Kreis Heinsberg: Expedition ins Unbekannte
VON DOMINIK MERCKS - zuletzt aktualisiert: 25.09.2008Kreis Heinsberg (RPO). Zehn Lehrer aus dem Kreis Heinsberg besuchten einen niederländischen Coffeeshop und erhielten fundierte Informationen. Die neuen Eindrücke sollen in der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema Drogen helfen.
Kaffee 1,50 Euro, Cappuccino 1,70 Euro, Joint 6,50 Euro. Einträchtig hängen die Preisschilder nebeneinander im Roermonder Coffeeshop „Skunk“. Der Verkaufsraum ist gegen Mittag gut gefüllt, über die Hälfte der jungen Besucher spricht deutsch. Mitten drin eine Gruppe, die auffällt: Zehn Lehrer aus dem Kreis Heinsberg, die die ungewohnte Umgebung mustern. „Ich dachte, es wäre dunkler“ und „Eigentlich ein ganz normales Geschäft“, lauten die ersten Kommentare.
Lehrer als Ansprechpartner
Im Rahmen des Euregionalen Präventionsmonats organisierten die AOK Heinsberg, das Kreisgesundheitsamt und das Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizeibehörde die Lehrer-Exkursion in das benachbarte Roermond. „Lehrer und Eltern sind für die meisten Jugendlichen die ersten Ansprechpartner bei Drogenproblemen“, erklärt Klaus Poschen von der AOK, „darum ist es wichtig, dass gerade diese Gruppen gut informiert sind.“
Illegal, aber ungestraft
Genau wie in Deutschland ist der Besitz von und der Handel mit Haschisch in den Niederlanden verboten. Unter gewissen Voraussetzungen wird der Handel aber nicht gesetzlich verfolgt; die Coffeeshops genießen dabei eine Sonderstellung.
Für fundierte Informationen sorgt im Verkaufsraum des Coffeeshops Mitarbeiter Maurice. „Ein Coffeeshop ist ein normales Geschäft mit einigen Einschränkungen“, erläutert er. So dürften Minderjährige den Shop nicht betreten, „weil Kiffen in diesem Alter noch starke Auswirkungen auf die Entwicklung haben kann.“ Generell mache der Haschischkonsum psychisch abhängig, nicht jedoch körperlich. Die deutschen Lehrer zeigen sich interessiert, fragen nach: Nach den Wirkungen und Nebenwirkungen, nach der Kundenstruktur und der niederländischen Gesetzeslage.
Diskussion auf der Straße
Hinter dem Verkaufsraum liegt das so genannte „Rooklokaal“: Rund 15 Personen sitzen dort an den Tischen und rauchen Joints, mehr Männer als Frauen, mehr Otto-Normal-Jugendliche als auffällige Gestalten. „Das ist schon eine andere Welt, die wir hier kennenlernen“, resümiert Lehrerin Getrud Hellenbrandt. Eine Welt, die für viele deutsche Jugendliche nicht unbekannt ist, wie sie aus ihrer Arbeit als Lehrerin und Ansprechpartnerin für die Schülervertretung weiß. „Gerade darum ist es wichtig, als Lehrer informiert zu sein“, ergänzt ihr Kollege Guido Peuker.
Nach dem Besuch geht die Diskussion auf der Straße weiter: „Letztlich sind die Jugendlichen hier besser aufgehoben als beim Dealer an der Straßenecke“, lautet eine Meinung, „in Deutschland wäre das unvorstellbar“, eine andere. Einig sind sich alle: Der Einblick in die Welt der Coffeeshops hilft in der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema Drogen.
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