Xanten: Wenn der Lanz powert
VON RICHARD LUCAS-THOMAS - zuletzt aktualisiert: 19.10.2009Xanten (RPO). Ohne Traktor ist die beste Kartoffelkirmes nichts: 45 Oldtimer fuhren gestern auf der Xantener Karthaus am Kleinen Markt auf. Und sie sahen aus wie neu. Rainer Theunissen stellte jeden mit seinen interessanten Details vor.
Männersachen: Ein Sound, der tief von ganz unten aus den 10-Liter-Hubraum-Motoren kommt. Satt, kraftvoll, souverän. Nicht so nervös hechelnd wie die Alfas auf der Düsseldorfer Kö, doch mindestens ebenso gepflegt und poliert wie die großstädtischen Statussymbole. Die kultigen Arbeitsmaschinen mit den klaren Namen wie Deutz, Lanz, Hanomag und Unimog versehen zum Teil heute noch ihren Dienst im Forst oder auf dem Acker. Die Stars unter ihnen bleiben die Modelle "Lanz Bulldog", die auch noch als Lizenznachbau aus alten DDR-Zeiten unter dem Namen "Ursus" ihren Sound behalten haben. Gut, dafür verfinstert sich der Himmel, wenn sie aus ihren Schornsteinen (Auspuff wäre eine total falsche Bezeichnung) den Qualm verbrannten Diesels paffen.
Clubs am Start
Schmiedemeister Josef Seelen aus Sonsbeck war mit 84 Jahren der älteste Teilnehmer an der Treckerschau in Xanten. Er präsentierte seinen kleinen Deutz.
Um die Restaurierung von Traktoren der Marken Lanz und Hanomag haben sich inzwischen Clubs von Bastler gebildet. Ein zehnköpfiges Team kam gestern aus Appeldorn nach Xanten.
Auf die Schnickers-Dampfmaschine wurde in diesem Jahr verzichtet. "Kein Platz, damit wäre die Karthaus zu", kommentierte Rainer Theunissen. In diesem Jahr wurde "nur Nachkriegsware" gezeigt. Denn wegen der Baustelle auf dem Großen Markt rückte die Xantener Kartoffelkirmes (ohne Karussell) auf dem Kleinen Markt und der Karthaus zusammen.
Dafür entlockte Stahlbauer Theunissen den Männern an den Lenkrädern und wuchtigen Schalthebeln prägnante Erklärungen: Ein Lanz wurde 1952 in Deutschland gebaut und 2006 aus Argentinien zurück geholt. "Ebay" machte es möglich. Ein Hanomag hatte nie den Acker gesehen, dafür schleppte er Militärflugzeuge in Ramstein übers Flugfeld. Und der leise surrende Unimog, der seinen Richtungswechsel so apart mit beleuchtetem Winker anzeigt, ist heute noch unschlagbar im Wald – "weil er alles kann und hat, was man im Forst braucht".
Auch wenn die klangvollen Namen von früher heute von Hightec -Gerät verdrängt sind, so gibt es doch keine Ersatzteilprobleme. Rainer Theunissen: "Der Treckermarkt ist wieder im Aufwind, weil sich viele Zulieferer auf die Oldtimer auch mit die Originalpressformen spezialisiert haben."
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