Erkelenz: Die Marienglocke ist zurück
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 02.09.2008Erkelenz (RPO). Vor drei Monaten ist die fast 500 Jahre alte Marienglocke von St. Lambertus zur Restaurierung nach Bayern gebracht worden – seit gestern ist sie wieder in Erkelenz. Morgen soll sie an ihrem angestammten Platz hängen.
Werner Rombach kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Beim Anblick der Marienglocke hat eben doch glatt einer gemeint, man hätte die ja bei der Überholung ruhig auch mal sauber machen können – beispielsweise mit einem Sandstrahler. Doch Bronze-Glocken glänzen nie“, bekräftigt der Pfarrer von St. Lambertus – ganz abgesehen davon, dass die Ornamentik auf der Glocke (vor allem das künstlerisch bedeutende Herrscherfries) diese Behandlung wohl nicht überlebt hätte.
Drei Monate weg
Gestern Vormittag kehrte die fast 500 Jahre alte und 2150 Kilogramm schwere Marienglocke (frisch gewogen) wieder heim. Drei Monate war sie zur Restaurierung weg – erst nach Brockscheid (Eifel) in die Glockengießerei Mark, von dort ins Glockenschweißwerk Lachenmeyer nach Nördlingen (Bayern). Dort ist der lädierte Schlagring der Glocke an vier Stellen bei sehr hohen Temperaturen mit Glockenspieß aufgefüllt worden. „Danach ist sie sehr langsam abgekühlt, anders geht’s nicht“, erläutert der Pfarrer seiner staunenden Zuhörerschaft. Die besteht aus gut 30 Mitgliedern der katholischen Frauengemeinschaft, die sich gerade mit Günther Merkens, dem Vorsitzenden des Erkelenzer Heimatvereins, zu einer Stadtführung aufgemacht und nun einen kleinen Zwischenstopp in der Kirche eingelegt hat.
Der Glocken-Zeitplan
Am 20. September wird die Kirchenmusikwoche an St. Lambertus buchstäblich eingeläutet – und zwar nach folgendem Plan:
11 Uhr: Solo für die Marienglocke.
11.05 Uhr: Die vier weiteren Glocken von St. Lambertus fallen ein.
11.10 Uhr: Die drei Glocken der evangelischen Kirche steigen ein. 11.15 Uhr: Schluss.
Der eigentliche Hausherr verfolgt indes besonders gespannt, wie die Glocke durch die rasselnden Kettenzüge ganz sachte nach oben befördert wird. Schließlich hat Rombach das Spektakel beim „Hinspiel“ nicht verfolgen können – beim Herunterlassen der Glocke Ende Mai weilte der Geistliche im Urlaub.
135 Stufen à 25 Zentimeter sind es vom Erdboden bis zum Glockenturm – exakt 33,75 Höhenmeter muss die Marienglocke also zurücklegen. Den ganzen Weg hat sie gestern noch nicht geschafft. „Am Dienstagmittag wollen wir sie im Glockenturm haben“, sagt Monteur Stefan Krest, der auch schon vor drei Monaten dabei war und nun Junior-Chef Julius Maas und Alois Kremer dabei hat.
Dann ist für das Trio die Arbeit aber noch lange nicht beendet. Im Anschluss muss nämlich erst wieder die „Dicke Berta“, die größte Glocke, aus dem Weg geräumt werden, um die Marienglocke wieder an ihren angestammten Platz zu montieren – und die Berta natürlich auch. Krest: „Bis Mittwoch werden wir auf alle Fälle hier zu tun haben.“
Um ihr Geld muss die Firma übrigens nicht bangen: „Gut 26 000 Euro sind für die Marienglocke gespendet worden. Damit ist die komplette Restaurierung abgedeckt“, freut sich Pfarrer Rombach.
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