Erkelenz: Der heitere Skeptiker geht
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 15.01.2008Erkelenz (RPO). Ungeheures Wissen gewürzt mit einer Prise Ironie – so ist Heinz Thelen bei Generationen von Schülern und den Kollegen bekannt. Ende des Monats geht der Gymnasial-Lehrer für Deutsch und Geschichte in den Ruhestand.
Wenn im Kollegium des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums die Geschichtslehrer eine knifflige Frage erörtern und nicht weiterwissen, dann gibt es quasi eine letzte Instanz: „Den Thelen fragen, der weiß das mit Sicherheit“, verrät ein junger Kollege. Thelen – das ist Studiendirektor Heinz Thelen, seit 1974 am Cusanus Lehrer für Deutsch, Geschichte und Philosophie.
„Cusanus-Dino“
Allzulange kann der „Cusanus-Dino“ aber nicht mehr um fachlichen Rat befragt werden: Ende des Monats geht der 63-Jährige in den Ruhestand. „Jetzt, wo es unmittelbar aufs Ende zugeht, ist der Kloß im Hals schon groß“, bekennt er. Zumal er ins allgemeine Klagelied über die nachlassende Leistungsfähigkeit der heutigen Schülergeneration nicht einstimmen kann: „Die Schüler waren früher nicht schlauer. Speziell in den 70er Jahren waren sie einfach nur wesentlich aufmüpfiger und kritischer. Und dass die heutigen Schüler in der Tat weniger wissen als ihre Vorgänger, liegt am kulturellen Umfeld, das sie nicht mehr so fordert.“
Der Schachspieler
Am liebsten hat Heinz Thelen Geschichte unterrichtet. Seine Lieblingsautoren sind Friedrich Hölderlin, Wilhelm Raabe und Hans Henny Jahnn, seine bevorzugten Philosophen Platon, Kant und Schopenhauer. Dann ist da noch seine Schachleidenschaft – nicht nur als Leiter der Cusanus-Schach-AG. So hat er mit dem Rheydter SV in der Zweiten Liga gespielt und war 1965 Rheydter Stadtmeister.
Das sagt er gelassen und ohne Groll. Typisch für ihn, der stets ein unaufgeregter Pädagoge war – mit einem Weltbild, das sicherlich von tiefer Skepsis bestimmt ist. Die vermittelte er jedoch auf sehr heitere Art. Dazu gehörten auch launige Anmerkungen in Klassenarbeiten. So kommentierte er in einer Klausur über Schillers „Maria Stuart“ die an einer Stelle überaus ersichtliche Zuhilfenahme einer Interpretation wie folgt: „Wo stammt denn dieser schlaue Einfall her? Hast Du’s nicht ’ne Nummer kleiner?“
Und wenn im Unterricht die Antworten mal zu hanebüchen wurden, reagierte er gerne mit lustvoller Schlagfertigkeit – als er etwa auf seine Frage „Wann waren die Olympischen Spiele in Berlin?“ die Antwort „1956“ erhielt: „Vor oder nach Christus?“
Als es dann später, im Geschichte-Leistungskurs, auch inhaltlich richtig interessant wurde, da lief Thelen erst recht zur Höchstform auf. Sein ungeheures Wissen (ein Schüler dieser Tage treffend: „Sollte ich mal Kandidat bei Wer-wird-Millionär sein, sind Sie mein erster Telefonjoker“) würzte er mit viel Ironie und verband es mit mutigen Thesen, die zu offenen Diskussion reizten. Bemerkenswert war dabei seine Toleranz, die auch politisch völlig Andersdenkende einschloss. Das Ganze garnierte er mal mit sanftem Zynismus, mal mit deftigem Sarkasmus – mächtig unterhaltsam war’s allemal. Keine Frage, da ging man gerne hin.
Auch, weil er seinen Zöglingen dabei eine Menge Lebensweisheiten und eigene, sehr persönliche Erfahrungen mit auf den Weg gab. „Nicht (nur) für die Schule lernen wir, sondern (auch) fürs Leben“ – bei Heinz Thelen war es wirklich so.
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