Erkelenz: Faszinierende Freskotechnik
VON SIGRID BLOMEN-RADERMACHER - zuletzt aktualisiert: 24.08.2010Erkelenz (RPO). Ein Meister seines Fachs weihte Interessierte am Wochenende in die Kunst der Fresko-Restaurierung ein. Gianluigi Colalucci leitete die aufsehenerregende Restaurierung der Michelangelo-Fresken in der Sixtinischen Kapelle. Jetzt war Colalucci Gast in Boris' Atelier in Immerath.
Ein Stück Italien ist in Immerath angekommen: Für die zahlreichen Gäste stehen Brot und Wein in Tonkrügen bereit, einfache Holzstühle laden auf der grünen Wiese zum Verweilen ein, an der Ziegelwand befinden sich die Ergebnisse der Erklärungen, wie die alte und traditionelle Freskotechnik funktioniert, vor der Ziegelwand auf einem Tisch stehen Pigmente und Werkzeuge. Und immer wieder sind Unterhaltungen in italienischer Sprache zu hören.
Der Künstler Boris Fröhlich hat Gianluigi Colalucci zu Gast. Der heute 80-Jährige hat sich 14 Jahre lang in die Welt des Michelangelo versetzt und die Deckengemälde sowie das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle restauriert. Geduldig beantwortet er die Fragen der Gäste, erzählt und erklärt.
Offenes Atelier
Boris Fröhlich Der in Immerath lebende Künstler stellte Besuchern auch eigene Fresko-Arbeiten vor. Drei Tage lang öffnete er sein Atelier für Interessierte, die auch zur Besichtigung des Fröhlich-Freskos im Kreissparkassen-Forum Arsbeck eingeladen waren.
Karriere als Restaurator
Eigentlich habe er gar nicht Restaurator werden wollen, denn in seiner Vorstellung seien diese alte, langweilige Männer. Dann aber habe er einen Restaurator getroffen, der ein toller Typ mit Sportwagen gewesen sei und sein Entschluss – er war gerade mal 19 Jahre alt – war gefasst. Seit 1979 war Colalucci Chef-Restaurator in den Vatikanischen Museen. Seit 2009 ist er technischer Leiter der Restaurierung der Fresken von Buonamico Buffalmacco (14. Jahrhundert) im Camposanto, der monumentalen Friedhofsanlage in Pisa. Wenn man sich so lange intensiv mit dem Werk eines berühmten Künstlers beschäftigt, seine Malerei reinigt und Zentimeter für Zentimeter repariert, dann – so Colalucci – wird man Teil dieser Malerei, identifiziert sich mit dem Meister.
Boris Fröhlich begann sich vor vielen Jahren für die Freskotechnik zu interessieren und zu begeistern. Da er es für die eigene Arbeit ganz genau wissen wollte, nahm er Kontakt mit den Zuständigen in Rom auf, die ihm ermöglichten, die Restaurierung der Fresken in Siena und Rom hautnah – "in den Gerüsten" – zu erleben. Dabei lernte er Gianluigi Colalucci kennen. Eine Freundschaft entstand. Am Wochenende nun war Colalucci – nicht zum ersten Mal – in Fröhlichs Atelier eingeladen, um an einem praktischen Beispiel zu zeigen, wie ein Fresko restauriert wird. Die Begeisterung der Gäste war spürbar. Man könne ja viel über Techniken nachlesen, so der Tenor, aber wenn man sie vorgeführt bekomme, dann verstehe man doch vieles besser.
Und es ist ja auch alles nicht ganz unkompliziert: Da ist die Rede von "spruzzo", dem Spritzanwurf, von "ariccio", dem Ausgleichsbewurf oder von "velo", der Malschicht. Das "spolvere" wird erklärt: Auf Transparentpapier, das über dem Putz aufgebracht wird, wird gezeichnet. Mit einem Schneiderrädchen wird die Zeichnung gelocht. In die Perforierung schließlich werden Farbpigmente gestäubt – quasi die Vorzeichnung für das Fresko. Eine uralte, eine "entschleunigte" Technik – die im 21. Jahrhundert die Menschen immer noch zu faszinieren vermag.
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