Erkelenz: Altweiber: Stadt legt Regeln fest
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 01.02.2012Erkelenz (RP). Ein Glasverbot auf dem Johannismarkt gehört zu den Maßnahmen, die Erkelenz für Altweiber beschlossen hat. Auch Hausbesuche bei Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden, gehören dazu.
26 Mitarbeiter bietet die Stadt Erkelenz auf, um Altweiber das Glasverbot auf dem Johannismarkt zu überwachen – 15 Stunden lang, von 8 bis 23 Uhr. "Wir können die chaotischen und unhaltbaren Zustände auf dem Johannismarkt an diesem Tag nicht länger hinnehmen", erläuterte Dr. Hans-Heiner Gotzen in einem Gespräch vor der Presse. So habe sich im vergangenen Jahr die Zahl der Jugendlichen, die Altweiber mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, gegenüber den Vorjahren auf 24 Fälle verdoppelt. Gotzen: "Das ist ein mehr als deutliches Warnzeichen."
Vor rund zwei Monaten hatte der Sozialausschuss der Stadt Erkelenz grundsätzlich das Glasverbot beschlossen – nach einem eingerufenen Runden Tisch, der sich aus Vertretern von Stadt, Schulen, Polizei und Gesundheitsamt zusammensetzte (die RP berichtete).
Rund ums Glasverbot
Eingänge Die vier Kontrollpunkte werden an den vier Straßen eingerichtet, die zum Johannismarkt führen – also an Burg-, Brück-, Kirch- und Gasthausstraße. Der fünfte Zugang zum Johannismarkt, das den Johannismarkt mit dem Pangel verbindende Gässchen, wird verbarrikadiert.
Kosten Die Stadt Erkelenz kostet die Umsetzung des Glasverbots rund 4000 Euro.
Schulschluss um 12.45 Uhr
Mit dem Glasverbot gehen weitere Maßnahmen einher. So wird an allen weiterführenden Schulen an diesem Tag der Unterricht nach der sechsten Stunde um 12.45 Uhr geschlossen, damit die Schulbusse alle Schüler im unmittelbaren Anschluss nach Hause transportieren – der Linienbusverkehr wird an diesem Tag stark eingeschränkt. Mensabetrieb und Betreuung am Nachmittag entfallen.
Um die Eltern der Kinder und Jugendlichen stärker in die Verantwortung zu nehmen, verschicken alle weiterführenden Schulen Elternbriefe, in denen auf die Problematik des Alkoholkonsums und die damit verbundene Reaktion der Schule hingewiesen wird. "Die Eltern werden gebeten, diesen Brief gegenzuzeichnen und Altweiber auch die Schultaschen ihrer Kinder zu kontrollieren", sagte Gotzen.
Zwischen 11.30 und 13.30 Uhr kommen auf dem Johannismarkt auch wieder die "Promille-Scouts" zum Einsatz, eigens geschulte Studenten der Sozialpädagogik, die die Jugendlichen nach ihrem Alkoholkonsum befragen. Und mit dem Erkelenzer Krankenhaus hat die Stadt die Vereinbarung getroffen, dass ihr alle an diesem Tag mit einer Alkoholvergiftung eingelieferten Jugendliche gemeldet werden. "Sozialarbeiter werden diese Familien im Anschluss besuchen", kündigte Gotzen an.
Zudem werden Supermärkte, Gaststätten, Kioske, Tankstellen und weitere Verkaufsstellen von Alkohol an ihre wichtige Funktion bei der Umsetzung des Jugendschutzes erinnert. Nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser" werden die Städte Erkelenz, Wegberg, Hückelhoven und Heinsberg verdeckte Testkäufe mit Minderjährigen durchführen. Zurzeit erarbeiten diese Städte mit dem Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizei dazu ein grundlegendes Konzept, das nach einer Testphase kreisweit ausgedehnt werden soll.
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