Erkelenz: Auszeit vom grauen Alltag
VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008Erkelenz (RPO). Schweigen kann so wohltuend sein, sagte Elke Schnyder. Wie man Meditation und Ruhemomente in den Alltag einbauen kann, vermittelt die Gemeindereferentin in einem Kursus.
Den Alltag einmal ganz loslassen und sich in der Stille nur mit sich selbst auseinandersetzen. Elke Schnyder (51), Gemeindereferentin der Gemeinschaft der Gemeinden St. Maria und Elisabeth, bietet derzeit wieder eine meditative Auszeit an, in der Teilnehmer jeden Alters diese Erfahrung machen können. Die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern hat sich zur Geistlichen Begleiterin ausbilden lassen und hilft seitdem Menschen, die Facetten ihres Lebens zu entdecken und ihm einen Sinn zu geben.
Wie oft nehmen Sie sich selbst eine Auszeit?
Elke Schnyder: Ich versuche mir zumindest einmal im Jahr Zeit für Schweigeexerzitien zu nehmen.
Was machen Sie dann?
Schnyder: Gemeinsam mit zwei Kolleginnen fahre ich in ein Exerzitienhaus. Unter fachlicher Begleitung gibt es Impulse für die stille Zeit.
Unser Leben wird immer hektischer. Wird auch der Bedarf nach Meditationsangeboten größer?
Schnyder: Ja, auf jeden Fall. Gerade die Adventszeit, die ja ruhig und besinnlich sein sollte, wird immer hektischer. Aber weil der Bedarf nach meditativen Angeboten da ist, habe ich die meditative Auszeit auf Wunsch der Teilnehmer aus der Adventszeit in den November vorverlegt. Und die Nachfrage wird jedes Jahr größer. Mittlerweile kommen auch vermehrt Männer zu den Abenden. Das freut mich, denn das Angebot richtet sich ja nicht nur an Frauen.
In Ihrem Kurs widmen Sie sich auch Rainer Maria Rilkes Gedicht „Ich labe mein Leben in wachsenden Ringen“.
Schnyder: Ich habe immer einen roten Faden in meinen Auszeiten. Dieses Jahr habe ich mir eben Gedichte herausgesucht. In Rilkes Gedicht geht es darum, das Leben zu leben, es auszukosten. Wir wissen nicht, wie viele „Ringe“ das Leben für uns bereit hält und deshalb sollten wir unser Leben bewusst gestalten und leben. Die Gedichte dienen dazu, auf das eigene Leben zu schauen, sich auf Sinnsuche zu begeben.
Was erwartet die Teilnehmer bei der meditativen Auszeit noch?
Schnyder: Der Abend beginnt mit einer Ankommübung. Wir lassen alles lost, was uns daran hindert, ganz loszulassen. In einem von mir vorbereiteten Heftchen gibt es dann Gebete, Lieder, eine Bibelstelle und einen Impuls für die stille Zeit.
Was passiert in der stillen Zeit?
Schnyder: Jeder verbringt 30 Minuten auf seine Weise ganz für sich. Ohne zu sprechen. Wer möchte, kann in die abgedunkelte Kirche gehen. Dort brennen nur Kerzen. In einem anderen Raum können bei meditativer Musik Mandalas gemalt werden. Wer will, kann auch seine Gedanken aufschreiben oder mit Wasserfarben malen. Nach der stillen Zeit kommen wir noch einmal zusammen. Wer möchte, kann erzählen, wie es ihr oder ihm in der stillen Zeit ergangen ist. Der Abend endet mit einem Lied und einem Segen.
Wie kann ich Meditation in meinen Alltag einbauen?
Schnyder: Versuchen Sie im Laufe des Tages eine kleine Auszeit zu nehmen. Fünf oder zehn Minuten reichen schon aus. Suchen Sie sich einen festen Platz und richten sich diesen nett her. Mit einer Blume, mit Kerzen, vielleicht auch am Fenster, damit Sie rausschauen können. Als Impuls kann eine Bibelstelle, ein Gebet, ein Lied, ein Lieblingszitat oder ähnliches dienen. Nehmen Sie sich täglich diese kurze Zeit für sich. Und wenn es Ihnen möglich ist, bauen Sie die Zeit weiter aus.
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