Römertradition im Schatten des Doms
VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 22.08.2006 - 14:09Xanten ist einzigartig - und beileibe nicht nur, weil die Stadt im Telefonbuch mutterseelenallein unter dem Eintrag "X" rangiert. Xanten - das ist die Römer, Dom- und Siegfriedstadt am Niederrhein, seit 1988 "staatlich anerkanner Erholungsort" mit einem vielseitigen Angebot für Erholungssuchende; mit einem breit gefächerten Gastronomie- und Übernachtungsangebot, mit einer nagelneuen Jugendherberge. Mit einem quicklebendigen Vereinsleben.
In Xanten verknüpfen sich römische Vergangenheit, kirchliche Größe, niederrheinische Tradition und kulturelles Profil in einem bemerkenswerten Netzwerk. Die Historie der Stadt - ein Leckerbissen für jeden Geschichtsfreund. Um 5500 vor Christus siedelten sich hier die ersten neolithischen Stämme an. Die Wälder boten Wild, Feuerholz und schützendes Dickicht. Die beiden heimischen Flüsse, später Rhein und Lippe genannt, konnten als Wasser-Wege genutzt werden. Auch die Römer erkannten die hervorragende Lage und gründeten 12 vor Christus das erste Militärlager, Vetera Castra I. Auf dem Fürstenberg, wo es wegen seiner Hügellage nur schwer eingenommen werden konnte. 8000 bis 10000 Soldaten wohnten in Bauten aus Holz und Erde. Germanischen Stämmen gelang es im Jahre 70, dieses Lager zuzerstören. Das zweite römische Soldatenlager, Vetera II, wurde an einer anderen Stelle gebaut. 98 verlieh der römische Kaiser Traian die Stadtrechte.
In den Jahren 362 und 363 ließ der römische Herrscher Julian die Anhänger des christlichen Glaubens im gesamten römischen Reich verfolgen und töten. Der Legende nach wurde der römische Hauptmann Viktor mit seinen Gefährten in Birten bei Xanten ermordet. Schon bald pilgerten gläubige Christen zu der Stelle, wo sich möglicherweise sein Grab befand. An diesem Ort wurde später der Dom St. Viktor gebaut. Als im frühen fünften Jahrhundert das römische Reich zerbrach, als die Germanen-Überfälle zunahmen, wurde die CUT von den Siedlern aufgegeben. Die verfallenden Gebäude wurden als Steinbruch für Neubauten genutzt, Angehörige des Stammes der Franken ließen sich in der Gegend um Xanten nieder. 590 wurde eine religiöse Gemeinschaft, ein Stift, gegründet und "ad sanctos" genannt, "zu den Heiligen" - eine Bezeichnung, aus der sich der Name Xanten entwickelte. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich Xanten zum bedeutenden Marktort; 1228 verlieh der Kölner Erzbischof dem Ort das Stadtrecht. 1263 ein weiterer Meilenstein: die Grundsteinlegung für den Bau des gotischen Domes St. Viktor. Xanten entwickelt sich zur wohlhabenden Stadt - wird 1535 aber von der Schifffahrt abgeschnitten, als der Rhein seinen Lauf ändert. Die Stadt verarmt, fällt in einen Dornröschenschlaf. Bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wird der Dom fast völlig zerstört, auch die Altstadt wird schwer getroffen. Dier anschließende Wiederaufbau wird behutsam durchgeführt, der Charakter der Stadt bewahrt. Beim Rundgang durch Xanten vorbei an vielen historischen Gebäuden wie Viktor-Dom und Kriemhildmühle, Klever Tor und Gotischem Haus, Pesthäuschen und Obelisk wird die lange Geschichte erlebbar. Xanten wächst - die umliegenden Orte Birten, Lüttingen, Marienbaum, Obermörmter, Vynen und Wardt werden 1969 einbezogen und entwickeln sich fortan gemeinsam.
Die Landwirtschaft bleibt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Stadt, die in das Grün des Niederrheins eingebettet ist und die mit dem Birtener Altrhein das Natur-Postkartenmotiv der Region schlechthin zu bieten hat. Einige mittelständische, vor allem aber Kleingewerbe und Handwerksbetriebe siedeln sich in den Gewerbegebieten an und sorgen für Arbeitsplätze in der Stadt, in der heute über 22.000 Menschen leben. 1977 bekommt eine Vision Konturen: der Archäologische Park auf Teilen der CUT wird eröffnet. Die dort tätigen Altertumsforscher haben sich zum Ziel gesetzt, die archäologische Arbeit sichtbar und verständlich zu machen. Längst ist der Park auch Veranstaltungsort geworden beim Römerfest "Schwerter, Brot und Spiele" beispielsweise oder bei den großen Sommerfestspielen, die längst tausende Stammgäste in das Amphitheater locken. Ab 1982 sorgen die ersten Teilbereiche das Freizeitzentrum für einen weiteren Impuls - hier dreht sich alles um den Wassersport: um Angeln und Boot fahren, um Floßfahrten, Sauna, Segeln, Strandbad, Tauchen, Wasserski. Sogar ein kleiner Dampfer schippert über die "Nordsee" - geradezu symbolhaft für die "weiße Industrie", für Tourismus und Freizeit, auf den Xanten neben seiner Position als attraktives Einkaufsziel mit vielen individuellen, inhabergeführten Geschäften setzt.

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