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Xanten: Wo Lehmhäuser entstehen

VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 06.08.2007

Xanten (RPO). Wie haben eigentlich die einfachen Bürger der Colonia Ulpia Trajana gewohnt? Dieser Frage ging Architekt Dr. Peter Kienzle bei der Sonntagsführung nach. Drei Gebäude sind in der Mache, weitere sollen folgen.

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Knochenschnitzer

Auch ein Schuster und ein Knochenschnitzer ließen sich im APX bei der Arbeit zusehen. Bei der Live-Grabung nahe dem Spielehaus war das gesamte Grabungsteam im Einsatz.

Die Vorführung der römischen Frisuren fiel wegen Erkrankung aus.

Ob Herberge, Hafentempel oder Amphitheater – bei den bekannten Rekonstruktionen im Archäologischen Park handelt es sich um offizielle Gebäude. Doch wie haben eigentlich die einfachen Bürger der Colonia Ulpia Trajana gewohnt? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Peter Kienzle schon lange. Der Architekt ist im APX für die Bauforschung und Bauunterhaltung zuständig. Im Rahmen einer Führung berichtete Kienzle jetzt über das jüngste Bauprojekt im Park: Seit Mai entsteht nahe der Herberge ein Handwerkerhaus aus Lehm.

In naher Zukunft sollen drei solcher Gebäude errichtet werden. Fernziel ist die Rekonstruktion eines ganzen Straßenzuges, der die räumliche Situation in der römischen Stadt anschaulich macht. Wenn man jetzt über die weiten Rasenflächen blickt, kann man sich die ehemalig dichte Bebauung nur schwer vorstellen. Die Fundamente sind aber im Boden vorhanden.

Was vor Ort zur Verfügung stand

Die Wohnhäuser wurden damals in der Regel nicht aus Stein errichtet. „Der Staat als Bauherr konnte es sich leisten, Baumaterial über den Rhein hierher transportieren zu lassen. Die normale Bevölkerung hat das genommen, was vor Ort zur Verfügung stand“, erklärte Dr. Kienzle den etwa 50 Besuchern, die an der Führung teilnahmen. Baumaterialien, die es am Niederrhein in Fülle gab, waren Sand, Kies, Lehm und Holz. Bis zur Rekonstruktion der Häuser war es für die Archäologen ein weiter Weg, denn wie genau die Römer mit Lehm bauten, darüber gibt es keine Quellen. „Versuch und Irrtum“ lautete darum das Motto für die Forscher. Dr. Kienzle erläuterte anhand der „Probewand“, mit welchen Schwierigkeiten die Archäologen anfangs zu kämpfen hatten. Stimmte die Lehmmischung nicht, wurde das Material vom Wind abgetragen. Aufgrund des zu niedrigen Sockels aus Bruchziegeln drang von unten Feuchtigkeit in die Wand ein. „Aus diesem Probebau haben wir eine Menge Erkenntnisse gewonnen“, betonte Dr. Kienzle. Obwohl Lehmbauten bis ins 19. Jahrhundert hinein in Deutschland gebräuchlich waren, weiß man nur wenig über diese Bauweise. „Das Wissen wurde vom Vater zum Sohn und vom Meister zum Gesellen weitergegeben“, erklärte der Architekt.

In Vergessenheit geraten

Inzwischen ist es weitgehend in Vergessenheit geraten. Zum Bauprojekt im APX steuerten viele Experten ihr Wissen bei. Dr. Kienzle führte die Besucher über die Baustelle von „Haus A“. Abgesehen von Stahlgerüsten für die Arbeiter und einem Pressluftstampfer zur Lehmverdichtung kommen hier keine modernen Hilfsmittel zum Einsatz. Sogar die Holzbalken werden nicht gesägt, sondern mit dem Beil bearbeitet. Der Lehm, der mit acht Prozent Feuchtigkeit ideal ist, wird aus Bielefeld angeliefert. Für die archäologische Forschung ist das Xantener Projekt einzigartig.

Quelle: RP

 
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