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Erkelenz: Anwalt: "Zehn Jahre minus x"

VON DANIELA GIESS - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009

Erkelenz (RPO). Dr. Gerhard Zipfel ist der Anwalt des mutmaßlichen Friedhofsmörders von Schaufenberg. Der Jurist rechnet mit einer hohen Straße für seinen 16-jährigen Mandanten. Die Haftstrafe sieht er als Chance für ein neues Leben.

Rechtsanwalt Gerhard Zipfel aus Erkelenz. Foto: RPO

Er paukt gerne Mathe und Physik, macht Krafttraining im Fitnessraum. Blaue Augen, blonde Haare. Ein Junge, 16 Jahre alt, wie viele andere auch. Es ist Manuel P., der mutmaßliche Friedhofsmörder von Schaufenberg.

Gründonnerstag soll er Ewald F. (54) erstochen haben, um in den Besitz seines Autos zu kommen. Mit seinem jüngeren Bruder (15) und zwei 15 und 16 Jahre alten Mädchen wollte er mit dem silbernen Golf des Millichers bis Spanien durchbrausen. Um im sonnigen Süden ein neues Leben anzufangen. Eine Tat, die die gesamte Region tief erschütterte.

Jetzt spricht sein Anwalt. Dr. Gerhard Zipfel geht davon aus, dass sein junger Mandant mit einer harten Strafe „an der oberen Grenze nach dem Jugendstrafrecht“ – maximal zehn Jahre – zu rechnen hat. „Ich habe ihm gesagt ,Manuel, wir beide können vor Gericht keinen Blumenpott gewinnen’“, sagt der Jurist, der in einer Erkelenzer Kanzlei tätig ist. Seine Prognose: „Zehn Jahre minus x, wobei x zurzeit relativ klein ist.“ Eine Chance sieht er für Manuel P., wenn dieser die langjährige Haftstrafe verbüßt. Die Hauptverhandlung nennt der Pflichtverteidiger den „Anfang eines neuen Lebens“.

Info

Prozess geht weiter

Fortgesetzt wird der nicht-öffentliche Prozess nach einer längeren Pause am kommenden Montag, 5. Januar.

Der Pflichtverteidiger geht davon aus, dass Manuel P. seine Haftstrafe in der Heinsberger Jugendstrafanstalt verbüßen wird. „Aller Wahrscheinlichkeit nach“ werde sein Mandant wohnortnah untergebracht.

Keine Prügeleien im Gefängnis, eine vernünftige Ausbildung – diese Tipps hat Zipfel dem Jugendlichen gegeben. „Der Knast ist das Beste, was Manuel passieren konnte“, sagt er überzeugt. Hinter Gittern lerne der Junge aus Hückelhoven endlich Strukturen und Regeln kennen. „Für ihn vielleicht die einzige Chance.“ P. fühle sich „sauwohl“ in Haft, sei als Mörder „hoch angesehen“ und solle bald als Duschwärter Verantwortung übertragen bekommen.

Allerdings habe es im Düsseldorfer Gefängnis Ulmer Höh, wo der 16-Jährige untergebracht ist, einen sexuellen Übergriff eines Mitgefangenen gegeben. Nach Rücksprache mit seinem Anwalt verzichtete Manuel P. auf eine Verlegung in ein anderes Gefängnis. Er habe es „hingenommen, auch mal das Opfer zu sein“. Hier sieht der Fachanwalt für Strafrecht einen Pluspunkt für den mutmaßlichen Friedhofsmörder.

Reue zeige der junge Mann allerdings nur in einem sehr geringen Umfang. Er denke auch nicht daran, sich beim Bruder des Getöteten, der als Nebenkläger an den Verhandlungen teilnimmt, zu entschuldigen. Gerhard Zipfel kommt klar mit seinem Mandanten. „Um einen Zugang zu finden, rede ich bewusst flapsig mit ihm“, erzählt der Rechtsanwalt. Und: „Ich versuche, den Jungen zu verstehen. Es ist nicht der erste Mord, den ich verteidige.“

Quelle: RP

 
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