Erkelenz: Berufskolleg kooperiert mit FH
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 02.10.2008Erkelenz (RPO). Das Erkelenzer Berufskolleg und die Fachhochschule Niederrhein arbeiten in der Erzieher-Ausbildung ab sofort eng zusammen – in einem neuen Studiengang. Der eröffnet den Absolventen den europäischen Arbeitsmarkt.
Das Berufskolleg Erkelenz geht neue Wege: Seit diesem Schuljahr kooperiert die Schule mit der Fachhochschule Niederrhein. Genau gesagt mit deren Fachbereich Sozialwesen in Mönchengladbach. Dazu wurde ein neuer Studiengang geschaffen. „Bildung und Erziehung in der frühen Kindheit“ heißt dieser, betrifft die Erziehung von Kindern unter drei Jahren und schließt mit dem Bachelor ab.
„Das ist wirklich etwas ganz Neues“, versichert Paul Günther Threin, Leiter des Berufskollegs. Denn von gängigen FH-Kooperationsmodellen unterscheide sich diese Zusammenarbeit grundlegend. Zum Beispiel von der Kooperation von Firmen und Fachhochschulen, wo die Azubis parallel zur betrieblichen Ausbildung die FH besuchen. „Das wird schon 20 Jahre praktiziert“, sagt Threin. Ebenfalls schon länger bieten Fachhochschulen Studienanfängern die Möglichkeit an, nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung durch eine Prüfung direkt ins dritte Semester eingruppiert zu werden.
2500 Schüler
Das Erkelenzer Berufskolleg ist eine Bündelschule, in der im Wesentlichen alle beruflichen Richtungen und Schulformen vertreten sind. Zurzeit besuchen ca. 2500 Schüler in über 100 Klassen das Kolleg. Das bietet dafür 24 Bildungsgänge mit 23 Prüfungsordnungen an. „Wir haben allein 86 unterschiedliche Zeugnisformulare“, sagt Leiter Paul Günther Threin.
Beim neuen Modell wird dagegen die abgeschlossene Ausbildung zum staatlich geprüften Erzieher im Berufskolleg auf das eigentlich sechssemestrige Studium angerechnet. Das verkürzt sich so grundsätzlich auf vier Semester. „Erstes und zweites Semester gibt es nicht“, bekräftigt Threin. Im Sommersemester 2010 könnten so die ersten Erkelenzer Absolventen den verkürzten Studiengang beginnen – 36 aktuelle Schüler kommen dafür potenziell in Frage.
Die Kooperation habe für das Berufskolleg eine sehr positive Rückkopplung, sagt Threin: „Wir können uns so stets selbst überprüfen, das dient unserer eigenen Qualitätssicherung.“ Und auch die FH profitiere nachhaltig: „Die kann schließlich mit dem neuen Angebot im internen Konkurrenzkampf der Fachhochschulen ihre Stellung stärken.“ Eine klassische win-win-Situation also. Threin: „Es gibt da nur Sieger.“
Der tiefere Sinn des neuen Studiengangs liegt jedoch noch woanders: In allen Nachbarländern ist der Erzieher kein Ausbildungs-, sondern ein Hochschulberuf – die deutsche Ausbildung zum Erzieher ist in den Nachbarländern daher nicht anerkannt. „Unsere bisherigen Absolventen hatten bislang so keine Chance, beispielsweise in den Niederlanden oder Belgien eine adäquate Beschäftigung zu bekommen“, bemerkt Threins Stellvertreterin Gabriele Kaspers.
Europaweit anerkannt
Genau in dieses Vakuum stößt der neue Studiengang. „Der ist nämlich europaweit anerkannt; mit ihm können die Absolventen überall pädagogische Leitungsfunktionen übernehmen“, bekräftigt Kaspers. „Wir leben ja hier im Grenzland. Und gerade in den Niederlanden ist der Bedarf an Erziehern für Kleinkinder sehr groß“, ergänzt Threin. Der kann sich auch gut vorstellen, die Kooperation auf weitere Bereiche auszudehnen.
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