Erkelenz: Durch Malen Kunst begreifen
VON ANGELIKA HAHN - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Erkelenz (RPO). Halbzeit bei der Sommer-Kunstakademie Hohenbusch. Im Kursus von Leiter Peter Valentiner beschäftigen sich die Teilnehmer mit Hell-Dunkel-Malerei. Dabei lernen sie, die Technik der Altmeister zu verstehen.
Gisela von Westernhagen steht an ihrer Staffelei im Obergeschoss des Laienbrüderhauses und arbeitet an einer Fußballszene – ein bewegter Kampf um den Ball, so wie man ihn auf Fotos gerade wieder hundertfach bei der WM-Berichterstattung in Zeitungen sehen konnte.
Neben ihr liegen solche Fotos ausgebreitet, als Inspiration für die teilweise in getupfter Acryltechnik entstehenden Gemälde. "Mich interessiert die Dynamik in diesen Szenen wie im Sport überhaupt", sagt die Kölnerin in mittleren Jahren, vordergründig alles andere als der Typ des Fußballfans.
"Alte Hasen" und Neulinge
Man spürt, die Hobbykünstlerin ist schon versiert. Kein Wunder: Bereits zum sechsten Mal, so erzählt sie, nimmt sie an Sommerkursen des Malers Peter Valentiner teil. Der "Vater" und "Chef" der Sommer-Kunstakademie leitet auch in diesem Jahr wieder als einziger Künstler alle acht Wochen hindurch Kurse in Freier Malerei.
Sommerakademie
Angebot Neben dem Malereikursus mit Peter Valentiner laufen in dieser Woche die Workshops "Kreativtechniken mit Filz" unter Leitung von Karen Betty Tobias und "Plastisches Gestalten in Speckstein" mit Günther Kraussmann-Borgemeister.
Spätentschlossene Für einige Kurse in den kommenden vier Wochen sind noch Anmeldungen möglich. Kontakt: 0172 1034353 oder 0173 2937740.
Westernhagen arbeitet auch außerhalb der Ferien regelmäßig bei Valentiner in Köln. "Vergangene Woche habe ich mit meinen elf und neun Jahre alten Enkeltöchtern hier bei Julia Schmidtke gemalt." Das Thema "Kreatives Spielen" mit Malerei fand sie maßgeschneidert für Jung und Alt. Bei Jugendlichen, so meint sie ohnehin, sollte man noch viel mehr für die Sommerakademie werben.
In dieser Woche dagegen gönnt sich Westernhagen die Muße allein mit ihrer Kunst im Valentiner-Kursus. Sie ist glücklich, hier im Erkelenzer Land abends die Natur genießen und dies mit der Kunst verknüpfen zu können, sagt die Städterin, die sich im Lövenicher Göddertzhof für die Kurstage einquartiert hat.
Nebenan zieht Dorothee Kreul, ebenfalls aus Köln, die Strukturlinien für ein Gemälde. Kreul ist Anfängerin, zum ersten Mal auf Hohenbusch dabei. Aber ebenfalls angetan. Gemeinsam mit der Freundin habe sie sich gesagt: "Wir brauchen etwas, das uns gut tut. Dann haben wir im Internet gegoogelt und sind auf die Sommer-Kunstakademie gestoßen." Sogar die Örtlichkeit hat sie sich vorher angesehen und war spontan begeistert: "Dieses alte Gemäuer hat was." Ihrem ersten Gemäldeversuch liegt eine Fotografie zugrunde, die einen Menschen im Gegenlicht vor weiter Landschaft zeigt.
Licht und Schatten, die Hell-Dunkel-Malerei, auch Chiaroscuro genannt, sind Thema des Kurses. Diese Technik berühmter Altmeister von Caravaggio bis Rembrandt sollen die Kursteilnehmer durch eigenes Tun erfahren, erzählt der in Kopenhagen geborene und in Nordfrankreich aufgewachsene Dozent Valentiner, der heute in Köln lebt und arbeitet.
Und dass er keine Profis ausbilden will, sondern kreativen Menschen ein Verständnis für die Kunst durchs Malen vermitteln möchte. Bei den zwölf Teilnehmerinnen des laufenden Wochenkurses fällt dieses Bestreben sichtlich auf fruchtbaren Boden.
Ist Valentiner zufrieden mit der Halbzeitbilanz der Sommerakademie? Im Großen und Ganzen ja, sagt der 69-Jährige. Er und seine Mitstreiter in der Dozentenschaft spüren freilich auch ein wenig die Auswirkungen der Wirtschaftskrise: Mit rund 150 Anmeldungen liege das Interesse dieses Jahr etwas unter dem in den vergangenen 13 Jahren der Akademie auf Hohenbusch.
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