühlsträchtige Premiere.
Spannend allein schon deshalb, weil bei den ersten Tönen des Prologs die ersten Regentropfen fielen und sich südlich der Stadt ein gewaltiges Gewitter zusammenbraute. Nach anfänglicher Unruhe im Publikum beim Anziehen der Regenbekleidung wurde jedoch durch die farbenreichen Melodien und die symbolstarken Motive von Liebe und Herzlosigkeit, Verbrechen und Gerechtigkeit, Pomp und Pathos, Kampf und Tod eine phantastische Atmosphäre für das Geschehen geschaffen.
Noch Karten für heute
Für die Vorstellung des Musicals „Les Miserables“ heute Abend sind an der Abendkasse noch Karten erhältlich.
Zum Abschluss der 25. Sommerfestspiele wird Weltstartenor José Carreras in einem Konzert in der Arena seine schönsten Lieder und Arien singen.
Informationen unter: www.sommerfestspiele.de
Es blieb trocken
Das Gewitter zog in der Ferne vorbei, es blieb trocken und die Musik, mal marschierend, mal schweigend sentimental ließ große Gefühle aufkommen. Auch auf der Bühne agierte ein begeistertes, begeisterndes Ensemble. Ian Jon Bourg (Tenor) wuchs stimmlich brillant hinein in die Figur des Valjean, der vom Sträfling aufsteigt zum Bürgermeister und dafür sorgt, dass seine Ziehtochter Cosette glücklich wird. Er zog auch gesanglich das Geschehen an sich, zeigte, wie innere Größe alle Wut besiegen kann. Sein durchschlagskräftiges Forte, sein feines Piano, das schlicht und ergreifend vorgetragene „Bring ihn heim“, war ein Highlight des Abends. Sein Gegenspieler, der tyrannische Polizeiinspektor Javert (Nils-Holger Bock) war ebenso stark wie kompetent im musikalischen Ausdruck zu hören. Aus der Masse der Mitwirkenden gewannen an diesem Abend vor allem Fantine (Stephanie Wettich), Cosette (Elin Abelin) und die klar artikulierten Kinderstimmen die Herzen, wenn sie die leidenschaftliche Liebe oder die Verzweiflung dramatisierten. Auch die empfindsame, aristokratische Rolle des Marius war mit Alen Hodzovic authentisch besetzt. „Les Misérables“ ist ein tragisches Werk nicht ohne einen Schimmer Hoffnung. Dass es auch derben Witz in diesem Musical gibt, dafür sorgte das verschlagene, verkommene Ehepaar Thénadier, das Sissy Staudinger und Werner Bauer bestens in Szene setzen.
Huren und Freier
Studenten und Sträflinge, Huren und Freier, Bettler und alle Akteure fanden sich mit dem ergreifenden Abschlusschor im „Lied des Volkes“ zusammen und wurden bejubelt.
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