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Kreis Heinsberg: Entsetzen über Triebverbrecher

VON DÉSIRÉE LINDE, ULRIKE WINTER UND STEFAN CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 03.03.2009 - 22:15

Die Unruhe im Kreis Heinsberg wächst. Dienstag am frühen Abend versammelten sich 20 bis 25 Personen aus dem Ort in der Straße, in die der Sexualstraftäter Karl D. gezogen ist. „Raus hier!” und ähnliche Rufe ertönten, berichtete die Polizei, die zwischen Demonstranten und Wohnhaus eine Art Sicherheitslinie gezogen hatte. Die Hausbewohner ließen sich nicht blicken, nach 45 Minuten zogen die Demonstranten ab.

 Foto: Laaser
Foto: Laaser

Eltern berichteten am Dienstag, dass schon vor Monaten in einem städtischen Amt durchgesickert sei, dass D. im Kreisgebiet wohnen werde. Andere ergänzten, der Straftäter sei zur Familie seines Bruders gezogen. Der sei verheiratet und habe einen neunjährigen Sohn. „Das sind Außenseiter”, sagt Renate Horsten, Mutter zweier Mädchen.

Mittlerweile hat Landrat Stephan Pusch (CDU) den Zuzug bestätigt ­ mit einer Pressemitteilung über die Polizeibehörde. Ein ungewöhnlicher Vorgang, schließlich wird der Aufenthalt von Ex-Straftätern sonst nicht öffentlich gemacht. „Aber die ersten Kamerateams waren schon am Sonntag da, der Betroffene wäre ohnehin zur öffentlichen Person geworden”, sagte Pusch am Dienstag. Er habe sich gezwungen gesehen, die Bürger selbst zu informieren ­ „so sachlich wie möglich”.

Christina Schönen ist eine der Anwohnerinnen, die den mehrfach wegen Vergewaltigung verurteilten D. nicht in ihrer Nachbarschaft sehen möchten. Tochter und Sohn, so betont sie, bringe sie inzwischen nur noch selbst in den Kindergarten: „Wenn es nach mir ginge, müsste man von dem überall Fotos aufhängen.”

Landrat Pusch versucht derweil, die Anwohner zu beruhigen. Zur Aufklärungsarbeit der Polizei gehörten nicht nur die Beratung und Betreuung der Eltern, die sich zurzeit verstärkt an die Beamten wendeten, sondern auch die Bewachung des Straftäters. Details wollte Pusch nicht nennen, doch standen auch am Dienstagabend noch zwei Streifenwagen vor dem Haus. Auf Dauer, so Pusch, werde das „die Einsatzmöglichkeiten einer kleinen Kreispolizeibehörde natürlich stark strapazieren”. Langfristig hofft der Vater zweier neun- und zwölfjähriger Kinder darauf, dass D. doch noch in Sicherungsverwahrung genommen wird.

Klemens Watermeyer ist Leiter der örtlichen Grundschule. Gestern tagten er und seine Kollegen und verfassten einen Brief an alle Eltern. „Wir müssen unsere Kinder so gut wie möglich schützen”, sagte er. Die Lehrer hätten den Schülern gestern mitgeteilt, dass „hier jemand wohnt, den viele als gefährlich einschätzen”, berichtete Watermeyer. An der Schule will er jetzt Paniktüren einbauen lassen, so dass man zwar von innen heraus, aber kein Unbefugter ins Schulgebäude gelangen kann.


 
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