Xanten: Zwischen Mord und Muse
VON SUSANNE RÖHR - zuletzt aktualisiert: 01.09.2006Xanten (RPO). Dinner-Shows sind in. Mit „Mord im Moulin Rouge“ feierte gestern ein Stück in Xanten Vorpremiere, das außergewöhnlich für seine Art ist. Musical, Varieté und klassische Kriminalelemente kreieren ein heißes Menü.
Als die dralle Madame Tütü mit ihrem tiefen Dekolleté – ein Superweib, keine Frage – den Raum betritt und ihre Hüften beschwingt durch die Zuschauerreihen kreisen lässt, hat sie das Publikum vom ersten Moment an in ihrem Bann. Der Blick kann gar nicht von Madame Tütü weichen, wenn sie lasziv ins Mikrofon haucht: „Bienvenue au Moulin Rouge.“
Bei der Vorpremiere zur neuen Dinner-Show „Mord im Moulin Rouge“ sind die 70 Plätze bis auf den letzten gefüllt. Im Hotel van Bebber in Xanten testet die Musical-Varieté-Show der Walk-Act-Company (WAC) aus Bochum ihr Hit-Potential.
Aufführungen
Die nächste Vorpremiere von „Mord im Moulin Rouge“ ist am Samstag, 16. September, im Hotel van Bebber in Xanten.
Karten gibt es für 63 Euro inkl. 4-Gänge-Menü unter 02361 / 9062783.
Die Walk Act Company tourt mit dem Stück durch ganz Nordrhein-Westfalen. Alle Termine unter: www.tatort-dinner.de.
Und das scheint groß. Nach dem Erfolgsstück „Lord Moad lässt bitten“, das ebenfalls in Xanten aufgeführt wurde, ist die WAC mit einem gewagteren Stück zurück. Das können sich die Regisseure Andreas Zigann und Uwe Schmidt durchaus erlauben.
Dinner-Shows auf Erfolgswelle
Denn Dinner-Shows erfahren gerade einen Hype. Die Mischung aus Vier-Gänge-Menü und Unterhaltung kommt an. „Wir verzichten auf Bühnen, die Darsteller agieren mitten im Publikum,“ sagt Schmidt. Dadurch seien Barrieren zwischen Akteur und Zuschauer aufgehoben, Interaktivität ist möglich. „Und dieses Mal gern auch ein bisschen frivol,“ so Schmidt, der zusammen mit Zigann auf das Thema Moulin Rouge auch deshalb setzt, weil es aufgrund seiner dezenten Provokation das Publikum besonders herausfordert.
Die Idee funktioniert in der Praxis: Als die jungen Varieté-Tänzerinnen in Netzstrümpfen und mit Strumpfbändern, die Röcke weit entfernt vom Knie, die männlichen Zuschauer umkreisen, da rutscht die ein oder andere Ehefrau schon mal nervös auf dem Stuhl herum.
Immer neue Überraschungen
Grund zur Sorge besteht natürlich nicht, und die unbeschwerte Stimmung schlägt auch schnell um, als ein Mord passiert.
An dieser Stelle begibt sich die Dinner-Show wieder in die traditionellen Bahnen ihrer Art: Ursprünglich begleiteten klassische Kriminalfälle die Mahlzeit. So darf ein Mord auch nicht im Moulin Rouge fehlen. Mit Hilfe des Publikums wird dieser aufgeklärt. Wer mit wem und warum von den sechs Darstellern, das wird nicht verraten. Die Zuschauer überwinden schnell anfängliche Hemmungen, werden zunehmend lockerer. Sie singen mit, sie klatschen, sie werfen Kommentare in den Raum. Die Akteure reagieren darauf. „So ist jede Show anders“, erzählt Schmidt. „Wir überleben immer wieder Überraschungen.“
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