Erkelenz: Die Leinwand als Spielfeld
VON IRIS BARTH - zuletzt aktualisiert: 24.01.2012Erkelenz (RP). Die einzelnen Schaffensphasen eines Werks dem Betrachter vor Augen führen – das wollen Karin Planker und Max Müller bei ihrer Ausstellung in Haus Spiess. Feste Strukturen gibt es in der informellen Malerei dabei nicht.
Der Weg ist ihr eigentliches Ziel, die Leinwand dabei das Spielfeld spontaner Impulse. Die einzelnen Schaffensphasen dem Betrachter vor Augen zu führen und gleichzeitig den Effekt des entstandenen Werkes widerzuspiegeln, haben sich die Künstler Karin Planker und Max Müller zur Aufgabe gemacht. Bei ihrer Ausstellung in Haus Spiess betonen sie diesen eigenen Ansatz von zeitgenössischer Kunst.
Planker gilt als eine informelle Künstlerin unserer Zeit. "Ich experimentiere gerne und bin offen für alle Materialien, vor allem Recycling-Produkte", erläutert sie. Diese findet der Besucher bei genauem Hinsehen in ihren Werken, so einem überdimensionalen erdfarbenen Fisch, dessen Maul und Schwanzflosse aus rostigem Altmetall und die Fischschuppen aus gebrauchten Kaffeepads bestehen.
Die Künstler
Karin Planker 1952 in Heinsberg geboren, 1969 Fortbildung in realistischer und freier Malerei. Seit 1990 Ausstellungen unter anderem in Düsseldorf, Frankfurt, Spanien und China.
Max Müller 1946 in Laupheim/Ulm geboren. Studierte an den Kunstakademien Stuttgart und Düsseldorf. Seit 30 Jahren selbstständiger Künstler. Ausstellungen unter anderem in Ulm, Düsseldorf, Köln, den Niederlanden und Belgien. Beide leben und arbeiten in Krefeld.
Keine festen Strukturen
Feste Strukturen gibt es in der informellen Malerei nicht. Sichtbare Zerstörung im Bild gehört zum Prozess des Schaffens. Bei Planker fällt auf, dass sie naturverbundene Farben liebt. In vielen erdfarbenen Bildern findet sich eher spielerisch Rot, mischt sich in den farblichen Kontext und wirkt so auf den Betrachter nie aufdringlich.
Auch Acrylbilder der Künstlerin finden sich in der Ausstellung. "Ich setze dabei auf Augen und Ausdruck, weniger auf den Effekt der Farben", betont sie. Die Lebensfreude der Künstlerin spiegelt sich in ihren Bildern. Auf den zweiten Blick erkennt der Betrachtende jedoch den Tiefgang, der sich fast spielerisch eingearbeitet verbirgt. So beim Clown mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite die lustige Rolle, die von ihm erwartet wird, das Akkordeon spielend, auf der anderen Seite finden sich Gläser und eine Flasche, damit hinter der Maske die Realität. Gerade in diesen Motiven verstecken sich symbolhaft Fingerzeige, die die gesellschaftliche Realität tangieren.
Max Müller hat sich in jüngster Zeit ebenfalls der Acrylmalerei zugewandt. Die im ersten Moment bunt und schelmenhaft wirkenden Bilder verbergen, fast unscheinbar eingearbeitet, ernste Bezüge zur Realität, wie das Zahnrad der Zeit. Das Verhältnis Mensch und Tier spielt bei ihm eine wichtige Rolle. Bewundernswert sind seine Skulpturen, von denen er in Haus Spiess nur die kleineren Werke präsentieren kann.
Muskelspiel des Tieres
Eine Robbe sitzt scheinbar verträumt auf der Fensterbank, mehrere Pferdeskulpturen spiegeln die Momentaufnahme des Muskelspiels des Tieres wider. Die Bronze- und Holzskulpturen erfordern großen körperlichen Einsatz. "Es ist ein schöner Ausgleich zur Ölmalerei", sagt er. Seit 1973 arbeitet er in diesem Bereich autodidaktisch.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Astrid Wolters eröffnete die Ausstellung. Christoph Stolzenberger von der Kultur GmbH stellte die Künstler vor. Bis zum 5. Februar ist die Ausstellung geöffnet.
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