Erkelenz: Die Gipfelstürmer
VON KERSTIN DE HAAS - zuletzt aktualisiert: 26.06.2007Erkelenz (RPO). Drei Schulfreunde von einst haben sich zum 30. Jahrestag ihres Abiturs viel vorgenommen: Zu fünft sind sie gerade unterwegs, den Kibo zu erklimmen – den höchsten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs.
Ein Klassentreffen kann schön sein. Man trifft Freunde von einst, hat viel zu erzählen und fühlt sich zu später Stunde wieder jung und abenteuerlustig. Vielleicht lässt man sich auch zu Aussagen hinreißen, die man am nächsten Tag bereut. „Lasst uns zum 30. Jahrestag unseres Abiturs einen Berg im Himalaya besteigen“, könnte so ein Satz sein, bei dem man sich etwas weit aus dem Fenster gelehnt hat. So wie Andreas Krause.
Drei blieben übrig
Als Mann mit bergsteigerischer Erfahrung wusste er ganz genau, was er seinen ehemaligen Mitschülern aus der Klasse 5a des Jahres 1968 da vorschlug. Spontan zugestimmt haben sieben bis acht der heute 48-Jährigen, tatsächlich übrig geblieben sind immerhin drei: Raimund Königs, Jo Hündgen und natürlich Andreas Krause. Mit zwei Freunden, die sich auf das Abenteuer einlassen – Werner Adolph und Manfred Gesch – sind sie gerade unterwegs, den Kibo zu erklimmen: den höchsten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs. Denn dieses Vorhaben hat sich doch als eher machbar erwiesen, als einen Berg des Himalaya zu besteigen. „Das ist in technischer Hinsicht kein Alpinismus, weil weder Seile noch Klammern oder Eispickel nötig sind. Wir haben uns für die landschaftlich schöne Machame-Route entschieden, das ist eher eine Wanderroute“, erzählten sie einen Tag vor ihrer Abreise.
Die Belohnung winkt
Eine Belohnung haben sich die Abenteurer selbst ausgesetzt: An dem Tag ihres Abstiegs vom Kibo kommen die Ehefrauen nach Tansania nachgeflogen. Dann geht’s erst zwei Tage auf Safari und anschließend für drei der Paare noch für eine Woche auf die Insel Sansibar, die ebenfalls zu Tansania gehört.
Die Vorfreude aber auch die Aufregung waren da schon riesig. Trotzdem ist die körperliche Anstrengung enorm: Der Höhenunterschied beträgt 4100 Meter, und in sieben Tagen hat der Organismus wenig Zeit, sich an die jäh sinkenden Temperaturen und die dünner werdende Atmosphäre zu gewöhnen. Tagsüber herrschen dort etwa Null Grad, nachts bis minus 20, übernachtet wird in Zelten, und die hygienischen Bedingungen sind ebenso naturnah. Vorbereitet haben sich die Männer (darunter ein passionierter Marathonläufer, einer, der auch schon mal mit dem Fahrrad nach Rom fährt, aber auch einer, der sich gerade erst das Rauchen abgewöhnt hat) in der Eifel, im Siebengebirge, im Sauerland und auf der Sophienhöhe. Am meisten befürchten die fünf Abenteurer die Höhenkrankheit, die sich durch Übelkeit, Erbrechen und Nasenbluten ankündigt und zur sofortigen Umkehr zwingt.
Durch tropischen Regenwald
Darauf achten die Bergführer, die genau wie Gepäckträger pflichtgemäß die Gruppe begleiten. Am Sonntag ging es los – geimpft und medikamentös versorgt gegen Gelbfieber, Malaria, Hepatitis und einiges mehr – nach Tansania. Gestern führte der erste Marsch durch tropischen Regenwald auf 2990 Metern Höhe, heute geht’s zum Shira-Plateau, und am Samstag bei Sonnenaufgang erreichen sie hoffentlich den Gipfel: Uhuru-Peak – mit 5895 Metern der höchste Punkt in Afrika.
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