Xanten: Xanten ist volljährig
VON HEINZ KÜHNEN - zuletzt aktualisiert: 05.01.2010Xanten (RPO). Mit einem Festakt wurde gestern im Rathaus Xantens "Erwachsenwerden" gefeiert. Die neue "mittlere kreisangehörige Stadt" übernimmt zahlreiche Aufgaben vom Kreis.
Es war wie im Familienleben. Da wird jemand erwachsen, und alle Freunde und Verwandte gratulieren. Die gesamte Spitze des Kreises mit Landrat Dr. Ansgar Müller, seinen Stellvertreter Ralf Berensmeier und Dezernent Hans-Joachim Berg war gestern ins Xantener Rathaus gekommen, um die Stadt in größere Unabhängigkeit zu entlassen. Xanten ist seit Jahresbeginn mittlere kreisangehörige Stadt, hat damit eben vom Kreis auch gewisse Aufgaben übernommen – die der unteren Bauaufsicht, der sozialen Wohnungsraumförderung , der Verkehrslenkung und der Rechnungsprüfung (die Rheinische Post berichtete). Der "18. Geburtstag", so Bürgermeister Christian Strunk, wurde bei Sekt und Salzstangen begangen. Schnittchen, so Strunk, habe man sich "angesichts der schwierigen Finanzlage" erspart.
Kurze Wege
Für Bauwillige brechen in Xanten Zeiten der kurzen Wege an.
Hatte der Kreis früher über jeden Antrag zu entscheiden und die Stadt lediglich ihr Einverständnis zu erklären (oder nicht), so entfällt der Weg nach Wesel. Jetzt gibt es die Genehmigungen in den Büros unterm Dach im Xantener Rathaus-Neubau.
Ein eigenes Jugendamt will die Stadt (vorerst) nicht einrichten.
Vor zahlreichen Gästen wie zum Beispiel den Bürgermeistern der umliegenden Kommunen, der Landtagsabgeordneten Marie-Luise Fasse, Vertreter der örtlichen Wirtschaft, der Kirchen und des Rates, lobte Dr. Ansgar Müller den "bemerkenswerten Kurs", den die Stadt, der bereits im Jahr 1228 die Stadtrechte verliehen worden waren, in den vergangenen Jahr eingeschlagen habe – mit dem Römermuseum und dem neuen Hafen Xanten an jüngster der Spitze. Die "sehr positive Entwicklung" habe den Kreis auch bewogen, keine Einwände gegen den Antrag der Stadt zu erheben, ihr mehr Rechte zukommen zu lassen.
Eine funktionierende Verwaltung
Die Entscheidung könnte allerdings überraschen, so Müller launig, da die Inanspruchnahme der Kommunalaufsicht aus Xanten überdurchschnittlich sei. Immerhin ist eine funktionierende Verwaltung eine der Voraussetzungen für die Übertragung weiterer Aufgaben. Vor größerer Verantwortung habe die Stadt allerdings keine Angst, betonte Christian Strunk, der daran erinnerte, dass sich Xantens Politiker schon vor mehr als 20 Jahren eben aus diesem Grund um mehr Baugebiete bemüht hatten. Das war früher erst bei einer Stadtgröße von 25 000 Einwohnern möglich. Das Land hat den Richtwert aber inzwischen auf 20 000 gesenkt. "Und am Tag nach Inkrafttreten des Gesetzes haben wir den entsprechenden Antrag gestellt, erklärte Strunk. Xanten zählt gut 22 500 Einwohner. Und da stehe es der Stadt tatsächlich gut an, wenn zum Beispiel beim Bauen alle Entscheidungen bis hin zum Brandschutz und zur Eintragung von Baulasten unter ihrem eigenen Rathausdach gefällt werden können. Allein 15 000 Akten (Müller: "125 laufende Meter") mussten dafür von Wesel nach Xanten transportiert und neue Mitarbeiter geschult werden.
Gleichwohl weiß auch Strunk, dass es am Anfang noch etwas "knirschen" kann. Müller bot dafür die Hilfe des Kreises an und zitierte die Bibel. Er wisse sehr wohl, "dass unter den Übermütigen immer Streit" ist; aber, so heiße es im Buch der Sprüche weiter, Weisheit sei bei denen, die sich raten lassen.
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