Erkelenz: Cannabis-Konsum steigt
VON NATALIE URBIG - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Erkelenz (RPO). Immer mehr junge Leute greifen zu illegalen Drogen. Das stellt die Suchtberatung des Kreisgesundheitsamtes fest. Auffällig ist, dass Betroffene immer mehr zu einem multiplen Drogenkonsum neigen.
Der Trend ist eindeutig: weg vom Alkohol, hin zu illegalen Drogen. Die Suchtberatung des Kreisgesundheitsamtes zieht in ihrem Jahresbericht Bilanz. "Seit Mitte der neunziger Jahre kündigt sich diese Entwicklung an", sagt Wolfgang Sommer, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Und: Die Fälle des Alkoholmissbrauchs nehmen ab, gleichzeitig steigt der Konsum illegaler Drogen wie Cannabis und Amphetaminen.
Gravierende Folgen
Während das Durchschnittsalter der Alkoholabhängigen zwischen 40 und 60 Jahren liegt, greifen immer mehr Minderjährige zu Cannabis. Eine Droge, die ihren harmlosen Ruf längst verloren hat. "Auch hier gilt: Je früher mit dem Drogenkonsum begonnen wird, desto schlimmer sind hinterher die Folgen", erklärt Wolfgang Sommer.
Suchtberatung
Aufgaben Die Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes bieten persönliche Einzelberatungen, Einzel- und Gruppentherapien, Vermittlung von Entgiftungs- und stationären Entwöhnungsbehandlungen sowie therapeutische Nachsorge an.
Kontakt Suchtberatung Heinsberg Tel. 02452 135324.
Suchtberatung Erkelenz, Tel. 02431 9771810.
Und die können gravierend sein, so fördert Cannabis zum Beispiel die Entstehung von Psychosen. Eine Verbindung von Cannabiskonsum mit einer Psychose sei besonders problematisch: "Diese Gruppe ist für uns schwer erreichbar." Meist handelt es sich bei den Betroffenen um junge Männer ohne Perspektive, die jeden sozialen Bezug verloren haben und kriminell veranlagt sind.
"Oft sind die Konsumenten unzuverlässig und erscheinen nicht bei ihren Beratungsterminen", sagt Sommer. Hinzu komme, dass viele von ihnen nicht freiwillig, sondern auf gerichtliche oder schulische Anordnung die Suchtberatung in Anspruch nehmen und so der Wille fehlt, etwas zu ändern.
800 Menschen suchten im vergangenen Jahr eine der drei Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes auf. "Auffallend ist, dass Betroffene immer mehr zu einem multiplen Drogenkonsum neigen", sagt Wolfgang Sommer.
Ein weiteres Thema ist das sogenannte Komasaufen. Die Fallzahlen steigen stetig, auch im Kreis Heinsberg. Um dem entgegenzuwirken, setzt die Suchtberatung auf Präventionsmaßnahmen. Ilona van Halbeek, tätig in der Suchtprophylaxe, bietet Beratung an.
Auch bei nicht stoffgebundenem Suchtverhalten wie Spielsucht berät das Gesundheitsamt. "Online-Sucht spielt bei uns bisher eine untergeordnete Rolle", sagt Sommer. Seit September 2009 gibt es zweimal im Monat eine Sprechstunde für Menschen, die unter Essstörungen leiden. Allgemein kann Sommer nur empfehlen, bei einer Suchterkrankung rechtzeitig zu handeln. "Je früher jemand mit einem Problem zu uns kommt, desto besser ist seine Heilungsprognose."
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